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Waffenembargo gegen Libyen: Das Beispiel Bosnien:"Meine Uniform war aus Ostdeutschland"

sueddeutsche.de: Was bringt Sie zu dieser Annahme?

Ein übermaltes Werbeplakat für die Olympischen Winterspiele in Sarajewo 1984 zeigt die Einkesselung der Stadt von 1992 bis 1995 (Offiziell endetete die fast vierjährige Belagerung von Sarajewo durch serbische Truppen erst am 29. Februar 1996). Die roten Flächen stehen für das von den Serben kontrollierte Gebiet, die weißen Flächen für die Gebiete unter Kontrolle der Muslime. Der weiße Korridor in der Bildmitte stand unter der Verwaltung der Vereinten Nationen und war wegen serbischen Beschusses nicht passierbar. Dort verlief der "Tunnel der Rettung".

(Foto: Paul Katzenberger)

Kolar: Wir hatten viele Sachen aus Ostdeutschland. Meine Uniform war beispielsweise von dort. Aber wir haben von überall her Kampfmittel bekommen, aus Bulgarien, Ungarn, Slowenien und Österreich. Das Geld dafür stammte wahrscheinlich aber überwiegend aus islamischen Ländern.

sueddeutsche.de: Die bosnischen Muslime bekamen ihre Gewehre und Patronen also über den illegalen internationalen Waffenhandel?

Kolar: Legal. Illegal. Was heißt das schon in dieser Situation? Offiziell durfte uns niemand Rüstungsgüter verkaufen, aber hat damals jemals jemand ein Containerschiff aus Iran gesehen, das uns Kalaschnikows geliefert hat? Natürlich nicht, weil es das nicht gab. Und trotzdem hatten wir Waffen, die irgendwo hergekommen sein müssen.

sueddeutsche.de: Das ist wohl kaum von der Hand zu weisen.

Kolar: Wahrscheinlich war sogar die amerikanische Regierung involviert, und die kroatische. Manche Leute glauben noch heute, dass uns die Saudis direkt Waffen geliefert haben, doch das war unmöglich. Allerdings hat Saudi-Arabien wahrscheinlich einem anderen Land Geld gegeben, diese Gelder flossen dann an ein weiteres Land, und am Schluss bekamen wir Waffen. Das war wahrscheinlich ihre Spende an uns. Aber Sie werden darüber heute nirgends offizielle Dokumente finden.

sueddeutsche.de: Was denken Sie heute über das damalige Waffenembargo durch die Vereinten Nationen?

Kolar: Es war natürlich ein Fehler. Aber wir wissen auch, dass es in der internationalen Gemeinschaft Länder gibt, die immer gegen alles sind. Die Russen waren zum Beispiel niemals auf unserer Seite, sondern immer auf der Serbiens. Ganz egal, was die Serben machen, die Russen unterstützen sie, sogar heute noch.

sueddeutsche.de: Die Russen sind alleine schuld?

Kolar: Wir sind damals in den alten Ost-West-Konflikt hineingeraten. Es bestand ein Interessenkonflikt zwischen der Nato und Russland. Und wir waren mittendrin. Die Serben baten ihren traditionellen Verbündeten Russland um Hilfe, und die Kroaten und wir wandten uns an die Nato.

sueddeutsche.de: Das ist nicht der schlechteste Verbündete.

Kolar: Das Problem für uns bestand darin, dass Jugoslawien zuvor ein kommunistisches Land gewesen war, und das Einflussgebiet der Nato noch nicht einmal nach Kroatien reichte. Und natürlich hatten die Russen kein Interesse an einer Ausdehnung der Nato. Zu Beginn des Bosnienkrieges 1992 haben wir dass noch nicht verstanden, doch heute ist mir die damalige Konstellation völlig klar.

sueddeutsche.de: Im Bosnienkrieg kämpften ja auch ausländische Söldner auf der Seite der Muslime, die aus allen möglichen Ländern kamen, auch aus islamischen Ländern. Denken Sie, dass dies ein Grund für das Waffenembargo gewesen sein könnte?

Kolar: Das weiß ich nicht. Doch die Zahl der Söldner in Bosnien war verhältnismäßig gering und die meisten von ihnen hatten zuvor in Westeuropa gelebt. Es gab bei uns natürlich Kämpfer, die wie fundamentalistische Moslems aussahen, doch die meisten von ihnen stammten von hier.