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Verwirrende Abkürzungen:"Wir waren zuerst da!"

José Manuel Paca, 53, kam 1989 aus Angola nach Erfurt. Ein paar Monate später gab es das sozialistische Musterland nicht mehr.

(Foto: oh)

AFD-Gründungsmitglied José Manuel Paca kennt sich aus mit Einwanderung und Führungsstreitigkeiten. Warum angolanische Fachkräfte in Deutschland einen eigenen Verein gegründet haben und was er von dieser neuen Partei - der AfD - hält.

Plötzlich war da dieses Foto im Internet: Es zeigte das Logo des Vereins "Angolanische Fachkräfte in Deutschland". Es war nicht so sehr der Vereinsname, der für Erheiterung sorgte, sondern dessen Abkürzung: AFD. José Paca ist Mitglied dieses Vereins. 1989 kam er von Angola nach Thüringen, ist Vorsitzender des Ausländerbeirats in Erfurt und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Ein Gespräch über Akronyme und deren seltsame Dialektik.

SZ: Herr Paca, Sie sind Gründungsmitglied im Verein Angolanischer Fachkräfte in Deutschland, kurz AFD. Da gibt es ja jetzt diese Partei . . .

José Paca: Die Alternative für Deutschland, richtig. Als ich das erste Mal von denen gehört habe - das wird kurz nach der Gründung gewesen sein - musste ich lachen. Weil die Abkürzung AfD natürlich zu Verwechslungen einlädt. Glücklicherweise gibt es ja kaum inhaltliche Überschneidungen zwischen der Partei und unserem Verein. Ich meine, Weltoffenheit scheint eher nicht so deren Konzept zu sein.

Und was ist das Konzept Ihres Vereins?

Es geht darum, Menschen, die aus Angola nach Deutschland gekommen sind, um hier zu leben und zu arbeiten, besser zu vernetzen. Die Idee war aber auch, hiesige Firmen zu ermutigen, ihr Know-how in Angola einzubringen. Gleichzeitig haben wir in Deutschland lebende Angolaner gebeten, deutsche Investoren vor Ort zu unterstützen, sie mit Sprache und Land vertraut zu machen. Im Prinzip ein großes Austauschprogramm. Das hat lange gut geklappt, aber in letzter Zeit scheint die Kommunikation innerhalb des Vereins gestört zu sein.

Das hätten Sie mit der AfD gemeinsam.

Nur dass unser Vorsitzender einfach wieder nach Angola zurückgegangen ist, wie ich kürzlich erfahren habe. Außerdem gibt es Gerüchte, dass einzelne Mitglieder zu viel Nähe zu verschiedenen politischen Akteuren in Angola suchen. Das hat zuletzt die Stimmung vergiftet. Jetzt müssen wir wohl über neue Strukturen nachdenken.

Vielleicht auch über einen neuen Namen?

Unseren Verein gibt es seit rund zehn Jahren. Wir waren zuerst da!

Nun setzen Sie sich ja nicht nur für Ihre Landsleute ein. Sie sind bei Verdi aktiv und Betriebsratsvorsitzender. Mehr ankommen in Deutschlands Arbeitswelt kann man kaum.

Stimmt.

Der Thüringer Fraktionsvorsitzende der AfD fiel zuletzt dadurch auf, dass er dem Fachkräftemangel in Deutschland mit deutschen Fachkräften beikommen wollte. Nehmen Sie so etwas persönlich?

Ich habe Björn Höcke ein paarmal getroffen, über politische Inhalte haben wir uns leider nicht ausgetauscht. Ich meine, Deutschland hat ein demografisches Problem. Wer zahlt denn mal unsere Rente, wenn nicht ausländische Arbeitskräfte? Aber hey, ich bin ein Fan von Demokratie. Wenn die Thesen der AfD irgendwann Mehrheiten bekommen, dann ist das so. Wäre nur schade um das Ansehen Deutschlands in der Welt.

Gab es sie denn nun - Verwechslungen von AFD und AfD?

Nein. Aber in Deutschland gibt es eine Versicherung namens Unitas. In Angola kennt jeder die Unita - die Nationale Union für die völlige Unabhängigkeit Angolas. Die war lange Widersacher der Regierungspartei, Akteur in einem dreißig Jahre währenden Bürgerkrieg. Wenn man diesen Schriftzug an einer Hausfassade sieht - das ist seltsam.