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USA nach Tod von Trayvon Martin:"Hätte er doch keinen Kapuzenpulli getragen"

In Chicago, Washington und New York gehen die Menschen auf die Straße: Sie fordern Gerechtigkeit nach dem gewaltsamen Tod des 17-jährigen Trayvon Martin, der von einem Mitglied einer Bürgerwehr erschossen wurde. Geschürt wird der öffentliche Volkszorn von der Äußerung eines TV-Moderators.

Die Empörung in den USA nimmt zu: Nach dem tödlichen Schuss auf den unbewaffneten schwarzen Teenager versammeln sich erneut Tausende Amerikaner auf der Straße, um gegen Rassimus zu protestieren und Gerechtigkeit für Trayvon Martin zu fordern.

People gather at 'Stand Up for Trayvon Martin' rally in Washington

In Kapuzenpullovern und mit Plakaten, auf denen "Wir sind alle Trayvon Martin" steht, gehen Demonstranten in Washington auf die Straße. Den 10. April riefen sie zum Kapuzentag aus.

(Foto: REUTERS)

Viele Teilnehmer unter anderem in Washington, New York, Chicago und Tampa waren mit schwarzen Kapuzen-Sweatshirts bekleidet - ähnlich jenem, das der 17-jährige Trayvon Martin am Tag seines Todes getragen hatte. Auch via Facebook und Twitter haben mittlerweile Millionen Menschen ihrem Zorn und ihrer Verbitterung über Trayvons gewaltsames Ende Luft gemacht.

Fox-Nachrichtensprecher Geraldo Rivera schaltete sich mit einer gewagten These in die Debatte ein: Der TV-Moderator vermutete, der 17-jährige Trayvon wäre noch am Leben, wenn er keinen Kapuzenpulli getragen hätte. "Meiner Meinung nach war der Kapuzenpulli ebenso für den Tod von Trayvon Martin verantwortlich wie George Zimmerman." Die Quittung für Riveras unüberlegte Äußerung folgte prompt: Twitter-User beschimpften ihn als "Depp" und es kursieren bereits erste Forderungen, den firmeneigenen Fox-Kapuzenpullover nicht mehr auf der Homepage anzubieten.

Trayvon Martin war am 26. Februar in Sanford, einem Vorort von Orlando, Florida, während eines Abendspaziergangs getötet worden. Der 28-jährige Schütze George Zimmerman, ein Weißer, der in dem Wohngebiet freiwillig Sicherheitspatrouillen durchführte und deswegen bewaffnet war, gab an, dass er aus Notwehr gehandelt habe. Er soll den Jungen in einem Anruf bei der Polizei kurz vor der Tat mit einem rassistischen Schimpfwort bedacht haben. Barack Obama, der erste schwarze Präsident der USA und Vater von zwei Töchtern, sagte nach dem Vorfall: "Wenn ich einen Sohn hätte, würde er wie Trayvon aussehen".

Seit der Fall US-weit bekannt wurde, regen sich im ganzen Land Proteste, weil die Behörden zunächst nicht gegen Zimmerman vorgingen. Es heißt, erste Untersuchungen hätten nicht genügend Beweise für ein kriminelles Verhalten erbracht. Nun wird sich aber am 10. April eine Grand Jury (Anklagekammer) mit dem Fall beschäftigen und darüber entscheiden, ob Anklage wegen Mordes erhoben werden soll. Die Demonstranten riefen den 10. April zum Kapuzentag auf: Jeder bis hin zum Präsidenten persönlich solle dann eine Kapuze tragen.

Allein in Washington forderten 2000 Demonstranten "Gerechtigkeit für Trayvon". Sie prangerten an, dass es weiterhin Rassismus in den USA gebe - trotz der Tatsache, dass mit Obama ein schwarzer Präsidenten an der Spitze des Staates stehe. "Man kann in diesem Land immer noch ermordet werden, weil man schwarz ist", sagte Demonstrant Bless Davis.

Eine schwarze Separatistengruppe, die New Black Panther Party, setzte ein "Kopfgeld" in Höhe von 10.000 Dollar für die "Gefangennahme" Zimmermans aus. Unterdessen wurde in Florida nach Medienberichten ein 68-Jähriger festgenommen, der den inzwischen aus dem Amt geschiedenen Polizeichef von Sanford mit dem Tode bedroht hatte.