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USA:Trump-Gegner auf Konfrontationskurs

  • Republikanische Kongress-Abgeordnete und US-Senatoren reisen in dieser Woche in ihre Wahlkreise.
  • Auf ihren Bürgerversammlungen stellen sie sich den Fragen der Wähler.
  • Verärgerte Trump-Gegner haben eine große Protestwelle angekündigt.

Jason Chaffetz weiß, wie es ist, wenn Bürger ihrer Wut Luft machen: Hunderte Wähler hatten den republikanischen Abgeordneten aus Utah jüngst während einer Bürgerversammlung aufgebracht dazu aufgefordert, er solle gefälligst seinen Job machen. Als Vorsitzender des Ethik-Ausschusses sei es seine Pflicht, sich mit Donald Trumps Interessenskonflikten zu beschäftigen, schleuderten sie ihm entgegen. Als der 49-Jährige den US-Präsidenten verteidigte, wurde es turbulent - am Ende brach Chaffetz die Veranstaltung vorzeitig ab.

Verärgerte Wähler überschwemmten bereits in den vergangenen Tagen Veranstaltungen der republikanischen Abgeordneten in diversen Bundesstaaten. In dieser Woche dürfte die Stimmung überkochen: Der Kongress in Washington hat Pause, viele Abgeordnete und Senatoren kommen in ihre Bundesstaaten oder Wahlbezirke, um Bürgerversammlungen (town hall meetings) abzuhalten.

Auf die republikanischen Volksvertreter warten dabei nicht nur die eigenen Wähler, sondern eben auch: der andere Teil des Volks, der für Hillary Clinton gestimmt hat und Trump ablehnt. Und der ist nicht nur unzufrieden, aufgebracht und kampfbereit, sondern auch in republikanischen Bezirken ziemlich gut organisiert.

"Indivisible", also unteilbar, nennt sich eine Gruppe progressiver Aktivisten, die früher in der Obama-Regierung beschäftigt waren. Sie haben schon früh eine Anleitung bereitgestellt, wie sich am besten Widerstand auf lokaler Ebene organisieren lässt. Der "Indivisible Guide" ist aber auch eine Webseite, auf der sich Trump-Gegner über eine Postleitzahlen-Suche finden und vernetzen können. "Wir wollen den Druck auf die Kongressmitglieder erhöhen, solange wir diesen Präsidenten haben", erzählte Angel Padilla, einer der Gründer, der Nachrichtenseite Politico.

"Tea Party" als Vorbild

Man nehme sich das Drehbuch der "Tea Party"-Bewegung zu Herzen, sagen die Indivisible-Aktivisten. Diese rechts-konservative Gruppierung der Republikaner hatte während der Obama-Jahre vorgemacht, mit welchen Taktiken man der Regierungspartei das Leben schwer machen kann.

In geschlossenen Facebook-Gruppen tauschen sich nun die Anti-Trumpisten aus und bereiten sich auf die nächste "Town Hall" in ihrem Bezirk vor. Die Organisatorin einer Indivisible-Gruppe in New Orleans etwa kündigt an, die nächste Bürgerversammlung des republikanischen Senators Bill Cassidy finde am Mittwochnachmittag in einer Stadtbücherei eines Vorortes statt. Wer live dabei sein wolle, müsse früh da sein, am besten zwei Stunden vorher, denn der Platz in der Bücherei sei begrenzt. Und gerne sollen die Bürger ihre Fragen mitbringen. Zudem sei Live-Streamen und Twittern der Fragestunde ausdrücklich erwünscht.