Wahlwerbespot Die CDU ist eine Kuh

CDU Ahaus wirbt mit Kuh bei Youtube

Die CDU Ahaus und ihr neues Testimonial: eine Kuh.

(Foto: youtube.com // CDU Ahaus)

Ein kreativer Youtube-Spot oder "großer Mist"? Um ihre Stärke zu zeigen, vergleicht sich die CDU im nordrhein-westfälischen Ahaus mit einem Rindvieh. Tierische Vergleiche sind bei den Christdemokraten gerade in Mode. Nicht alle finden das lustig.

Von Laura Hertreiter

Die Kuh in diesem Kurzfilm, das wird sofort klar, hat auf gar nichts Bock. Ein grün bekittelter Landwirt muss sie an einem Strick aus dem Stall zerren. Dann schleift er sie knapp zwei Minuten lang durch den ganzen Ort, damit sie - offensichtlich unfreiwillig - mehrere Aufgaben meistert. Vor der Sparkassenfiliale verheddert sich ein maskierter Bankräuber in ihren Hörnern, bis die Handschellen klicken. An einem Bachufer zieht sich ein Junge nach einer Angelpartie an ihrem Strick aus knöcheltiefem Wasser, sie glotzt stoisch ins Gestrüpp.

Unterlegt von getragenen Blechbläserklängen attestiert eine Stimme aus dem Off der Kuh für all das fundamentale Stärken. "Sie gibt Sicherheit. Sie schafft Vertrauen. Sie ist stark." Das wäre für sich schon bizarr. Dazu kommt jedoch: Das schlecht geschnittene Filmchen ist der neue Wahlwerbespot der CDU in der nordrhein-westfälischen Stadt Ahaus. Ein Spot, in dem eine Partei im Kommunalwahlkampf ihre Vorzüge präsentieren will, indem sie sich mit einem Rindvieh vergleicht.

Darauf setzt auch der Münchner CSU-Politiker Bernd Posselt vor der Europawahl. Von seinen Plakaten stiert ein gezeichneter schwarzer Bulle mit Krawatte über dem Slogan "Kraftvoll für Europa". Posselt nimmt an, bayerische Passanten hätten nach Landtags-, Bundestags- und Kommunalwahlen genug von Politikergesichtern und zeigt deshalb lieber ein Rindergesicht.

Die Kuh aus Ahaus ist erst seit ein paar Tagen im Internet, und schon ein Hit: Knapp 60 000 Mal wurde der Clip auf Youtube angeschaut, Hunderte Menschen haben ihn unter meist großem Spott in sozialen Netzwerken geteilt.

Satire? Könnte man wohlwollend fragen, aber der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Vortkamp hat in den Ruhrnachrichten mitgeteilt , seine Partei sehe sich als bodenständig, "Die Kuh ist ein Symbol, das auszudrücken." Er habe viele positive Kommentare bekommen. Die Komik des Kuhvergleichs ist also eher unfreiwillig.

Vortkamps Parteikollege Martin Ellerkamp ist mit dem Clip kein bisschen einverstanden. Er ist Mitglied im Ahauser Stadtrat und kandidiert für die mit dem Rind beworbene Wahl Ende Mai. Ein paar Mitglieder seiner Partei hätten ihn gemeinsam beschlossen und mit einer Produktionsfirma aus Ahaus gedreht, sagt Ellerkamp. Jetzt müsse er sich mit dem Spott herumschlagen. Mit dem aus dem Netz und dem seiner Kinder.

Aber immerhin super Klickzahlen für Kommunalwahlwerbung, oder? Ellerkamp seufzt, dann antwortet er mit einer landwirtschaftlichen Metapher: "Diese Werbung ist ein großer, großer Haufen Mist."

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