Zweiter Weltkrieg:Als die Schlacht um Ungarn tobte

Ende 1944 drang die Rote Armee drang in Ungarn ein, wo ein faschistisches Regime den NS-Schergen die jüdische Bevölkerung auslieferte. Bilder eines der letzten Kapitel des Zweiten Weltkrieges.

Von Jeremias Schmidt

17 Bilder

Deutscher Panzer IV in Debrecen in Ungarn, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Ende 1944 näherte sich die Front auch im Südosten der deutschen Grenze. Die Rote Armee drang in Ungarn ein, wo ein faschistisches Regime den Deutschen die jüdische Bevölkerung auslieferte.

Das Archiv von SZ Photo zeigt Impressionen wie diese von deutschen Soldaten mit ihrem Panzer in der ungarischen Stadt Debrecen. Die meisten Aufnahmen stammen aus Beständen der deutschen Kriegsberichterstatter. Weitere Aufnahmen von SZ Photo vom Kampf um Ungarn finden Sie hier.

Einmarsch der Roten Armee in Rumänien am 23.08.1944; Einmarsch der Roten Armee in Rumänien am 23.08.1944

Quelle: SZ Photo

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Nach desaströsen Niederlagen im Sommer 1944 zeichnete sich ab, dass Deutschland den Zweiten Weltkrieg verlieren würde. Das war auch den Verbündeten des Hitler-Regimes klar geworden, die nun nach und nach die Seite wechselten: Finnland unterzeichnete am 19.September 1944 einen Waffenstillstand mit den Sowjets, bereits zuvor hatte Rumänien nach einem erfolgreichen Staatsstreich die Seiten gewechselt.

Diese Aufnahme entstand nach dem Einmarsch der Roten Armee in Rumänien Ende August. Einheimische begrüßen die sowjetischen Soldaten.

Nikolaus Horthy, 1934

Quelle: Süddeutsche Zeitung Photo

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Bis auf Ungarn blieb Deutschland damit kein Verbündeter mehr. Mehr noch: die ungarischen Ölfelder und Raffinerien waren Deutschlands letzte Quelle für nicht-synthetischen Treibstoff. Hitler wollte Ungarn auch deshalb unbedingt. Dort regierte Admiral Miklós Horthy (1868-1957) das Königreich ohne König, als Reichsverweser.

Juden in Ungarn Scherl SZ Photo

Quelle: Scherl SZ Photo

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In Admiral Horthys Reich war Antisemitismus von Beginn an Usus und sogar geltendes Recht. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges ließ Machthaber Horthy Rasse-Bestimmungen verabschieden, die sich an den berüchtigten Nürnberger Gesetzen orientieren.

Später zögerte der Reichsverweser, für Hitlers "Endlösung" alle ungarischen Juden zu deportieren. Nach einer ersten Welle ließ er 1944 "Evakuierungen" stoppen und wollte hinter den Kulissen einen Separatfrieden mit den Alliierten erreichen.

Im Bild: Ungarische Juden werden von Uniformierten festgesetzt. Am 19. März 1944 beginnen die Massenverhaftungen der Juden in Ungarn und die Transporte in die Vernichtungslager.

Bau von Luftschutzbunkern in Budapest, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Als Schlüsselfigur der Friedensbemühungen galt der Sohn Admiral Miklós Horthys, sein "Stellvertreter" Miklós Horthy junior. Die Deutschen reagierten drastisch: Am 15. Oktober stürmte ein SS-Kommando unter Otto Skorzeny die Budapester Regierungsgebäude und entführte Miklós Horthy junior nach Deutschland. Sein Vater beugte sich dem Druck und trat zurück. Fortan lag die Macht in Ungarn bei den nationalsozialistischen Pfeilkreuzlern um Ferenc Szálasi.

Im Bild: Arbeiter legen in der ungarischen Hauptstadt Luftschutzbunker an. Die Plakate rechts im Bild rufen zum Kampf gegen den Bolschewismus auf.

SS-Soldaten gehen gegen sowjetische Stellungen in Ungarn vor, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Während im Westen mit Aachen die erste deutsche Großstadt an die Alliierten fiel, sandte Nazi-Diktator Adolf Hitler weitere Divisionen nach Osten, um die Rote Armee zurückzuschlagen. Die Steppe wurde zum Grab zehntausender Soldaten auf beiden Seiten. Hier gehen Grenadiere der Waffen-SS hinter einem Sturmgeschütz durch ein Maisfeld vor.

Deutsche Mg-Schützen beim Stellungsbau in Ungarn, 1944

Quelle: SZ Photo/SZ Photo

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Auf jeden deutsch-ungarischen Vorstoß folgte unweigerlich ein Gegenangriff der überlegenen sowjetischen Seite. Den Soldaten blieb zumeist nur wenig Zeit, um ihre Stellungen zu sichern. Hier graben sich deutsche MG-Schützen eilig am Rande eines Feldes ein.

