US-Militär:"Extralegale Hinrichtungen"

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Selbst Deutschlands damaliger Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete die Tötung durch Drohnen 2012 als "strategischen Fehler", 2013 erklärte er sie zu "extralegalen Hinrichtungen". Mit anderen Worten: Es sind staatliche Todesstrafen ohne Richter, Anwälte, Öffentlichkeit und die Möglichkeit zur Berufung.

Trotz der klaren Aussage de Maizières lässt Deutschland allerdings zu, dass die Kommunikation zwischen den Drohnen und ihren "Piloten" in den USA über den US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein verläuft. Im vergangenen Jahr hatte deshalb ein somalischer Hirte das Bundesverteidigungsministerium verklagt, weil sein Vater bei einem Drohnenangriff auf einen Terroristen getötet worden war. Allerdings scheiterte er vor dem zuständigen Gericht in Köln.

Operationszentrum für Drohnen in der Holloman Air Force Base, New Mexico

Drohnen-Operationszentrum der US Air Force in New Mexico.

(Foto: REUTERS)

Große Bedenken gegenüber dem Einsatz der Drohnen haben Ethiker und Philosophen aber auch wegen der "Leichtigkeit gezielten Tötens", wie der Amerikaner Michael Walzer im Magazin Dissent schreibt. Drohnen könnten als einfaches und risikolos einsetzbares Kampfmittel die Hemmschwelle für militärische Einsätze senken.

Dabei ist der militärische Sinn umstritten. So ist es allen betroffenen Terrororganisationen bislang immer schnell gelungen, Ersatz für getötete Anführer zu finden. Es sieht nicht so aus, als ob sich die Zahl der Angriffe durch al-Qaida, Taliban, IS oder die al-Shabaab in Somalia aufgrund solcher Aktionen spürbar verringert hätte.

Auch die Briten setzen inzwischen auf Drohnenangriffe, um gezielt Terroristen zu töten. Im August bestätigte Großbritanniens Premier David Cameron, dass ein britischer IS-Kämpfer durch einen solchen Angriff in Syrien getötet wurde. Reyaad Khan hatte nach Einschätzung der Briten Selbstmordanschläge in Großbritannien geplant. Deshalb sei es ein Akt der Selbstverteidigung gewesen, so Cameron.

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