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Türkeis Rolle bei Militärschlag gegen Syrien:Krieg vor der eigenen Haustür

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US-amerikanische F-16-Jets auf dem türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik (Archivbild aus dem Jahr 2001)

(Foto: AFP)

Mit scharfer Rhetorik versucht die türkische Regierung, den Westen zu einem harten Schlag gegen das Assad-Regime zu bewegen. Mit tatkräftiger Hilfe für die USA, Frankreich und Großbritannien würde sich Ankara aber schwer tun, denn die Türken stecken in einem Dilemma.

In der Kunst der Diplomatie hat sich Recep Tayyip Erdoğan noch selten hervorgetan. Auch beim Syrien-Konflikt, der nun mit der militärischen Intervention des Westens nach dem Giftgas-Angriff weiter zu eskalieren droht, übte sich der türkische Premier nie in Zurückhaltung. An Assad gerichtet sagte er bei einer Veranstaltung in Libyen: "Jene, die ihre Bevölkerung unterdrücken, werden nicht überleben. Die Zeit der Alleinherrscher ist vorbei. Totalitäre Regime verschwinden."

Vor fast zwei Jahren fielen diese Worte.

Seitdem sind mehr als 100.000 Menschen im Bürgerkrieg in Syrien gestorben, seitdem hat die syrische Luftabwehr ein türkisches Flugzeug abgeschossen. Seitdem haben sich türkische und syrische Soldaten entlang der gemeinsamen 900 Kilometer langen Grenze Scharmützel geliefert, haben die Türken rund 500.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Seitdem haben syrische Politiker die Türken vor der Unterstützung syrischer Rebellen gewarnt, haben türkische Ermittler den Syrern die Schuld an einem Autobombenanschlag in Reyhanli mit 50 Toten gegeben. Doch jetzt, mit der weiteren Eskalation durch einen Militärschlag des Westens gegen Assad, könnte es richtig ernst werden zwischen den einst so gut befreundeten Staaten - und sehr gefährlich für die Türkei.

Militärische Möglichkeiten der Assad-Gegner

Aufmarschgebiet Mittelmeer

So zumindest lautet das beherrschende Narrativ in den türkischen Zeitungen. Da ist die Furcht vor syrischen Raketen mit chemischen Kampfstoffen, die Assad als Vergeltung für die türkische Beteiligung an der Intervention des Westens abfeuern lässt. Gegen sie könnte die türkische Abwehr dem Vernehmen nach wenig ausrichten. Da sind ernstgenommene Warnungen des syrischen und des iranischen Außenministeriums, die Türken mögen sich bitte ihrer eigenen inneren Sicherheit zuliebe nicht noch mehr in Syrien einmischen. Da sind Gedankenspiele, dass Assad freundlich gesinnte radikale Kräfte wie die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah Anschläge auf türkischem Boden unterstützen könnte.

Außenminister Ahmet Davutoğlu scheint das alles nicht so sehr zu interessieren. Er haut weiter auf die Pauke, weshalb ihn die Oppositionspartei CHP schon der Kriegstreiberei zieh. Die Türkei werde notfalls auch ohne UN-Mandat ihren Platz in einer Allianz gegen Assad einnehmen, so Davutoğlu. Er tönt: Bleibe eine Entscheidung des Weltsicherheitsrates aus, werde man eben nach Alternativen suchen. Die Einsatzregeln für die an der Grenze stationierten türkischen Soldaten seien außerdem geändert worden. Die Soldaten sind seit Mittwoch angehalten, jede aus Syrien kommende Gefahr zu vergelten. Mit großer Geste schließlich ließ das Militär seine im grenznahen Hatay stationierten Boden-Boden-Raketen in Richtung Syrien rotieren.

Starke Worte, kaum Konkretes

Bemerkenswert ist allerdings, dass Davutoğlu bei aller entschlossen wirkenden Rhetorik kein konkretes Wort darüber verlor, wie genau sich die Türken an der westlichen Intervention zu beteiligen gedenken. Denn die Türkei ist hier in einem Dilemma.