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Vorherrschaft am Persischen Golf:Weshalb der Jemen-Konflikt eine ganze Region destabilisiert

  • Die Auseinandersetzung zwischen den Schiiten des Jemen und dem saudischen Königshaus ist jahrhundertealt. Der Konflikt in dem südarabischen Land ist auch ein Stellvertreterkrieg zwischen Iran und Saudi-Arabien.
  • Auch im Libanon, Syrien und Irak übt die Islamische Republik über schiitische Gruppen Einfluss aus.
  • Jahrzehntelang stand Jemen unter dem Einfluss des wahhabitischen Königreichs. Zunehmendes Desinteresse der Saudis hat die Eskalation des Konflikts erst ermöglicht.
  • Das militärische Eingreifen der Saudis in den Konflikt im Jemen wird wohl erst der Anfang einer längeren Auseinandersetzung um die Vorherrschaft am Persischen Golf sein.

Es ist mehr als 200 Jahre her, dass der Stamm der Saud die ersten Schlachten mit dem Imamat der Zaiditen um die Vorherrschaft im Süden der Arabischen Halbinsel schlug. So gesehen steht die Intervention des sunnitischen Königreichs im benachbarten Jemen gegen die schiitische Huthi-Miliz in einer langen historischen Linie; die Huthis sind die Erben dieses Imamats.

In Jemen und wohl auch in Saudi-Arabien hegt mancher den Verdacht, die schiitischen Zaiditen wollten mit tatkräftiger Unterstützung aus Iran letztlich das theokratische Regime wieder errichten, das ihnen mehr als 1000 Jahre die Macht über Teile des heutigen Jemen gesichert hatte und erst 1962 in der Revolution zu Fall kam.

Angst vor iranischer Vormacht

Das ist Saudi-Arabien mit seinem Anspruch als regionale Vormacht der Golfmonarchien und des sunnitischen Islam nicht bereit hinzunehmen - auch wenn die Realität weit komplexer sein mag. Hier treibt die Wahrnehmung die Politik, dass in Gestalt der Miliz die Islamische Republik, selbst erklärte Schutzmacht der Schiiten, und der wichtigste regionale Rivale drauf und dran ist, nach Beirut, Damaskus und Bagdad die vierte arabische Hauptstadt zu übernehmen.

Riad hat Jemen immer als Hinterhof betrachtet. In Riad gab es seit den Sechzigerjahren ein beim 2011 verstorbenen Verteidigungsminister Sultan bin Abdul Aziz angesiedeltes eigenes Komitee, das die Jemen-Politik steuerte. Es gibt Brüche und Richtungswechsel - die Konstante aber war immer, Einfluss im Nachbarland zu wahren.

Viele Jahre stand Jemen unter dem Einfluss der Saudis

Das Königreich trug maßgeblich dazu bei, Ali Abdullah Saleh 1978 in Nordjemen als starken Mann zu installieren. Die Saudis spielten eine Rolle bei der Vereinigung des Landes im Jahr 1990, überwarfen sich mit Saleh wegen dessen Unterstützung für Saddam Husseins Invasion in Kuwait.

Sie intervenierten im Bürgerkrieg 1994 aufseiten der Sezessionisten im Süden. Doch blieb auch danach ihr Einfluss in Sanaa bestehen - und die Verbindung zu Saleh. 2012 waren es wiederum die Saudis, die ihn mit mächtigem Druck dazu bewegten, aus dem Amt zu scheiden. Bis heute ist der Ex-Präsident in Jemen aber eine Schlüsselfigur im Kampf um die Macht, nach wie vor gebietet er über loyale Einheiten im Militär.

In den Nuller-Jahren treten Sicherheitsinteressen in den Vordergrund

Das macht die Situation kompliziert, ist aber nur ein Beispiel, wie Riad in wenigen Jahren verspielt hat, was in Jahrzehnten aufgebaut worden war. Für die Saudis ging es Mitte der Nuller-Jahre zunehmend weniger um jemenitische Innenpolitik als um Sicherheitsfragen. 2009 verschärfte sich die Bedrohung durch al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel, als sich die Terrorfilialen in Jemen und dem Königreich zusammentaten. Ein Attentäter versuchte im gleichen Jahr, den heutigen Vize-Kronprinzen und Innenminister Mohammed bin Nayef zu ermorden.

Karte Jemen

Bis heute baut Saudi-Arabien an einem milliardenteuren High-Tech-Grenzzaun, um sich vor Unbill aus dem unruhigen Nachbarland abzuschotten. Zugleich unterstützt Riad den in Jemen unpopulären Drohnenkrieg der USA gegen al-Qaida.