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US-Terroristenjagd:Jemens Al-Qaida-Chef entgeht Drohnenangriff

Nach dem Angriff auf Osama bin Laden haben die USA versucht, ein weiteres hochrangiges Mitglied des Terrornetzwerks al-Qaida auszuschalten. Anwar al-Awlaki gilt als besonders gefährlich - und hat einen US-Pass.

Den USA ist Medienberichten zufolge die Tötung des Al-Qaida-Chefs im Jemen, Anwar al-Awlaki misslungen. Zwar seien am Donnerstag bei dem Angriff durch eine US-Drohne auf ein Fahrzeug im Südjemen zwei Militante der al-Qaida getötet worden, berichteten übereinstimmend mehrere US-Medien. Awlaki als Ziel des Angriffs sei aber nicht unter den Opfern gewesen. Das US-Verteidigungsministerium wollte sich zu den Berichten nicht äußern.

Anwar al-Awlaki

Anwar al-Awlaki 2010: Top-Terrorist mit jemenitischem und amerikanischem Pass.

(Foto: AP)

Ganz oben auf der "Most-Wanted"-Liste

Eine Sprecher des Stammes der Awalak, dem auch Awlaki angehört, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass "Anwar al-Awlaki und ein saudischer Führer der AQAP (Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel) unverletzt einem Raketenbeschuss entkommen, der am Donnerstag ihrem Auto galt." Der Angriff habe sich in Abadan in der Provinz Schabwa im Süden des Landes ereignet. "Das Auto wurde leicht beschädigt", sagte der Stammesvertreter. Die Insassen seien in einem anderen Auto weitergefahren.

Die Al-Qaida-Gruppe im Jemen soll über insgesamt etwa 300 Mitglieder verfügen. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, Moslems in den USA zu Anschlägen angestiftet zu haben. Die USA halten die Gruppe im Jemen für die weltweit aktivste Terror-Zelle der al-Qaida.

Nach der Tötung von Osama bin Laden halten manche Regierungsbeamte die Gruppe um Awlaki sogar für den aktuell gefährlichsten Gegner der USA und anderer westlicher Länder. Awalaki wurde bereits im April 2010 auf die "Most-Wanted"-Liste der USA gesetzt, nachdem er in Videobotschaften zu Gewalt gegen die USA und US-Bürger aufgerufen hatte. Der im US-Bundesstaat geborene Islamisten-Prediger gilt als erster US-Staatsbürger auf der Tötungsliste.

Nach al-Awlaki wird auch im Zusammenhang mit dem vereitelten und im Jemen geplanten Anschlag auf eine Passagiermaschine Weihnachten 2009 in der US-Metropole Detroit gefahndet. Im November vorigen Jahres hatte er Muslime aufgerufen, US-Bürger zu töten. Außerdem soll al-Awlaki in Kontakt mit dem Amokläufer von Fort Hood gestanden haben, der Ende 2009 auf dem texanischen Militärstützpunkt zwölf Soldaten und einen Zivilisten getötet hatte.

Bin Laden - "Aktiver Chef der Organisation"

Der gescheiterte Angriff war nach Angaben der Washington Post der erste gezielte Angriff mit einer US-Drohne im Jemen seit 2002, als der Geheimdienst CIA mit einem der ferngesteuerten Flugroboter ein Auto mit Terrorverdächtigen unter Feuer nahm.

Bin Ladens Frau: Fünf Jahre in Pakistan

Die USA bemühen sich nach der Tötung Bin Ladens darum, seine bis zuletzt anhaltend wichtige Rolle im Terroristennetzwerk zu betonen. Er sei wahrscheinlich bis zum Ende eng in die Aktivitäten des Extremistennetzes eingebunden gewesen. Darauf wiesen erste Untersuchungen von Unterlagen, Computern oder Telefonen nach dem Kommandoeinsatz in Pakistan hin, sagten drei US-Regierungsvertreter.

Bin Laden sei aktiver Chef der Organisation gewesen und habe strategische, operative und taktische Ratschläge gegeben, erklärte eine der Personen. Eine weitere sagte, die Beweise deuteten darauf hin, dass Bin Laden und seine Anhänger noch immer an Anschlägen auf Infrastruktureinrichtungen in den USA interessiert gewesen seien. Am Donnerstag hatten die US-Behörden vor einem Anschlag auf Züge in den USA am zehnten Jahrestag des 11. September 2001 gewarnt.

Zudem wurden weitere Details zu Bin Ladens Versteck bekannt. Nach Angaben einer seiner Ehefrauen hatte der Terrorführer fünf Jahre lang unbehelligt in dem pakistanischen Anwesen gelebt, in dem er Anfang der Woche von US-Soldaten getötet wurde. Bin Laden und seine Familie hätten das gut gesicherte Haus dabei niemals verlassen, berichteten Vertreter der pakistanischen Sicherheitskräfte unter Berufung auf die Aussage der aus dem Jemen stammenden Frau. Ihre Angaben konnten demnach noch nicht durch andere Quellen bestätigt werden.

Bin Ladens jemenitischer Frau war bei der Kommandoaktion einer US-Spezialeinheit im pakistanischen Abbottabad in der Nacht zum Montag ins Bein geschossen worden. Sie befinde sich nun in medizinischer Behandlungen und werde mit 15 weiteren Angehörigen Bin Ladens befragt, sagte ein pakistanischer Sicherheitsvertreter. Mehr als die Dauer des Aufenthalts in dem Haus habe die Ehefrau bisher nicht angeben wollen.

Insgesamt wurden den Angaben zufolge drei Ehefrauen Bin Ladens nach dem US-Einsatz in dem Haus in Gewahrsam genommen sowie 13 Kinder. Zudem seien die Leichen eines Bin-Laden-Sohnes und von zwei Bewachern aus Kuwait entdeckt worden. Bin Ladens Leiche war nach offiziellen Angaben aus Washington von dem US-Kommando mitgenommen und im Meer bestattet worden.

© Reuters/AFP/dpa/grc/gal

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