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Türkische Außenpolitik:Kurdischer Angstgegner macht Ankara nervös

Ein Kämpfer der syrisch-kurdischen Allianz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) nach der Befreiung Manbidschs

(Foto: AFP)

Die Kurden mögen in Syrien vielerorts als Befreier vom IS begrüßt werden - für die Türkei bleiben sie Terroristen. Nichts fürchtet Ankara mehr als einen autonomen Kurdenstaat.

In den Jubel über die Befreiung der nordsyrischen Stadt Manbidsch wollte die türkische Regierung nicht einstimmen. Dabei waren es bewegende Bilder, die am Wochenende um die Welt gingen: Männer rasierten sich die Bärte ab, Frauen rissen sich den Schleier vom Körper, die Menschen zündeten sich auf offener Straße Zigaretten an - Dinge, die während des Schreckensregimes des "Islamischen Staats" (IS) in Manbidsch verboten waren. Verjagt wurden die Islamisten von den Kämpfern der Demokratischen Kräfte Syriens (SDF), einer US-unterstützten und kurdisch geführten Koalition.

Letzteres macht Ankara nervös. Die Türkei hatte vor der Manbidsch-Offensive durchsetzen wollen, dass arabische Milizen die SDF anführen, damit hatte sie aber keinen Erfolg. Zwar kämpfen auch arabische Kräfte in den SDF, die kurdischen Kräfte sind aber deutlich in der Überzahl. Nach der Befreiung der Stadt forderte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuş-oğlu, die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG sollten sich auf das Gebiet östlich des Flusses Euphrat zurückziehen, wie es zuvor mit den Amerikanern vereinbart worden sei. "Jetzt müssen die USA ihr Wort halten", sagte Çavuşoğlu.

Syrien-Konflikt

Kurdische Kämpfer jubeln nach der Rückeroberung Manbidschs

In der Türkei ist die "Arbeiterpartei Kurdistans" als Terrororganisation verboten

Die regierungsnahe Tageszeitung Daily Sabah meldete, die syrische Kurdenpartei PYD habe den Sieg in Manbidsch PKK-Chef Abdullah Öcalan gewidmet. Die "Arbeiterpartei Kurdistans" ist in der Türkei als Terrororganisation verboten, ihr Anführer Öcalan seit Ende der Neunziger in Haft. Die syrische Kurdenpartei PYD und ihr militärischer Arm, die YPG, sind ein ideologischer Ableger der PKK, weshalb Ankara keinen Unterschied zwischen den Gruppen macht. In diesem Punkt liegen Ankara und Washington schon länger über Kreuz: Für die USA sind die syrischen Kurden Partner im Kampf gegen den IS, während die PKK auch in Washington als Terrororganisation geführt wird.