Unabhängige Direktkandidaten:"Jedes Kind kennt Michael Paris"

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Von der "Unterstützung des Volkes" schwärmt auch Michael Paris, 58, aus Frankfurt. Dabei hat Paris, ausgesprochen wie die französische Hauptstadt, noch nie parteiunabhängig kandidiert - zumindest nicht offiziell. Seit 41 Jahren ist Paris SPD-Mitglied. Seine Homepage beginnt mit den Worten: "Jedes Kind kennt Michael Paris". Für Frankfurt dürfte das zutreffen. Im Landtagswahlkreis 38 (Ostend - Nordend - Bornheim) gibt es kaum jemanden, der die Aktionen des braun gebrannten Kulturberaters nicht bemerkt hat. Dabei lautete das Programm von Michael Paris immer: Michael Paris. Mehr Plakate als andere, öffentliches Spaghetti-Kochen, Geschichten von daheim. Auf das SPD-Logo hat er dabei oft verzichtet, "der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler".

Listenplätze bekamen andere. Als Oberbürgermeister wurde ein Mann namens Peter Feldmann aufgestellt, er gewann die Wahl. Und der aktuelle Landtagskandidat heißt nicht Paris sondern Gasper. Paris war am Boden zerstört, wieder einmal. Doch dann kamen die Leute, er sagt, es waren viele, "die mich regelrecht gedrängt haben", sagten, er wäre ein viel besserer Oberbürgermeister, er müsste eigentlich nach Berlin, in den Bundestag. Irgendwie sah Michael Paris das genauso. Deshalb kandidiert er jetzt - gegen CDU-Politikerin Erika Steinbach, aber auch gegen Parteifreundin Ulli Nissen.

Dass er sie Stimmen kosten wird, sieht Paris gelassen: "Nissen hat schon zweimal gegen Steinbach verloren. Warum sollte es jetzt klappen?"

Er erzählt von 2009, als er ein Ergebnis einfuhr, das 11,2 Prozent über dem der SPD lag. Er sagt: "Ich hab gezeigt, dass ich Wahlen gewinnen kann. Die SPD muss da noch ein bisschen nachlegen." Dass er so den Zorn der Genossen auf sich zieht, wundert ihn nicht, "das war zu erwarten". Vom Parteiausschluss, der anfangs im Raum stand, spreche aber keiner mehr. Seines Wissens nach solle er seine Mitgliedsrechte drei Monate ruhen lassen, sagt Paris, "bis nach der Bundestagswahl also." Ganz offensichtlich ziehe die SPD die Möglichkeit in Betracht, dass er gewinne, so seine Folgerung.

Paris, der in der Bild-Zeitung darüber philosophierte, seine Tochter "Hilton" zu nennen, macht nun das, was er am besten kann: Wahlkampf. Ob er sich, im Fall eines Sieges, nach der Wahl wieder mit der SPD aussöhnen wird? "Das hängt davon ab, wie die Partei mit mir umgeht."

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