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US-Wahl:Weiße Wähler sind in den USA die schwindende Mehrheit

Donald Trump Holds Campaign Rally In Fort Worth

"Silent majority stands with Trump" - auffallend blond erscheint eine Gruppe von Anhängern des republikanischen Präsidentschaftskandidaten der USA.

(Foto: AFP)
  • Die meisten amerikanischen Wähler sind nach wie vor Weiße, doch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt rasch.
  • Generell neigen weiße Wähler eher den Republikanern zu.
  • Zu beobachten sind allerdings Verschiebungen in den vergangenen Jahren: Die Gebildeten wenden sich eher den Demokraten zu, die weniger Gebildeten den Republikanern.

Von Hubert Wetzel

In einer Serie stellt die SZ in den verbleibenden Tagen bis zur US-Wahl sechs verschiedene Wählergruppen vor: Weiße, Schwarze, Latinos, Asiaten, Frauen, Männer.

Die meisten amerikanischen Wahlberechtigten sind nach wie vor Weiße, also Menschen, die nicht der schwarzen, asiatisch- oder lateinamerikanischstämmigen Minderheit angehören. Etwa 225 Millionen US-Bürger dürfen in diesem Jahr ihre Stimmen abgeben, 156 Millionen davon sind Weiße, das sind 69 Prozent. Doch der Anteil der Weißen an der Wahlbevölkerung sinkt rasch, 2012 waren es noch 71 Prozent, im Jahr 2000 sogar noch 78 Prozent. Damit nimmt das relative Gewicht anderer ethnischer Gruppen zu.

Generell neigen die weißen Wähler eher den Republikanern zu, aber natürlich stimmen sie nicht als Block ab. Weiße Frauen wählen anders als weiße Männer, das Bildungsniveau spielt eine wesentliche Rolle, ebenso das Einkommen. Grob lässt sich sagen: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Weißer in einer Präsidentenwahl für den republikanischen Kandidaten stimmt, ist umso höher, je weniger gebildet und ärmer dieser Wähler ist.

Das Meinungsforschungsinstitut Pew hat ermittelt: Weiße Wählerinnen und Wähler, die nur einen Highschool-Abschluss haben, identifizieren sich heute zu 59 Prozent als Republikaner; 1992 lag dieser Wert noch bei 41 Prozent. Besonders dramatisch war diese Veränderung bei den wenig gebildeten weißen Männern. Diese Wählergruppe - Arbeiter, Handwerker - ist in den vergangenen Jahren zum Großteil vom demokratischen ins republikanische Lager gewechselt.

Trumps Auftreten, nicht seine Themenauswahl, bringt ihn ins Stolpern

Weiße mit einer Hochschulbildung hingegen sahen sich 1992 zu 52 Prozent als Republikaner; heute sind es noch 47 Prozent. In dieser Gruppe ging die Veränderung also in die andere Richtung - hin zu den Demokraten. Diese Verschiebungen erklären sehr gut, warum der Republikaner Donald Trump bei der unteren weißen Mittelschicht so erfolgreich ist.

Diese Wähler haben stärker als andere unter der Globalisierung gelitten. Sie haben oft das Gefühl, dass die Regierung in Washington sich um die Probleme von Minderheiten mehr kümmert als um die Sorgen der "kleinen Leute". Die negativen Folgen des Freihandels, illegale Einwanderung und Korruption in der Politik sind Themen, die diese Leute weitaus mehr beschäftigen als etwa die Frage, welche öffentliche Toiletten Transsexuelle benutzen sollen.

Trump ist seit Jahren der erste Politiker, der diese Themen in den Mittelpunkt seines Wahlkampfs gerückt hat. Was ihn immer wieder ins Stolpern bringt, ist weniger die Themenauswahl als sein dilettantisches, ruppiges, zuweilen rassistisches Auftreten. Denn das wiederum schreckt vor allem gebildete weiße Frauen ab.

Der Demokrat Barack Obama hat freilich zweimal bewiesen, dass man eine Präsidentenwahl klar gewinnen kann, ohne eine Mehrheit der weißen Wähler hinter sich zu bringen. 2008 und 2012 stimmten die weißen Wähler jeweils mehrheitlich für die Republikaner John McCain und Mitt Romney. 2012 war die Lücke besonders groß, Romney gewann die Weißen mit einem Vorsprung von 13 Prozentpunkten. Obama konnte diesen Nachteil ausgleichen, indem er die Wähler aus den Minderheiten für sich mobilisierte.

© SZ vom 02.11.2016/pamu

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