Udo Pastörs als NPD-Chef:Extrem nach innen und außen

Udo Pastörs

Udo Pastörs während einer Pressekonferenz in Mecklenburg-Vorpommern.

(Foto: dpa)

Der NPD-Vorstand hat Udo Pastörs offiziell zum neuen Parteichef gekürt. Damit ist der Kurs des "seriösen Radikalismus" unter Vorgänger Holger Apfel endgültig passé. Pastörs will Neonazi-Gruppen und freie Kameradschaten wieder an die Partei heranführen.

Von Antonie Rietzschel

Deutschland ist für Udo Pastörs eine "Judenrepublik" und einen amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler diffarmiert er mit dem Ausdruck "Krummnase". Angesichts solch deutlicher Worte zum politischen Aschermittwoch der NPD klingt das Lachen der Kameraden etwas verlegen. Nach: Hat der das jetzt wirklich gesagt? Hat er.

Fast vier Jahre ist das her. Damals wollte Pastörs Bundesvorsitzender der NPD werden. Es ist ihm nicht gelungen - bis heute. Seit dem Rücktritt Holger Apfels im Dezember 2013 hatte Pastörs bereits kommissarisch die Führung übernommen. Jetzt hat der Parteivorstand den NPD-Fraktionsvorsitzenden aus Mecklenburg-Vorpommern offiziell zum neuen Parteichef ernannt. Bis zur Europawahl im Mai 2014 soll der 61-Jährige die Geschicke der Partei lenken, heißt es aus der Zentrale.

"Die Partei braucht jetzt eine harte Hand", sagt Pastörs gegenüber Süddeutsche.de. Angesichts des entstandenen Wusts aus Gerüchten um und Anschuldigungen gegen Holger Apfel wolle er die NPD zunächst nach innen disziplinieren.

Doch Härte und Disziplin sind nicht die einzigen Attribute, die sich gut mit Pastörs verbinden lassen. Durch dessen Ernennung ist es endgültig vorbei mit dem bisher propagierten "seriösen Radikalismus". Holger Apfel hatte diesen Kurs kurz nach seiner Wahl 2011 ausgegeben. Plakate mit Slogans wie "Gas geben" waren unter seiner Führung unmöglich.

Mehrere Strafverfahren

Im Gegensatz zu Apfel hat sich Pastörs noch nie darum geschert, seine Überzeugungen hinter einer scheinbar harmlosen Fassade zu verstecken. Er war schon immer nach innen und außen extrem. Deswegen sind nun einige seiner Äußerungen, darunter auch die zum politischen Aschermittwoch, Bestandteil des NPD-Verbotsantrages, den die Länder Anfang Dezember eingereicht haben. Beobachter glauben sogar, dass der Antrag auch dank Pastörs Ausfällen möglich wurde.

In der Vergangenheit war er zudem in mehrere Strafverfahren verstrickt, unter anderem wegen Volksverhetzung. Im August 2012 wurde Pastörs wegen Verleumdung und Verunglimpfung des Andenkens an die NS-Opfer zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. In der Landtagssitzung zum Holocaustgedenktag hatte der Fraktionsvorsitzende der SPD, Norbert Nieszery, in seiner Rede die "Vernichtung des jüdischen Bolschewismus" als eines von Hitlers Zielen genannt. "Eine gute Idee", rief Pastörs dazwischen.

Stärkere Einbindung der freien Kräfte

In seiner eigenen Rede hatte er dann von einer "Auschwitzprojektion" der Demokraten und einem "Sieg der Lüge über die Wahrheit" gesprochen. Anteilnahme am Leid der Opfer hatte er als "Betroffenheitstheater" und "Schuldkult" abgetan. Wenige Monate nach dem Urteil boykottierte seine Fraktion im Schweriner Landtag das Gedenken an die NSU-Opfer.

Pastörs ist ein Hardliner und mit ihm an der Spitze wird sich die Partei stark radikalisieren. Innerhalb der NPD sind die Hoffnungen groß, dass vor den Kommunal-, Landtags-, und Europawahlen eine neue Positionierung möglich sein könnte. Tatsächlich will Pastörs künftig vor allem außerparteiliche Zusammenschlüsse von Neonazis wieder stärker einbinden. "Es ist mein Wunsch, dass wir uns wieder verstärkt den Kameradschaften zuwenden", sagt er. Dort gebe es durchaus intellektuelles Potenzial.

Unterstützung erhofft er sich dabei von Udo Voigt. "Es wäre schön, wenn er uns bei dieser Aufgabe zur Seite stehen würde." 15 Jahre hatte Voigt als Bundesvorsitzender daran gearbeitet, die Kameradschaften stärker einzubinden. Die versagten jedoch zunehmend ihre Unterstützung, nachdem Holger Apfel den Parteivorsitz übernahm und den Kurs änderte.

Kein Rückzieher zugunsten Voigts

Die Partei braucht die freien Kräfte, unter anderem für den Wahlkampf vor Ort. Deswegen ist Pastörs sogar bereit, eine Allianz mit Voigt, seinem größten Rivalen zu bilden. 2009 hatte er erfolglos versucht, ihn aus dem Amt des Bundesvorsitzenden zu drängen. Zwei Jahre später unterstützte Pastörs Holger Apfels Kandidatur. Nach dessen Wahlsieg verschwand Udo Voigt praktisch von der Bildfläche und tauchte erst im April 2013 wieder auf. Damals sollte ein neuer Bundesvorsitzender gewählt werden und Voigt kündigte an, gegen Apfel kandidieren zu wollen. Es blieb bei der Drohung.

Im Herbst vergangenen Jahres erklärte er, als Spitzenkandidat für die Europawahl kandidieren zu wollen. Auch Udo Pastörs beansprucht den ersten Listenplatz für sich. Darauf angesprochen, erklärte Voigt, Pastörs solle in Schwerin bleiben. Da gehöre er hin.

Wer es nun wird, entscheidet sich am 18. Januar auf dem Parteitag. Einen Rückzieher zugunsten Voigts will Pastörs nicht machen. "Ich bestehe weiterhin auf diesen Platz", sagt er. Er rechne fest damit, dass auch Voigt bei seiner Position bleibe und es damit zur Kampfabstimmung komme. Pastörs sehe jedoch in ihm keinen Konkurrenten, sondern schlicht einen Mitbewerber. "Wenn er gewählt wird, dann werden wir das alle akzeptieren." Ob es dann wirklich so harmonisch abläuft, wie Pastörs sich das wünscht, wird sich zeigen.

Linktipp: Fast schon legendär ist der Auftritt von Olivia Jones mit blonder Perücke beim NPD-Parteitag - dort traf sie auch auf einen leicht verwirrten Udo Pastörs.

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