Parteitag der Republikaner:Mike Pence, der nette Extremist

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Parteitag der Republikaner: Vize-Präsident Mike Pence ist das Bindeglied zwschen Trump und konservativen Evangelikalen.

Vize-Präsident Mike Pence ist das Bindeglied zwschen Trump und konservativen Evangelikalen.

(Foto: Andrew Harnik/AP)

Vizepräsident Pence soll konservativ-christliche Wählergruppen binden, denen Trump nicht geheuer ist. Dabei gilt er selbst unter Konservativen als Radikaler.

Von Thorsten Denkler, New York

Kung Flu, China-Virus, China-Plage, die rassistischen Kommentare, mit denen Präsident Donald Trump die Coronavirus-Pandemie gerne umschreibt, sie würden Mike Pence nicht über die Lippen kommen. Er wird sehr wahrscheinlich auch in seiner Rede auf dem virtuellen Parteitag der Republikaner an diesem Mittwoch höchstens darauf verweisen, dass das Virus aus China kommt. Und es ansonsten - korrekt wie er ist - als Coronavirus bezeichnen.

Pence ist vieles nicht, was Trump ist: Pence neigt weder zu ausfallender Sprache, noch dazu, andere persönlich zu beleidigen. Pence ist ein höflicher Mensch, der im rechten Moment zu lächeln weiß. Ein Konservativer, ohne verbissen zu sein. Er kann sogar hin und wieder Fehler eingestehen. Ende April hat Pence eine Klinik besucht und während des Besuchs keine Maske aufgesetzt. Später sagte Pence, dass er besser eine getragen hätte.

Auf der anderen Seite ist Pence ein ideologischer Extremist, ein radikaler Evangelikaler. 2002 forderte er, dass die Evolution in den Schulen nicht als Fakt, sondern nur als eine Theorie unter mehreren gelehrt werden solle. Pence glaubt an "Intelligent Design". Danach sei die Schöpfung zu komplex, als dass sie allein zufälligen Mutationen zugeschrieben werden könne. Er ist ebenso ein Leugner des von Menschen gemachten Klimawandels.

Pence findet, dass Abtreibung selbst im Fall einer Vergewaltigung bei Strafe verboten werden müsse. Als Gouverneur von Indiana, machte Pence 2015 Schlagzeilen, weil er ein Gesetz unterstützte, das es jedem Arbeitgeber in dem Bundesstaat erlaubt hätte, homosexuelle Angestellte wegen ihrer sexuellen Orientierung zu feuern. Die Proteste gegen das Gesetz selbst aus konservativen Kreisen haben damals seine lang gehegten Ambitionen zunichte gemacht, für die Präsidentschaft zu kandidieren.

Mike Lofgren, republikanischer Buchautor, sagte Ende 2017 im Magazin The New Yorker, Pence stehe "so weit rechts, wie Du nur stehen kannst, ohne von der Erde zu fallen".

Hätte Trump ihn nicht 2016 zu seinem Kandidaten für das Vizepräsidentenamt gemacht, er hätte die damals anstehende Gouverneurswahl im konservativen Indiana wohl verloren, so unbeliebt war er dort zuletzt. Das hätte womöglich das Ende seiner politischen Karriere bedeutet.

"Ich bin ein Christ, ein Konservativer, ein Republikaner. In dieser Reihenfolge", sagt Pence über sich. Trump hat sich öfter darüber lustig gemacht. Als die Debatte mal auf die Rechte von Homosexuellen kam, soll Trump in Gegenwart von Pence gesagt haben: "Fragt diesen Typen besser nicht, der will sie alle aufhängen."

Als Vizepräsident hat Pence vor allem eines gezeigt: totale Loyalität, manche sagen Unterwürfigkeit gegenüber Trump. Der Preis ist relative Unsichtbarkeit im Schatten des Präsidenten. Bis auf die Koordinierung der Pandemie-Politik hat Trump seinem Vize bisher keine nennenswerten Aufgaben übertragen. Besonders erfolgreich war Pence nicht. Davon zeugen bald 175 000 Corona-Tote und 5,7 Millionen registrierte Infektionen. Und das, obwohl Pence nachgesagt wird, mehr Einfluss auf Trump zu haben, als jeder andere in der Regierung. Dafür aber kann er jetzt zum zweiten Mal die Nominierung für das Amt des Vizepräsidenten annehmen. Was ihm hilft, seinen Traum weiter zu verfolgen, eines Tages selbst im Oval Office zu sitzen.

Trump braucht Pence im Wahlkampf. Er ist das Verbindungsglied zwischen Trump und der wichtigen evangelikalen Wählerschaft, die ein gutes Viertel aller Wähler-Stimmen in den USA stellt. Steve Bannon, einst Wahlkampfchef von Trump, dann sein Chefstratege im Weißen Haus und jetzt wegen Betrugs unter Anklage, sagte über das Verhältnis von Trump und Pence: "Trump gewinnt die populistischen Nationalisten. Aber Pence gewinnt die Basis. Ohne Pence gewinnst du nicht."

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