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US-Senator Mitch McConnell:Lächeln + Schweigen = Hype

Mitch McConnell, #mcconnelling

Mitch McConnell: neuer Netz-Star der US-Republikaner.

(Foto: Screenshot Youtube)

Das Netz feiert einen konservativen Republikaner: Ein Wahlvideo des US-Senators Mitch McConnell findet unzählige Nachahmer und begeistert auch TV-Satiriker Jon Stewart. Nur in McConnells Heimat Kentucky sind manche sauer.

Von Tobias Dorfer und Matthias Kolb

Vorsicht, dieses Lächeln kann täuschen. Mitch McConnell ist kein freundlicher Großvater, der auf der Veranda am späten Nachmittag einen Whiskey genießt und dem Spiel der Enkel dezent interessiert folgt. Mitch McConnell aus Kentucky führt die republikanische Minderheit im US-Senat an und ist ein mit allen Wassern gewaschener Polit-Profi.

Allerdings ist der minority leader McConnell ein Politiker der alten Schule, der im Ernstfall zu Kompromissen bereit ist - mehr als ein Mal hat der mächtige Republikaner mit seinem Kumpel, dem demokratischen Ex-Senator und heutigen Vizepräsidenten Joe Biden, in letzter Minute Deals ausgetüftelt. 72 Jahre alt ist der US-Politiker inzwischen und er hätte sich wahrscheinlich nicht träumen lassen, dass er in diesem Alter noch ein Netz-Trend um ihn herumgesponnen wird.

Nun ist es zwar nicht so, dass sich McConnell und das Internet diametral entgehenstehen. Mitch McConnell hat 134.000 Anhänger bei Facebook und einen durchaus gut gepflegten Youtube-Auftritt. Aber das alleine macht aus einem ergrauten US-Republikaner noch kein Netzphänomen. Dafür reichte ein Youtube-Clip aus, in dem McConnells Wahlkampfteam einige Video-Fetzen ihres Chefs zusammenmontierte. Das Filmchen sollte in der parteiinternen Vorwahl zeigen, wie hart der Senator für seine Bürger arbeitet. "McConnell Working for Kentuckians" heißt das Video, in dem der Politiker knapp zweieinhalb Minuten lang nichts sagt - und dafür viel lächelt.

Der Clip war nicht lange online, da geschah etwas Überraschendes: Das Netz war verzaubert von einem Mann und seinem Lächeln und die Kreativen im Internet bemerkten: Mitch McConnell wäre der perfekte Protagonist für so ziemlich jedes Intro einer TV-Serie.

Vielleicht wäre dieses Netzphänomen so schnell wie es auftauchte auch wieder verschwunden. Aber dann kam Jon Stewart und adelte den dauerlächelnden Politiker in seiner "Daily Show". Das Ergebnis: der Hashtag #mcconnelling und die Erkenntnis, dass dieses Bildmaterial wunderbar mit jeder Art von Musik harmoniert.

Seitdem kreieren immer mehr User ihre eigenen Versionen. Mit Lionel Richie, als Gangsta-Rapper oder beim Walkürenritt. Ein Spaßvogel hat McConnells Gesicht auf eine römische Statue montiert - eine Anspielung an die Ermordung von Julius Cäsar durch Brutus in den "Iden des März". So hieß auch ein Polit-Thriller von George Clooney, der die Machenschaften des US-Wahlkampfs schilderte.

Und Mitch McConnell selbst? Der lacht mit und hat die besten Parodien auf seine Website gestellt.

Nur einer ist nachvollziehbarerweise nicht gerade glücklich über die Aufmerksamkeit, die Mitch McConnell derzeit bekommt. Matt Bevin fordert den Senator für die Tea Party bei der parteiinternen Vorwahl der Republikaner heraus und war nun gezwungen, seine eigene #mcconnelling-Parodie ins Netz zu stellen. Allerdings widerspricht Bevins Antwort der #mcconnelling-Idee, weil sie nicht ohne Worte auskommt. In dem Clip geht es darum, dass Mitch McConnell alle Konservativen ins Gesicht schlagen möchte.

Hintergrund ist folgender: Im Oktober 2013 soll McConnell die Tea-Party-Bewegung mit deftigen Worten kritisiert haben - eine Unterstellung, die später jedoch dementiert wurde. Heute würde man sagen: McConnell hat den Vorwurf einfach weggelächelt.

Linktipps: Das Politico Magazine widmete Mitch McConnell jüngst ein langes Porträt. Das Gerücht, dass die Schauspielerin Ashley Judd im November 2014 für Demokraten gegen McConnell antreten könnte, wurde im Februar 2013 in einem Beitrag für den US-Blog dargestellt.

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