Trump und Nordkorea:Das Pjöngjang-Problem von Trump und Xi

Trump droht mit US-Alleingang gegen Nordkorea

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un beobachtet ein Militärmanöver in Nordkorea.

(Foto: dpa)

Der US-Präsident droht China mit drakonischen Maßnahmen, sollte das Land den USA "nicht bei Nordkorea helfen". Doch die Führung in Peking steckt selbst in der Zwickmühle.

Kommentar von Stefan Kornelius

Als Bluffer war Donald Trump schon einmal erfolgreich, ganz zu Beginn seiner Präsidentschaft. Man könnte sogar behaupten, Trumps bislang einziger außenpolitischer Erfolg bestand in einem grandiosen Bluff, auch wenn er möglicherweise nicht im vollen Bewusstsein aller Konsequenzen sein Spiel spielte.

Damals im November, wenige Tage nach der Wahl zum Präsidenten, nahm er einen Gratulationsanruf der taiwanischen Staatschefin entgegen - ein symbolischer Schlag gegen Chinas Anspruch auf das Alleinvertretungsrecht in allen chinesischen Angelegenheiten und eine Absage an die Ein-China-Politik. Der Anruf erinnerte die Führung in Peking daran, dass sie von Trump durchaus heftige Erschütterungen zu erwarten hatte. Der Ton, vor allem in Fragen der Nachbarschaftspolitik im Südchinesischen Meer, war gleich sanfter.

Kaum hatte Trump sein Amt angetreten, ruderte er freilich zurück. Die Episode verschaffte Peking dennoch Gewissheit, dass hier ein unberechenbarer Akteur Großmachtpolitik betreiben würde. Der andere unberechenbare Akteur sitzt schon seit Jahrzehnten an der chinesischen Ostgrenze und hält sich jedermann mit wüsten Drohungen vom Leib: Nordkorea mit seinem jeweiligen Machthaber aus der Kim-Dynastie. Nun droht der unberechenbare US-Präsident dem unberechenbaren Diktator und indirekt auch der chinesischen Führung mit nicht näher ausgeführten drakonischen Maßnahmen, sollte China "uns nicht bei Nordkorea helfen".

Trump droht Diktator Kim - aber womit? Die Lösung liegt in Peking

Das ist eine ziemlich unpräzise Forderung und eine ziemlich unpräzise Drohung im Umgang mit einem Land, das kurz davor steht, seine nächste Atombombe zu zünden. Trump ist ja auch nicht der erste US-Präsident, der sich um das Pjöngjang-Problem kümmern muss. Und in Peking sitzt nicht die erste Staatsführung, die keinen Ausweg aus der nordkoreanischen Zwickmühle sieht. Die funktioniert in etwa so: Wer Kim aus Peking unter Druck setzt, riskiert einen Krieg, Flüchtlingsströme, innenpolitische Unruhen und am Ende eventuell eine koreanische Vereinigung auch noch unter amerikanischer Aufsicht.

Wenn umgekehrt Trump seinen wie auch immer gearteten Druck auf Pjöngjang ausübt, könnte die Sache militärisch außer Kontrolle geraten, was kein Präsident vor ihm angesichts des Waffenarsenals aus dem Norden, der südkoreanischen Verletzlichkeit und der Eskalationsgefahr mit China riskiert hatte.

Blufft Trump also wieder? Die Frage ist nicht unberechtigt, denn in dieser Woche kommt Chinas Präsident Xi Jinping in die USA. Trump will von ihm die Zusage für ein saftiges Sanktionspaket gegen Nordkorea erhalten. Damit ist das Problem aber nicht gelöst. Wenn die beiden Präsidenten ehrlich wären, dann müssten sie ihre jeweilige Ratlosigkeit und Handlungsunfähigkeit eingestehen, verbunden mit der Beichte, dass der jeweils andere an diesem Zustand Schuld trägt.

Die Blockade beginnt nämlich in Washington und Peking: China hat berechtigte Sorge vor einer zu starken USA auf der Koreanischen Halbinsel. Und die USA treibt die Angst vor einer Nukleardrohung aus Nordkorea um, geduldet von Peking. In diesem Spiel ist Diktator Kim lediglich Nutznießer einer seit Jahrzehnten anhaltenden Sprachlosigkeit.

Zwei Möglichkeiten gibt es: Entweder die USA akzeptieren die Nuklear-Bedrohung und reagieren mit Abschreckung wie im Kalten Krieg. Oder Xi und Trump beginnen einen langwierigen und komplizierten Annäherungsprozess, in dem die berechtigten Sorgen beider Großmächte zerstreut werden. Der Interessensausgleich zwischen einer aufstrebenden und einer absteigenden Supermacht wäre historisch unvergleichbar, er ginge weit über das Problem Nordkorea hinaus - und wäre durchaus einen Bluff wert.

© SZ vom 04.04.2017/dayk
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