bedeckt München

US-Präsident zurück im Weißen Haus:Trump spielt den Corona-Bezwinger

Reflexion, Demut und Empathie? Sucht man beim US-Präsidenten vergeblich. Das Coronavirus hat an seinem unerfreulichen Charakter nichts geändert.

Kommentar von Hubert Wetzel, Washington

Aus medizinischer Sicht sprach vermutlich tatsächlich wenig dagegen, dass Donald Trump das Krankenhaus verlässt und wieder ins Weiße Haus umzieht. Der Präsident ist - anders als viele Amerikaner, die weniger Geld und Glück haben - nicht irgendein Habenichts, der in der Notaufnahme zwei Aspirin bekommt und wieder heimgeschickt wird, egal, wie schlecht es ihm geht.

Das Gegenteil ist natürlich der Fall: Die gleichen Ärzte, die Trump im Walter Reed Army Medical Center überwacht und behandelt haben, werden ihn nun in seiner Residenz weiterbehandeln. Wo der Präsident die Medikamente verabreicht bekommt, die ihm durch seine Corona-Infektion helfen sollen, ist eher zweitrangig. Und sollte sich sein Zustand plötzlich dramatisch verschlechtern, dauert es nur ein paar Minuten mit dem Hubschrauber, bis er wieder im Krankenhaus ist.

Aber mit Medizin hatte Trumps Entscheidung, das Militärhospital zu verlassen, wohl wenig zu tun. Der triumphale Ton seines Tweets, in dem er seine Heimkehr verkündete, legt eher nahe, dass es ihm vor allem um Politik ging - genauer: um Wahlkampf.

Seht her, ich hab das Ding plattgemacht

Trump spielt den starken Mann, den Corona-Bezwinger, den siegreichen Helden im Kampf gegen das Virus. Seine Botschaft ist: Seht her, ich hab das Ding plattgemacht, während sich Biden hinter seiner Maske versteckt.

Dass er mit diesem Theater seine eigenen Mitarbeiter und Angestellten gefährdet - was soll's. "Habt keine Angst vor Covid-19", schrieb Trump. "Ich fühle mich besser als vor 20 Jahren." Wäre der Präsident auch nur zu einem Minimum an Reflexion, Demut und Empathie fähig, dann müsste er selbst merken, wie absurd das klingt.

Mehr als 210 000 seiner Landsleute hat das Virus umgebracht. Und die Amerikaner sollen keine Angst haben? Was ist mit den Hinterbliebenen der Toten? Hunderttausende Eltern, Kinder und Geschwister, die einen Angehörigen verloren haben. Wie es ihnen geht, kümmert den Präsidenten offensichtlich nicht. Hauptsache, ihm geht's prima. So war Donald Trump schon immer. Das Coronavirus hat an seinem unerfreulichen Charakter nichts geändert.

Die Amerikaner können am 3. November aber immerhin etwas daran ändern, dass er ihr Präsident ist.

© SZ/jobr
Trump Corona Krankenhaus

SZ PlusTherapie für Trump
:"Jeder Standardpatient würde im Krankenhaus bleiben"

Die Ärzte geben dem US-Präsidenten offenbar mehrere Mittel, die irgendwie helfen könnten. Die gefährlichste Phase dürfte ihm noch bevorstehen.

Von Werner Bartens

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite