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Weißes Haus:Kellyanne Conways Tochter: "Der Job meiner Mutter hat mein Leben ruiniert"

Eine der wichtigsten Vertrauten von US-Präsident Trump verlässt sein Team - wohl um ihre politisch zerstrittene Familie zu retten. Vorangegangen war ein Twitter-Hilferuf ihrer Tochter.

Von Thorsten Denkler, New York

Einen Tag bevor Trump-Beraterin Kellyanne Conway ihre Kündigung einreicht, eskaliert das Familiendrama auf Twitter. Ihre Tochter Claudia hat ihrer Mutter da einiges mitzuteilen: "Der Job meiner Mutter hat mein Leben ruiniert", schreibt die 15-Jährige am Samstagabend. Und dass es ihr das Herz breche, dass ihre Mutter auf ihrem Weg bleibe, "nachdem sie über Jahre gesehen hat, wie ihre Kinder leiden". Das sei "egoistisch", es gehe nur um "Geld und Ruhm, meine Damen und Herren". Der Text ist Teil einer Serie von sechs Tweets, die mit dem Hinweis beginnt, sie sei am Boden zerstört, dass ihre Mutter auf dem an diesem Montag beginnenden Parteitag der Republikaner sprechen werde. Derart zerstört, dass es dafür keinen Vergleich gebe.

Womöglich waren diese Tweets der Weckruf für die Familie Conway, die zumindest in politischer Hinsicht als heillos zerstritten gelten darf. Und irgendetwas muss zwischen Samstag und Sonntagabend familienintern passiert sein. Am Sonntag jedenfalls informiert Kellyanne Conway den Präsidenten, dass sie noch bis Ende des Monats in seinen Diensten bleiben werde. Dann aber sei erstmal Schluss.

Teil des Familiendeals scheint auch zu sein, dass ihr Mann, George Conway, ein konservativer Anwalt und ausgesprochener Trump-Gegner, sich vorerst von Twitter abmeldet. Dort hatte er es dank seiner bekannten Ehefrau in Verbindung mit seinen Tiraden gegen Trump zu gewisser Bekanntheit gebracht.

George Conway stellt außerdem seine Tätigkeit für das "Lincoln Projekt" ein, ein Zusammenschluss republikanischer Trump-Gegner, der mit aufwändig produzierten Videos gegen den US-Präsidenten virale Erfolge feiert. Am Sonntag schreibt Conway, er wolle jetzt "mehr Zeit für Familienangelegenheiten verwenden". Und dafür auch eine Twitter-Pause einlegen. Es sei aber "unnötig zu erwähnen, dass ich das Lincoln-Projekt und seine Mission weiterhin unterstütze. Leidenschaftlich."

Es war ohnehin fraglich, wie das Ehepaar Conway es geschafft haben will, ein gemeinsames Frühstück ohne Streit über die Bühne zu bringen. Wann immer einer von beiden dazu interviewt wurde, beteuerten beide, dass zu Hause nicht über Politik gesprochen werde.

Kellyanne Conway, die bis dahin lange Zeit mit dem heutigen Vizepräsidenten Mike Pence zusammengearbeitet hatte, stieß im Juli 2016 zu Trumps Wahlkampagne. Sie hat sich seitdem zu einer glühenden Verteidigerin Trumps entwickelt. Und gilt als eine Meisterin des sogenannten "Whataboutismus", der rhetorischen Kunst, eine kritische Frage umgehend auf mögliches Fehlverhalten des politischen Gegners umzuleiten.

Zu einer weltweiten Bekanntheit wurde sie, als sie nach der Amtseinführung von Trump Ende Januar 2017 von "alternativen Fakten" sprach. Trump hatte darauf bestanden, dass mehr Menschen als je zuvor eine Amtseinführung auf der Mall in Washington verfolgt hätten. Das war zwar leicht zu widerlegen. Aber es hielt Conway und den Pressestab des Weißen Hauses nicht davon ab, das Gegenteil zu behaupten.

Am kommenden Mittwoch soll sie auf dem republikanischen Parteitag reden. Eine besondere Ehre für eine der am längsten dienenden Mitarbeiterinnen im Trump-Team.

Ihr Mann George entwickelte sich spätestens vor den Zwischenwahlen 2018 zu einem öffentlich wahrnehmbaren Gegner des Präsidenten. Anfangs waren es nur ein paar Sticheleien auf Twitter. Schnell aber ließ er sich auch im Fernsehen interviewen. Mit dem Lincoln Projekt hat er seine Kritik am Chef seiner Frau institutionalisiert. Unter anderem erklärte er Trump für mental nicht fit genug, um das Amt auszuführen.

Er und seine Frau aber hatten offenbar eine Abmachung: Über den Zustand ihrer Ehe wird nicht öffentlich gesprochen. Das erledigte Trump für sie. Er lobte seine Mitarbeiterin Kellyanne über den Klee und behauptete, dass George Conway ein "eiskalter Verlierer" sei, ein "Ehemann aus der Hölle".

"Kein Hass gegenüber meinen Eltern, bitte"

In einer Erklärung beschreibt Kellyanne Conway jetzt in aller Ausführlichkeit, dass einzig und allein das Wohl ihrer Familie sie und ihren Mann geleitet habe. Ihre Zeit im Weißen Haus bezeichnete sie als "berauschend" und "bewegend". Sie und ihr Mann seien in vielem nicht einer Meinung. Aber sie hätten jetzt eine Entscheidung getroffen, die geleitet sei von der Frage, was das Beste für ihre vier Kinder sei.

Diese seien Teenager und Twens, fingen jetzt ein neues Schuljahr an, das wie in vielen Orten der USA im Wesentlichen zu Hause stattfinde. "Wie Millionen Eltern im ganzen Land wissen, erfordern Kinder, die 'von zu Hause aus zur Schule gehen', ein Maß an Aufmerksamkeit und Wachsamkeit, das genauso ungewohnt ist, wie diese Zeiten", schreibt Kellyanne Conway. Von den kommenden Wochen und Monaten verspricht sie sich "weniger Drama, mehr Mama."

Diese ungewohnte öffentliche Verhandlung familiärer Fragen soll wohl vor allem jenen Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die eine drohende Niederlage Trumps als Grund für Conways abrupten Abgang sehen. Fakt ist: Unmittelbar vor Beginn des Nominierungsparteitages für Trump verlässt eine der prominentesten Mitarbeiterinnen ein möglicherweise sinkendes Schiff. Dies soll offenbar nicht die Lesart ihrer Kündigung sein.

Eine Rolle dürfte auch gespielt haben, dass es im Weißen Haus die Idee gab, Kellyanne Conway mit auf Trumps Wahlkampfzug zu setzen. Sie hätte dann bis zum Wahltag mindestens zwei Staaten am Tag besucht, schreibt die Washington Post. Das wollte sie offenbar ihrer Familie nicht zumuten.

Und was macht Tochter Claudia jetzt? Auch sie scheint sich ganz dem Projekt Familienfrieden widmen zu wollen. Ihr vorerst letzter Eintrag auf Twitter am Sonntag lautete: "Das wird mir alles viel zu viel", darum mache sie jetzt eine Pause von den sozialen Medien. Zum Wohle ihrer "psychischen Gesundheit", schreibt sie. "Bis bald. Danke für die Liebe und Unterstützung." Und dann eines noch: "Kein Hass gegenüber meinen Eltern, bitte."

© SZ/odg/mane
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