Soldaten und Panzer der Roten Armee an der Ostfront | Soldiers and tanks of the Red Army on the Eastern front

Quelle: Sueddeutsche Zeitung Photo

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Anfang November setzte die Rote Armee mit mehr als einer Million Soldaten in einer gewaltigen Zangenoperation zum Stoß gegen die Hauptstadt Budapest an- die deutschen und ungarischen Armeen drohten eingekesselt zu werden.

Diese Aufnahme zeigt eine sowjetische Panzerbesatzung ohne Orts- und Zeitangabe an der Ostfront.

Ungarische Soldaten in einem Schützengraben, 1944

Quelle: SZ Photo/SZ Photo

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In einem Schützengraben, 1944: Ungarische Soldaten sind an der Front zwischen Theiss und Donau in Stellung gegangen. Eine deutsche Panzerfaust liegt griffbereit am Grabenrand.

Ungarischer Soldat, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Ein Rückzug kam für Adolf Hitler naturgemäß nicht in Frage, Budapest wurde zur "Festung" erklärt und sollte bis zum letzten Mann gehalten werden. Bereits am 7. November erreichten die ersten rumänischen und russischen Einheiten die alten Vororte Budapests, nicht jedoch ohne auf heftigen deutschen Widerstand zu stoßen.

Im Bild: Ein vom Krieg gezeichneter ungarischer Soldat.

Deutsche Panzerfahrzeuge in Ungarn, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Nicht nur der deutsche Widerstand brachte den sowjetischen Vormarsch kurzzeitig zum Stehen: Novemberregen verwandelte das Schlachtfeld in eine Landschaft aus Schlamm und Pfützen, die Fortbewegung schwerer Fahrzeuge war erschwert. Hier fahren deutsche Schützenpanzer durch den Morast.

Deutsche Schützenpanzer in einem Vorort von Budapest, 1944

Quelle: SZ Photo/SZ Photo

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Auf Hitlers persönlichen Befehl hin wurden die deutschen Panzerreserven in Gegenangriffe geschickt, die allesamt im Schlamm stecken blieben. Die Kommandeure der Wehrmacht hatten es wieder einmal nicht gewagt, dem "Führer" zu widersprechen. Im Bild: Deutsche Schützenpanzer in einem Vorort von Budapest.

Ungarische Truppen bei der Überquerung eines Flusses, 1944

Quelle: SZ Photo/SZ Photo

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Die ungarischen Panzer stammten aus den frühen Kriegsjahren und waren den neueren Panzern der Roten Armee unterlegen. Sie konnten leicht ausgeschaltet werden. Hier überquert ein Fahrzeug vom Typ 41 M Turán eine zerstörte Brücke.

Deutsche 8,8 cm Flak beim Erdzielbeschuß in Ungarn, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Die Sowjets hatten im Anschluss wenig Mühe, die ausgedünnten deutschen Stellungen zu durchstoßen. Mit dem Herannahen der Sowjets an die ungarische Hauptstadt gewonnen auch die Kämpfe nochmals an Intensität. Hier eröffnet ein deutsches 8,8 cm Flakgeschütz das Feuer.

Ungarischer Pfeilkreuzler, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Trotz mangelhafter Ausrüstung und großer Verluste leisteten viele ungarische Einheiten weiterhin Widerstand. Mittlerweile war die Front so nahe an Budapest herangerückt, dass viele ungarische Offiziere den zweifelhaften Komfort genossen, die Nächte in ihren eigenen Wohnungen verbringen zu können.

Im Bild: Ein Pfeilkreuzler, kenntlich an der Armbinde am Oberarm, während der Gefechte nahe Budapest.

Zug im Bahnhof von Budapest, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Wer konnte, versuchte zu flüchten. Chaotische Szenen spielten sich kurz vor der Einkesselung Budapests durch die Rote Armee am Bahnhof ab. Bis zum endgültigen Fall der Stadt sollten allerdings noch weitere Monate heftiger Kämpfe folgen.

Franz Szalasi, 1944

Quelle: Scherl/SZ Photo

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Eine entscheidende Rolle für den anhaltenden Widerstand der Ungarn spielten die nationalsozialistischen "Pfeilkreuzler". Gleich nach der Machtübernahme der faschistischen Partei um Ferenc Szálasi wurden unzählige Juden erschossen oder in die deutschen Todeslager deportiert. Die verbleibenden Juden Ungarns wurden mangels einsatzfähiger Züge in Todesmärschen zur österreichischen Grenze getrieben. Erst mit der endgültigen Eroberung Ungarns durch die Rote Armee im März 1945 nahm das Morden ein Ende. Szálasi (li.) und seine engen Gefolgsleute wurden nach Kriegsende öffentlich hingerichtet.

© SZ.de/odg/ghe
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