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Zweiter Weltkrieg in Griechenland:"Die zweite Schuld"

SS-Massaker von Distomo

Raub, Mord, Plünderung: Das am 10. Juni 1944 von einem anonymen deutschen Soldaten aufgenommene Foto zeigt SS-Truppen im Dorf Distomo, kurz nachdem 218 Einwohner als Racheakt für die Aktivitäten der Partisanen in der Gegend ermordet worden waren.

(Foto: dpa)

80 Jahre nach dem Überfall der Wehrmacht auf Griechenland bleibt Athen dabei: Deutschland schuldet dem 1941 bis 1944 besetzten Land Milliarden Euro. Berlin lehnt Reparationsverhandlungen ab.

Von Robert Probst

"Ich wünschte so sehr, längst hätte einer gesagt, der damals Befehle gegeben und ausgeführt hat: 'Ich bitte um Entschuldigung.' Oder: 'Es tut mir so unendlich leid.'" Diese Sätze sind aber nie gefallen. 2014 beim Staatsbesuch in Griechenland sprach der damalige Bundespräsident Joachim Gauck davon.

Auch deshalb ist das Verhältnis zwischen Berlin und Athen beim Thema Weltkrieg noch immer stark belastet. Nun, zum 80. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht am 6. April 1941, hat die Regierung in Athen ihre Forderung nach Verhandlungen über Reparationen für die verursachten Kriegsschäden bekräftigt.

Kurz vor dem Jahrestag an diesem Dienstag erklärte das Außenministerium, dass die Frage der Entschädigung aus griechischer Sicht weiterhin offen sei. "Diese Forderungen sind gültig und aktiv und sie werden mit jedem Mittel geltend gemacht", sagte Ministeriumssprecher Alexandros Gennimatas der Deutschen Presse-Agentur.

"Verhandlungen würden sehr positiv zur weiteren Förderung der griechisch-deutschen Beziehungen beitragen." Griechenland hatte bereits mehrmals darauf hingewiesen, dass die Frage der Reparationen für das Land nicht abschließend geklärt sei.

Mit Ausnahme 1960 vereinbarter Entschädigungen in Höhe von insgesamt 115 Millionen Mark für bestimmte Opfergruppen hat Griechenland nie einen finanziellen Ausgleich erhalten.

298 Milliarden Euro soll Berlin den Griechen schulden

Die Bundesregierung steht allerdings auf dem Standpunkt, dass derlei Ansprüche seit dem "Zwei-plus-Vier-Vertrag" von 1990 endgültig vom Tisch seien. In dem Vertrag zwischen der Bundesrepublik, der DDR und den vier ehemaligen Besatzungsmächten USA, Sowjetunion, Frankreich und Großbritannien sind Reparationen allerdings nicht ausdrücklich erwähnt. Außerdem waren zahlreiche von Nazi-Deutschland angegriffene und besetzte Staaten wie Griechenland und Polen an den Verhandlungen darüber nicht beteiligt.

Nazi-Deutschland hatte Griechenland und Jugoslawien am 6. April 1941 überfallen. Bis 1944 verübten SS und Wehrmacht in Griechenland zahlreiche Massaker. Sie bezeichneten diese als Vergeltung für Partisanenangriffe. Zehntausende griechische Zivilisten kamen im Krieg ums Leben. Eine griechische Parlamentskommission schätzte die Summe für die von Deutschland verursachten Kriegsschäden im Land auf mindestens 289 Milliarden Euro - inklusive einer Zwangsanleihe, die Griechenland der Deutschen Reichsbank während des Krieges gewähren musste.

Zuletzt hatten die Grünen im Bundestag eine Initiative gestartet, den Griechen bei ihren Forderungen entgegenzukommen. Der Antrag wurde vor wenigen Tagen im Bundestag besprochen und erhielt lediglich die Zustimmung der Linksfraktion. Dabei geht es nicht nur um Geld. Joachim Gauck sagte es 2014 so: Es seien "diese nicht gesagten Sätze, die eine zweite Schuld begründen, da sie die Opfer sogar noch aus der Erinnerung verbannen".

© SZ/odg
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