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Wahl in Hamburg:Der CDU bleibt nur die Rolle als Zuschauerin

Election posters showing top candidates mayor of Hamburg Peter Tschentscher of the Social Democrats (SPD), Katharina Fegebank of the Greens and Marcus Weinberg of the Christian Democrats (CDU) are pictured in Hamburg

Wahlplakate der CDU, SPD und Grünen in Hamburg.

(Foto: REUTERS)

Das Duell SPD gegen Grüne drängt die CDU in den Hintergrund. Spitzenkandidat Marcus Weinberg sehnt sich nach alten Zeiten zurück.

Dass er Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg werden könnte, hat Marcus Weinberg, 51, nie erwartet. Der Bundestagsabgeordnete ist dem Ruf seiner Heimatstadt eher pflichtschuldig gefolgt. Nachdem die Kandidatin erster Wahl, die frühere niedersächsische Ministerin Äygul Özkan, schwer erkrankt war und der Hamburger Fraktionsvorsitzende André Trepoll nicht auf die Rolle des Frontmannes zugreifen wollte, konnte Weinberg, früher Landesvorsitzender, kaum Nein sagen. Aber Bürgermeisterkandidat ist er nicht, er führt nur die Landesliste an. Zu wenig ist von der großstädtischen, liberalen und unkonventionellen Elb-CDU noch übrig, die Weinberg einst gen Berlin verlassen hat. Und die er mochte.

Weinberg hat beste Erinnerungen an die Jahre von Ole von Beust. Dieser führte die Union 2001 zwar erst in ein Bündnis mit der FDP und dem Rechtspopulisten Ronald Schill (man stelle sich diese Konstellation heute vor, ersetze Schill durch AfD), 2004 aber holte er die absolute Mehrheit für die CDU. "Großartige Zeit", sagt Weinberg, stellt aber fest, dass die Aufstellung seiner Partei inzwischen deutlich konservativer ist - und ungleich schwächer. Von den 47 Prozent von einst sind in den Umfragen heute noch 13 übrig.

So bleibt Weinberg nur die Rolles des Zuschauers beim Spiel der anderen. Während sich SPD und Grüne die Simulation eines Zweikampfs liefern, um danach wohl in alter Konstellation weiterzuregieren, sind Weinberg und die CDU nur die Größten unter den Kleinen. Nun dürfte irgendein zweistelliges Ergebnis reichen, um den Oppositionsführer zu stellen, weil Linke, FDP und AfD noch schlechter dran sind. Alle drei Parteien sind mit sich selbst beschäftigt. Die Linke plagt eine Debatte, wie seriös sie mit ihrer Landesliste umgeht. Dort wütet auf den hinteren Plätzen ein erst 18-jähriger Kandidat, beschimpft die eigene Partei, der er erst seit 2019 angehört, und beleidigt und verleumdet alle Genossen persönlich, die ihm nicht nachsehen wollten, dass er den Klimawandel auf Twitter mit dem Holocaust verglichen hatte. Ein Parteiausschlussverfahren gegen den Schüler ist auf den Weg gebracht worden, Anwälte sind in Stellung, Anhänger der AfD feiern den Jung-Linken im Netz schon als einen der Ihren. Die spannendste Frage bei den Linken ist daher, ob das Hamburger Wahlrecht den Mann nicht doch ins Parlament bringt.

Die AfD wiederum, die mit Dirk Nockemann antritt, einem einstigen Schillianer, versucht in Hamburg krampfhaft, nicht wie eine rechte Partei auszusehen. Den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke bat sie jüngst (vergeblich), Pegida in Dresden fernzubleiben, weil das unschöne Bilder für den Wahlkampf liefern könnte. In der Stadt hat sie sogar das Wort "Weltoffen" auf Plakate gedruckt, "aber nicht für Clans und kriminelle Banden". Sie steckt bei sechs bis sieben Prozent. Die FDP schließlich kämpft gegen die Schatten von Thüringen ums Überleben.

Ob Weinberg eine solche Opposition überhaupt anführen will - oder ob er darf? Sollte die CDU ihr Ergebnis von 2015, nur 15,9 Prozent, unterschreiten, wird Weinberg wahrscheinlich nicht mal mehr diese undankbare Rolle bleiben.

© SZ vom 20.02.2020
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