Zuwanderung als Wahlkampfthema:Das Thema Zuwanderung kommt sehr gut an

Er bekommt jetzt heftig Applaus. Das ist jeden Abend so. Das Thema Zuwanderung komme sehr, sehr gut an, hat Lucke vorher in einem Gespräch berichtet. In Frankenthal stockt einigen Schülern in der zweiten Reihe der Atem. Sie sind mit ihrem Leistungskurs gekommen. Ein Mädchen ruft ihrem Lehrer zu, dass sie gehen wolle.

Bodensatz. Welche Menschen meint er? "Ich habe keine bestimmte Gruppe im Sinn", sagt er hinterher. "Ausländische Langzeitarbeitslose, die aus der Abhängigkeit nicht herauskommen." Aber dieses Wort? Er fragt zurück. Was daran störend sei? Technisch gesehen sei Bodensatz "das, was sich nach unten absetzt und nicht wieder hochkommt." Klingt das nicht nach Müll, den man nicht brauche? Nein, das habe er gar nicht im Sinn. Lucke ist irritiert. Er werde, sagt er, darüber nachdenken.

Technisch gesehen. Vielleicht ist der Ausdruck ein Schlüssel, Lucke und seinen Aufstieg besser zu verstehen. Das einstmals langjährige CDU-Mitglied sieht sich nicht als Populist, schon gar nicht als Rechter. "Ich achte sehr darauf, keinen Beifall von der falschen Seite zu bekommen", sagt er. Schon der ständige Verdacht sei eine Rufschädigung. Zum Euro, zur Energiewende, zur Zuwanderung rechnet er vor, was zwingend richtig sein soll. Und trifft auf die Zustimmung von Anhängern, die schon lange argwöhnen, dass vieles nicht mehr mit rechten Dingen zugeht.

Keiner aus der zweiten Reihe bringt so viel Aufmerksamkeit

Erst als Lucke zu ihnen spricht, klingt er spurenweise emotional. Er lobt die Lebenskompetenz der Parteimitglieder, die mitten im Leben stünden, anders "als viele Abgeordnete im Deutschen Bundestag", die nie einen richtigen Beruf ausgeübt hätten. Es sind die Leute, die er braucht. Lucke ist das Gesicht der AfD. Keiner aus der zweiten Reihe bringt so viel Aufmerksamkeit.

Aber er stützt sich auf eine Basis von 16.000 Mitgliedern, die im Gefühl, endlich eine politische Mission zu haben, mit großem Eifer Spenden sammelt und Plakate klebt. Viele Kleinspenden erreichten die Partei, heißt es. Auf eigene Initiative drucken Landesverbände T-Shirts und Plakate. Es gibt Videos, wie eine freche Parodie mit den Puppen "Lucky" und "Kanzlette" und arg ungelenke Produkte wie den AfD-Song, eine Art Kleinbürger-Rap. In Frankenthal muss Lucke zum Abschluss dazu schunkeln, nicht seine Paradedisziplin.

"Der Wahlkampf ist überall Kraut und Rüben", sagt er. "Aber das ist alles wunderbar." Herrlich sei das, die Partei eine Graswurzelbewegung und überall zu sehen. "Das Land ist blau." Was die Plakatdichte angeht, dürfte das vor allem im Südwesten gelten, und es ist kein Wunder, dass Demoskopen sich fragen, wo das hinführt. Bei der Landtagswahl in Bayern sind sie am Wochenende nicht dabei.

Lucke hat den Landesverband im Frühjahr davon abgehalten. Aber für Berlin schließt er auch das Regieren nicht aus. Die politische Farbenlehre soll eine neue Option bekommen, die Bahamas - also Schwarz und Gelb und das Blau der AfD. "Wir sind bereit, grundsätzlich mit jeder demokratischen Partei zusammenzuarbeiten, wenn die sich grundlegend von der Euro-Rettungspolitik abwendet" sagt er. CDU und FDP lehnten sofort ab.

© SZ vom 13.09.2013/schä
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB