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US-Wahl 2016:Das Ziel des Wahlkampfs ist es, den Gegner zu zerstören

Dagegen gab sich Hillary Clinton kaum eine Blöße. Selbst die Enthüllungen aus den E-Mails, die Wikileaks-Gründer Julian Assange in Umlauf gebracht hatte, schienen ihr zunächst nicht zu schaden. Obwohl da doch einiges zu finden war. Ihre berüchtigte Nähe zur Wall Street, die sie dortselbst mit klassenfeindlichen Witzeleien zementiert hatte. Ihr rücksichtsloses Taktieren. Man konnte sogar Dokumente finden, die belegten, dass es die Parteispitze der Demokraten und Hillary Clinton selbst waren, die mitgeholfen hatten, Donald Trump zum Kandidaten der Republikaner zu befördern.

"Negative Campaigning" nennt man diese Spiele in Amerika, einen negativen Wahlkampf führen. Das bedeutet, dass es nicht darum geht, Wähler zu überzeugen. Darum geht es in der polarisierten amerikanischen Politik schon lange nicht mehr. Es geht dabei aber nicht einmal mehr darum, Wähler zu mobilisieren, ein per se schon zweifelhaftes Verfahren, bei dem viel mit Emotionen, Moral und Werten gearbeitet wird. Also mit lauter Faktoren, die später einmal keinerlei Einfluss auf das Regierungsgeschäft haben. Nein, bei der negativen Wahlkampfführung geht es einzig und alleine darum, den Gegner zu zerstören.

Das Geschäft mit dem Rufmord

Längst gibt es für solche Strategien Profis, die hinter den Kulissen die unschöne Arbeit verrichten, deren Spur niemals zu ihren Auftraggebern, den Kandidaten, führen darf. "Opposition Researchers" nennen sie sich, "Oppositionsforscher". Ein Euphemismus, hinter dem ein Berufszweig steckt, der sich letztlich auf das Geschäft mit dem Rufmord spezialisiert hat.

Diese Strategien sind nichts Neues. Traum jedes Kandidaten ist es, eine "Silver Bullet" zu finden, die den Gegner ein für allemal erledigt. Er soll ja nicht nur die Wahl verlieren. Idealerweise beendet so eine Silberkugel eine politische Laufbahn.

Der Silberkugelhagel der vergangenen Wochen hatte historisches Ausmaß. So hart wurde selten gekämpft. Das Timing war oft auffällig präzise. Das Video, auf dem Donald Trump vor dem Bush-Neffen und Fernsehmoderator Billy herumprahlt, die beste Methode, Frauen rumzukriegen sei "grab 'em by the pussy", erschien nur Stunden, bevor die E-Mails aus dem Hack des Privatkontos von Hillary Clintons Wahlkampfmanager John Podesta an die Öffentlichkeit kamen. Vor dem Hintergrund der Ängste und der Polarisierung verwandelt ein Wahlkampf, der auf beiden Seiten so konsequent auf die Zerstörung des Gegners setzt, Politik in einen Strudel negativer Emotionen.

Gespaltene Gesellschaft befeuert diesen Kampf

Auch wenn sich beide Seiten dieser Taktik bedienen, so war es doch vor allem Donald Trumps Wahlkampf, der das Fundament der amerikanischen Gesellschaft in Frage stellte. Franklin D. Roosevelts Zitat geht ja noch weiter: "Unbeschreiblicher, ungerechtfertigter Terror bar jeder Vernunft, der jeden Versuch, den Rückzug in Fortschritt zu verwandeln lähmt. In jeder noch so dunklen Stunde im Leben unserer Nation begegnete das Volk einer Führung, die von Offenheit und Kraft getragen wurde, mit dem Verständnis und der Unterstützung, die für den Sieg entscheidend ist."

Der Sieg, um den es damals ging, ist dem Kampf sehr ähnlich, den die amerikanische Gesellschaft heute auszufechten hat. Damals ging es darum, die Große Depression der Wirtschaftskrise von 1929 zu überwinden. Heute geht es darum, die Folgen der Finanzkrise von 2008 zu meistern. Seit damals war die Gesellschaft wirtschaftlich und historisch nicht mehr so gespalten wie heute.

Zeit ohne Hoffnung

Angst aber ist das Gegenteil von Hoffnung. Barack Obama wusste damit umzugehen. Er trat als Kandidat der Hoffnung an, verkörperte Visionen. Selbst George W. Bush stand für eine Zukunft, für ein Amerika, das seinen Begriff von Freiheit und Gerechtigkeit in die Welt tragen möge.

Hillary Clinton war nie Hoffnungsträgerin. Sie mag Visionen haben, Erfahrung und einen klaren Blick auf die Gegenwart. Der beidseitig negative Wahlkampf hatte sie zur bloßen Alternative zum Schrecken einer möglichen Trump-Regierung reduziert.

Donald Trump selbst aber steht für eine Weltsicht, die dem amerikanischen Lebensgefühl ganz grundsätzlich widerspricht. In seinem Slogan "Make America Great Again" verbirgt sich die Sehnsucht nach einer ominösen Vergangenheit, von der man nicht einmal so gewiss weiß, ob es sie jemals gab.

Man kann auch einwenden, dass Donald Trump überhaupt keine Weltsicht hat, sondern nur ein überdimensionales Ego, das er mit einem Kopf voller Ressentiments paart, die sich mit der zerstörerischen Treffunsicherheit einer Haubitze auf so ziemlich jedes Thema abfeuern lassen, das in einem Wahlkampf aufkommen könnte.