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Autobauer:VW-Chef Diess muss Macht abgeben

VW-Konzernchef Herbert Diess 2019 auf der IAA

Soll "nicht gerade begeistert" sein: Herbert Diess.

(Foto: Silas Stein/dpa)

Der Konzernchef leitet künftig nicht mehr die Hauptmarke. Die Entscheidung fällt nach wochenlangem Führungsstreit.

Von Max Hägler und Angelika Slavik, Hamburg

Volkswagen besetzt nach wochenlangen Turbulenzen und internen Machtkämpfen die Führung der Hauptmarke VW neu. Bislang hatte Konzernchef Herbert Diess diese Firma in Personalunion direkt geleitet, zusätzlich zu seiner Aufsicht über die anderen elf Marken (etwa Audi, Porsche, Scania, Skoda) des weltgrößten Fahrzeugbauers. Nun muss er diesen prestigeträchtigen und machtvollen Posten abgeben.

Diess solle so "mehr Freiraum für seine Aufgaben als Konzernchef" bekommen, teilte der Aufsichtsrat am Montagabend nach einer außerordentlichen Sitzung in Wolfsburg mit. Ihm wird zum 1. Juli Ralf Brandstätter nachfolgen, der bereits Teil des sogenannten "Markenvorstands" ist. Diess erklärte in der offiziellen Mitteilung, Brandstätter habe VW in den zurückliegenden zwei Jahren als Tageschef erfolgreich geführt und den Umbau entscheidend mitgestaltet. Er freue sich, "dass Ralf Brandstätter nach den tiefgreifenden strategischen Entscheidungen der vergangenen Jahre jetzt die Entwicklung der Marke als CEO weiter kraftvoll vorantreiben wird".

Doch aus dem Konzern ist zu hören, dass Diess von der neuen Machtverteilung "nicht gerade begeistert" sei. Der Manager wollte mit der bisherigen Machtkonzentration das Unternehmen schneller umbauen. Zuletzt mehrten sich aber die Stimmen, die auf eine Veränderung drangen. Die beiden wichtigsten Autos der Kernmarke kämpfen mit Softwareproblemen: Die Auslieferung des Golf VIII musste jüngst wegen eines Problems mit dem Notrufassistenten gestoppt werden. Und das Elektroauto ID.3, mit dem VW eigentlich den Massenmarkt erobern und dem E-Auto-Pionier Tesla Konkurrenz machen wollte, wird erst im Spätsommer und nur mit einer radikal abgespeckten Software-Variante auf den Markt kommen.

Der Betriebsrat prangerte die Probleme öffentlich an

Auch das öffentliche Bild des Konzerns war zuletzt schwierig: Im Internet tauchte ein rassistisches Werbevideo auf - VW brauchte lange, um sich dafür zu entschuldigen; vor allem blieben die Verantwortlichkeiten unklar. Auch ein Deal mit der Justiz, mit dem VW seinen Konzernchef Diess sowie Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch aus den Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation freikaufte, führte bei vielen Beobachtern zu Kritik.

Besonders die Arbeitnehmer setzten Diess unter Druck: Der Betriebsrat rund um den machtbewussten Boss Bernd Osterloh prangerte die Probleme öffentlich an und forderte Konsequenzen. Schließlich wetterten die Vertrauensleute der IG Metall in einem offenen Brief heftig gegen die Konzernspitze: Immer mehr Mitarbeiter würden sich für ihren Arbeitgeber "schämen" und ihn sogar verleugnen, schrieben die Betriebsräte.

Auch an anderer Stelle im VW-Konzern, gibt es einen überraschenden Wechsel. Stefan Sommer, bislang Einkaufsvorstand, verlässt das Unternehmen zum Monatsende. Gründe wurden nicht genannt. Das Ressort wird dann bis auf Weiteres von Finanzchef Frank Witter verantwortet - der eigentlich demnächst in den Ruhestand gehen wollte.

© SZ vom 09.06.2020/jobr
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