Unruhen in Bangkok:Thailändische Polizei setzt auf Deeskalation

Lesezeit: 2 min

Die Behörden in Bangkok haben ihre Gangart gegenüber den Protestierenden geändert. Fortan werden Regierungsgegner nicht mehr daran gehindert, die Polizeizentrale zu betreten. Tausende Demonstranten feiern einen Sieg, doch ihrem Anführer reicht das nicht.

Umschwung in Bangkok: Nach zweitägigen Ausschreitungen hat die thailändische Polizei am Dienstag ihre Strategie geändert und Tausende Demonstranten die Absperrungen passieren lassen. Auch die Barrikaden vor dem Hauptquartier der Polizei seien abgebaut worden. Demonstranten betraten das Gebäude und schüttelten Polizisten die Hände. Nach der Öffnung der Tore zur Machtzentrale feiern die Regierungsgegner ihren "Sieg".

Die Demonstranten seien auf dem Gelände willkommen, zitierte die Zeitung Nation Polizeichef Khamronvit Thupkrajang. "Ich verliere lieber das Gesicht als zuzusehen, wie Demonstranten verletzt oder getötet werden", sagte er demnach.

Die thailändische Regierung zog mittlerweile gleich und hat nun ihrerseits die Polizei angewiesen, sich in der Auseinandersetzung mit protestierenden Regierungsgegnern zurückzuhalten. "Wir wollen Gewalt und Konfrontation vermeiden", sagte ein Regierungssprecher am Dienstag. Er fügte hinzu, Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra wolle ein Forum mit Akademikern einrichten, um eine Lösung aus der Krise zu finden.

Der Anführer der Oppositionsbewegung ist dennoch nicht zufrieden: Suthep Thaugsuban forderte die Fortsetzung der Straßenproteste. "Die Leute denken, wir haben gesiegt, aber die Tyrannen sind immer noch im Parlament und in der Regierung", sagte Suthep vor seinen Anhängern. "Wir müssen sie loswerden, bevor wir den vollen Sieg erklären." Suthep verlangt nicht nur den Rücktritt der Regierung, sondern einen Übergangsrat aus ernannten Technokraten, der das Land regiert und eine neue Verfassung ausarbeitet. Wer wen ernennen soll, ist aber unklar.

Am Wochenende wurden mehrere Menschen bei Ausschreitungen getötet

Die Proteste gegen Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra waren am Samstag eskaliert: Bei Zusammenstößen in Bangkok wurden mehrere Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt. Es waren die ersten Todesopfer, seit Beginn der bislang überwiegend friedlichen Proteste vor einem Monat.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich besorgt über die zunehmende Gewalt bei den Protesten in Thailand gezeigt. Er bedaure, dass es Tote und Verletzte gegeben habe, sagte Ban am Montag am Rande einer Konferenz in der peruanischen Hauptstadt Lima. Ban rief alle Beteiligten zur größtmöglichen Zurückhaltung auf. Die Meinungsverschiedenheiten müssten per Dialog und mit friedlichen Mitteln ausgetragen werden und alle Seiten müssten sich an die demokratischen Grundprinzipien halten.

Die Proteste in dem südostasiatischen Land hatten sich an einem von der Regierung befürworteten Amnestiegesetz entzündet, das Yinglucks Bruder, dem im Exil lebenden früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra, womöglich eine Rückkehr erlaubt hätte. Dieser war 2006 vom Militär entmachtet und später wegen Korruption verurteilt worden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema