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Krise in Venezuela:"Diese Leute ruinieren das Land"

Weil das Wasser vielerorts mit elektrischen Pumpen in die Häuser befördert wird, sitzen durch die Stromausfälle viele Menschen auf dem Trockenen. Im Viertel Petare in der Hauptstadt Caracas stehen die Menschen Schlange, um Wasser aus einem Quellwasserschacht zu schöpfen.

(Foto: Federico Parra/AFP)
  • Die Stromausfälle in Venezuela verschlimmern das Leid der Bevölkerung, vielerorts bleibt auch oft das Wasser weg.
  • Oppositionsführer Juan Guaidó versucht, aus dem Chaos Nutzen zu ziehen und ruft zur nächsten Großdemonstration an diesem Samstag auf.
  • Das Maduro-Regime bemüht sich, ihn nach Kräften einzuschüchtern. Nun wurde Guaidós Immunität aufgehoben, theoretisch könnte er jederzeit verhaftet werden.

Ihr Vorname bedeutet Hoffnung, aber die Hoffnung hat Esperanza García längst verloren. An einem heißen Tag Ende März humpelt sie über die Simón-Bolívar-Brücke, die Venezuela mit Kolumbien verbindet. Sie geht noch zwei Schritte, dann legt sie die Hand auf das Brückengeländer und bricht in Tränen aus. García ist 64 Jahre alt, im linken Knie hat sie eine Schleimbeutelentzündung, ihr rechtes Bein ist von einer Thrombose blau angelaufen. Trotzdem ist sie an diesem Tag aus dem gut 40 Kilometer entfernten San Cristóbal in den kolumbianischen Grenzort Villa del Rosario gekommen, einen Teil davon zu Fuß. "Weil es einfach nicht mehr anders geht", sagt sie.

Sie nimmt das Schmerzmittel Flotac, in Venezuela bekommt sie es nicht mehr. Und sie braucht neue Lebensmittel, Mehl, Öl, Reis, Zucker, Milch; Dinge, die für Hausfrauen wie sie in Venezuela längst unbezahlbar geworden sind. García will sie gleich hinter der Grenze kaufen und in einer blauen Tasche zurück ins venezolanische San Cristóbal schleppen. Doch dort wird es für sie dann schwierig werden, auch etwas Essbares aus ihnen zuzubereiten. "Sie nehmen uns den Strom weg, jeden Tag", sagt García. "Und Wasser gibt es auch oft keines."

Politik Venezuela Venezuelas Oppositionsführer verliert Immunität
Juan Guaidó

Venezuelas Oppositionsführer verliert Immunität

Die Maßnahme setzte die regierungstreue Verfassungsgebende Versammlung durch. Damit droht Guaidó die Festnahme. Bremsen lassen will er sich nicht.

Eigentlich hatte der autoritäre Staatschef Nicolás Maduro längst einen "Sieg im elektrischen Krieg" verkündet, den er angeblich gegen die USA und die venezolanische Opposition führt. So tönte er im Staatsfernsehen, wenige Tage, bevor Esperanza García weinend auf der Brücke steht. Es ist nicht bloß ihre Erfahrung, dass dieser angebliche Sieg nichts wert ist. Seit Anfang März wird Venezuela von einer Serie von Stromausfällen heimgesucht. Und weil damit auch die elektrischen Pumpen stillstehen, die das Wasser vielerorts in die Haushalte befördern sollen, ziehen einige Venezolaner jetzt regelmäßig mit Eimern zu Flüssen.

Für manche, die auf dem Land leben, ist die Lage nicht ganz neu, Licht und Wasser gab es dort in den vergangenen Jahren ohnehin nur ein paar Stunden am Tag. Nun aber gehen auch in weiten Teilen der Hauptstadt Caracas immer wieder die Lichter aus, die Metro steht tagelang still, und in den Krankenhäusern versagen die Notstromaggregate.

Juan Guaido, Fabiana Rosales

Stromausfall Ende März in Caracas. Präsident Maduro hat verkündet, dass der Strom für 30 Tage rationiert wird.

(Foto: Natacha Pisarenko/AP)

Dutzende Patienten seien daran gestorben, berichten Ärzteorganisationen. Es kursieren unterschiedliche Zahlen, aber selbst die Maduro-Regierung spricht von 46 Opfern durch Stromausfälle seit 2017. Esperanza García erzählt, auch sie habe einen Todesfall in der Familie. Vor zwei Wochen sei ihre Tante gestorben, da sie wegen des Strommangels keine Dialyse mehr bekommen habe.

Bei einem Auftritt im Staatsfernsehen erklärte Maduro Anfang der Woche, dass die Versorgung nun rationiert werde - Schulen, Behörden und Betriebe sollen um 14 Uhr schließen. Zudem tat der Autokrat erneut alles, um das humanitäre Desaster politisch auszuschlachten. Ursache für die Stromausfälle seien "bestialische Angriffe des Imperialismus und seiner Lakaien", behauptete Maduro. Er meint damit die US-Regierung und die venezolanische Opposition. Gegen deren Anführer Juan Guaidó laufen bereits zwei Ermittlungsverfahren, der Rechnungshof verhängte gegen ihn für 15 Jahre das Verbot, politische Ämter auszuüben. Nun entzog das Maduro-hörige Ersatzparlament, die sogennante "Verfassungsgebende Versammlung", Guaidó die Immunität.