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US-Wahl:Trump gibt zu, sich geirrt zu haben

Donald Trump

Haben die Negativschlagzeilen und die Furcht vor Sympathiverlust Trump zum Einlenken gebracht?

(Foto: AP)
  • Noch vor wenigen Tagen hatte Trump gesagt, dass er noch nicht so weit sei, Ryan und McCain zu unterstützen.
  • Nun lenkt der Präsidentschaftskandidat ein. Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten gebe es ein gemeinsames Ziel: Hillary Clinton bei der Wahl im November zu besiegen.
  • Trump gab außerdem zu, ein Video falsch interpretiert zu haben, von dem er behauptet hatte, es zeige eine Lösegeldlieferung der USA an den Iran.

Nach einer schlechten Wahlkampf-Woche lenkt Donald Trump ein. In einer Rede stellte er sich hinter zwei prominente Parteikollegen, die sich in diesem Jahr um ihre Wiederwahl in den US-Kongress bewerben: den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, und den Senator von Arizona, John McCain. Noch vor wenigen Tagen hatte Trump gesagt, dass er noch nicht so weit sei, sie zu unterstützen - eine offensichtliche Revanche dafür, dass sich Ryan selber zuvor nur zögerlich hinter Trump gestellt und McCain den Immobilienmogul wiederholt scharf kritisiert hatte.

"Arm in Arm werden wir die Nation vom Obama-Clinton-Desaster retten", sagte Trump. Trotz mancher Meinungsverschiedenheiten gebe es ein gemeinsames Ziel: Hillary Clinton, seine demokratische Rivalin, bei der Wahl im November zu besiegen.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat versucht damit offensichtlich, nach Tagen der Kontroversen und unter dem Eindruck absackender Umfragewerte wieder Fuß zu fassen. Die Serie negativer Schlagzeilen hatte am vergangenen Wochenende begonnen, als sich Trump mit den Eltern eines im Irak getöteten muslimischen US-Soldaten angelegt hatte. Das hatte auch bei Republikanern Kritik ausgelöst. Nach seiner Weigerung, Ryan und McCain zu unterstützen, nahm der Unmut über ihn dann so zu, dass Beobachter von einem "Bürgerkrieg" bei den Konservativen sprachen.

Trump behauptete, die USA hätten Lösegeld an Iran gezahlt

Für zusätzliche Aufregung sorgten dann noch Trumps Aussagen über ein Video, in dem angeblich eine Lösegeldlieferung der USA an den Iran für festgehaltene US-Matrosen zu sehen sein soll. Offizielle Linie der US-Regierung ist es eigentlich, grundsätzlich keine Lösegelder zu zahlen. Sogar sein Wahlkampfteam dementierte am Mittwoch Trumps Darstellung. Das hinderte den Milliardär aber nicht daran, sie am Donnerstag noch einmal zu wiederholen. Am Freitag kam dann das überraschende Eingeständnis, dass er sich geirrt habe: "Das Flugzeug, das ich im Fernsehen gesehen habe, war das Geiselflugzeug in Genf in der Schweiz, nicht das Flugzeug mit 400 Millionen in bar auf dem Weg in den Iran", schrieb Trump auf Twitter.

Die USA hatten diese Summe im Januar tatsächlich bezahlt, allerdings offiziell wegen eines jahrzehntealten Streits um Militärausrüstung, die der Iran einst bei den USA bestellt und bezahlt, aber nie erhalten hatte. Die US-Regierung dementierte, dass es sich um Lösegeld handelte.

Trump hatte bereits mehrfach mit nicht gedeckten Behauptungen auch in der eigenen Partei für Verstimmung gesorgt. Robin Vos, ein bekannter Republikaner in Wisconsin, sagte vor einer Wahlkampfveranstaltung Trumps am Freitag, er schäme sich, dass dieser der Präsidentschaftskandidat seiner Partei sei. Es sei ein trauriger Tag für die USA. Allerdings wäre Clinton noch schlechter für das Land, weshalb er Trump seine Stimme nicht entziehen werde.

© SZ.de/dpa/dayk/luc

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