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US-Außenpolitik:Die Welt kümmert Trump nicht

US-Präsident Donald Trump

Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Donald Trump macht die USA zu einem Weltpolizisten a. D.

(Foto: AFP)

Der US-Präsident redet gerne von der Weltmacht USA, aber den Preis dafür will er nicht bezahlen. Dieser Widerspruch wurde selten so deutlich wie jetzt an der syrisch-türkischen Grenze.

Vielleicht sollte Donald Trump einmal nach Greeley, Colorado, fahren. Er könnte dort etwas lernen. In der Kleinstadt steht in einem hübschen Park ein Denkmal für die Soldaten, die in Amerikas Kriegen gefallen sind. Die meisten sind sehr weit weg von zu Hause gestorben - in den Argonnen oder im Hürtgenwald, auf Iwojima, in Korea und Vietnam, in Afghanistan und im Irak. Man könnte es so sagen: Das Denkmal zeigt, in Bronze gegossen und Granit gemeißelt, was der Preis dafür ist, eine Weltmacht zu sein. Es warnt vor Hybris, aber es erinnert auch an die globale Verantwortung, die Amerika trägt; genauer: getragen hat.

Trump gefällt die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten eine Weltmacht sind. Der Präsident redet gerne davon, wie stark die Wirtschaft der USA ist, wie unbezwingbar ihr Militär und wie groß der Respekt, den angeblich die ganze Welt vor ihm und Amerika hat. Aber eigentlich ist Trump nicht bereit, den politischen oder militärischen Preis für Amerikas Status als Weltmacht zu bezahlen. Er pflegt Amerikas alte Bündnisse nicht, weder in Europa noch in Asien, und er schmiedet auch keine neuen.

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Er jammert darüber, dass alle die USA immer nur ausnutzen. Er will Amerika raushalten aus fernen, fremden Streitigkeiten, den "dummen, endlosen Kriegen", wie er es nennt. Aber dann ist er wütend, wenn andere Mächte sich einmischen und das Vakuum füllen, das sich auftut, wenn der Weltpolizist geht.

Diese Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist einer der zentralen Widersprüche in Trumps Außenpolitik. Und er wurde kaum je so deutlich wie jetzt an der syrisch-türkischen Grenze. Trumps Bedürfnis, einige Dutzend Soldaten heimzuholen, hat dort zu einem veritablen Desaster geführt. Aus einer Laune heraus hat der Präsident Amerikas Ruf als treuer Verbündeter zerstört.

Er hat gleich vier US-Widersachern ein Geschenk gemacht: dem syrischen Giftgasmörder Baschar al-Assad, dessen Schutzmächten Russland und Iran sowie der Terrororganisation IS. Und er hat die Nato in eine sehr gefährliche Lage gebracht: Türkische Soldaten haben auf amerikanische GIs geschossen. Zudem ist die Gefahr real, dass die russische Truppen, die sich jetzt fröhlich in den geräumten US-Stützpunkten fotografieren lassen, in Gefechte verwickelt werden.

Dass Trump nun einige schwache Sanktionen gegen die Türkei verhängt hat, ist nur Kosmetik. Der Präsident ist gekränkt, weil Ankara seine Warnungen vor dem Angriff auf die syrischen Kurden ignoriert hat. Doch warum hätte die Türkei den Schwätzer in Washington ernst nehmen sollen? Und Trump weiß, dass der Kongress, der einen klareren Blick auf das ganze Drama hat, im Ernstfall auch gegen seinen Willen Strafmaßnahmen beschließen wird. Also beugte er einer absehbaren Niederlage lieber vor.

Wie Trump tatsächlich über das Chaos denkt, das er angerichtet hat, kann man wie immer in seinen Tweets nachlesen: Es kümmert ihn nicht, weil ihn die Welt nicht kümmert, geschweige denn das Schicksal von ein paar Kurden, die, wie er fachmännisch festgestellt hat, den Amerikanern damals in der Normandie ja auch nicht geholfen haben.

"Mir ist egal, wer Syrien hilft, die Kurden zu beschützen, ob Russland, China oder Napoleon Bonaparte", twitterte Trump. "Hoffentlich machen sie es gut, wir sind 7000 Meilen weit weg!" In diesen zwei Sätzen steckt die gesamte strategische Doktrin des Präsidenten der (ehemaligen) Weltmacht Amerika.

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