Vorwurf der sexuellen Belästigung Blasey Ford will nun doch gegen US-Richter Kavanaugh aussagen

Muss sich dem Vorwurf der sexuellen Belästigung stellen: US-Richter Kavanaugh

(Foto: REUTERS)
  • Christine Blasey Ford, die US-Richter Brett Kavanaugh vorwirft, sie sexuell belästigt zu haben, will sich von Senatoren zu dem Fall befragen lassen.
  • Dafür stellt sie Bedingungen. Auch verlangt sie, dass Kavanaugh zuerst aussagt.
  • Über die Forderungen Blasey Fords wird derzeit im Justizausschuss verhandelt. Dass sie das Angebot Blasey Fords zurückweisen, gilt unter Beobachtern als unvorstellbar.
Von Christian Zaschke, New York

Klar ist bisher nur: Christine Blasey Ford wird nicht am kommenden Montag vor dem Justizausschuss des US-Senats aussagen. Dort sollte sie sich zu ihren Anschuldigungen gegen Brett Kavanaugh äußern, den Kandidaten für den Supreme Court. Blasey Ford hat ihm vorgeworfen, sie vor mehr als 35 Jahren sexuell belästigt zu haben. Kavanaugh bestreitet das energisch. Der Fall versetzt Washington seit Tagen in Aufregung.

Dass Blasey Ford nicht am Montag spricht, heißt allerdings nicht, dass sie überhaupt nicht aussagt. Zunächst hatte sie über ihre Anwältin Debra Katz gefordert, das FBI solle den Fall untersuchen. Erst danach sei sie zu einer Aussage bereit. Eine solche Untersuchung hatten die Republikaner jedoch abgelehnt und beschieden, entweder sage Blasey Ford am Montag aus oder gar nicht. Da Blasey Ford genau das aber ausgeschlossen hatte, sah es so aus, als würden die Republikaner den Fall stillschweigend begraben können. Für kommenden Mittwoch hatten sie bereits eine Sitzung des Justizausschusses angesetzt, in der Kavanaugh offiziell als Kandidat bestätigt werden sollte.

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Blasey Ford stellt Bedingungen für eine Befragung

Am Donnerstag nahm der Fall jedoch eine neue Wendung, als Anwältin Katz mitteilte, ihre Mandantin sei unter Umständen auch ohne Ermittlung des FBI zu einer Aussage vor dem Ausschuss bereit. Allerdings müssten dazu einige Bedingungen erfüllt werden. Zum Beispiel solle die Befragung von den Senatoren im Ausschuss vorgenommen worden und nicht von einer außenstehenden Person. Letztere Variante hatten die elf, allesamt männlichen Republikaner im Ausschuss bevorzugt, um den Eindruck zu vermeiden, eine Gruppe von Männern befrage eine Frau kritisch, die von sexueller Belästigung berichtet. Unter den zehn demokratischen Ausschussmitgliedern sind vier Frauen.

Dass die Republikaner die Befragung durch eine außenstehende Person bevorzugen, hat auch mit einem Präzedenzfall zu tun. Im Jahr 1991 hatte die Justizprofessorin Anita Hill dem damaligen Kandidaten für den Supreme Court, Clarence Thomas, sexuelle Belästigung vorgeworfen. Die Afro-Amerikanerin Hill wurde damals von einem komplett weißen, komplett männlichen Justizausschuss scharf befragt. Anschließend wurde Thomas trotz der Vorwürfe zum Richter am Supreme Court ernannt. Dieses Vorgehen hat seinerzeit Frauen im ganzen Land erzürnt. Da die Republikaner derzeit unter Frauen bröckelnde Umfragewerte haben, wollen sie ein ähnliches Bild vermeiden.

Zu den weiteren Bedingungen Blasey Fords zählt, dass Kavanaugh während ihrer Aussage nicht im Raum ist. Diese Forderung dürfte das geringste Problem darstellen. Allerdings hat sie auch verlangt, dass Kavanaugh zuerst aussagt, was die Republikaner strikt ablehnen. Sie argumentieren, der Beschuldigte müsse als Zweiter sprechen, um auf die Vorwürfe antworten zu können. Des Weiteren, sagte Anwältin Katz, müsse die Sicherheit ihrer Mandantin gewährleistet sein. Diese habe, nachdem sie ihre Vorwürfe am vergangenen Sonntag in einem Interview mit der Washington Post öffentlich gemacht hatte, mehrere Morddrohungen erhalten. Ihr Haus in Palo Alto in Kalifornien habe sie mit ihrer Familie verlassen müssen.

Der Justizausschuss verhandelt

Über die Forderungen Blasey Fords wird derzeit im Justizausschuss verhandelt. Als Termin für eine Befragung hat ihre Anwältin den kommenden Donnerstag ins Gespräch gebracht. Das Ultimatum der Republikaner, dass Blasey Ford am Montag oder gar nicht aussagen könne, nannte sie "willkürlich". Tatsächlich liegt der Ball jetzt bei den Republikanern. Dass sie das Angebot Blasey Fords schlicht zurückweisen, gilt unter den Beobachtern in Washington als unvorstellbar.

Am Freitag hat Präsident Donald Trump auf Twitter die Glaubwürdigkeit Blasey Fords infrage gestellt. Das hatte er bisher auf Anraten seiner Mitarbeiter vermieden. Wenn der Angriff wirklich so schlimm gewesen sei, schrieb er, dann hätten doch sicherlich die Eltern oder sie selbst die Sache bei den örtlichen Behörden gemeldet. Blasey Ford solle diese Unterlagen vorlegen, damit man wisse, wann und wo der Vorfall sich zugetragen habe. Die Strategie von Kavanaugh und seinen Vertrauten besteht hingegen darin, nicht infrage zu stellen, dass Blasey Ford attackiert wurde, aber nahezulegen, dass bezüglich der Identität des Angreifers eine Verwechslung vorliege. Ein Freund Kavanaughs hat sogar einen von dessen früheren Klassenkameraden namentlich ins Spiel gebracht und als möglichen Angreifer identifiziert. Blasey Ford hat sich zu dieser Theorie bereits geäußert: Die Chance, dass ihr eine Verwechslung unterlaufen sei, liege bei Null.

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