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Reise nach Frankreich 2018:Trump nahm Kunstwerke aus Pariser US-Botschafterresidenz mit

Donald Trump,Doug Ducey,Deborah Birx,Gretchen Conger

Donald Trump im Gespräch mit dem Gouverneur von Arizona, Doug Ducey. Im Hintergrund sind auf dem Kamin einige Figuren zu sehen.

(Foto: Andrew Harnik/AP)

Das Weiße Haus spricht von "schönen historischen Stücken", die der Präsident in die USA gebracht habe. Mindestens eines der Werke war jedoch eine Nachbildung. Und das Original lagerte nicht weit vom Weißen Haus entfernt.

Die Frankreich-Reise von US-Präsident Donald Trump im Jahr 2018 ist in den vergangenen Tagen wieder hochaktuell geworden. Trump soll damals, wie jetzt herauskam, gefallene US-Soldaten als "Verlierer" bezeichnet haben, weswegen ihm nun harsche Kritik entgegenschlägt.

Doch nicht nur Trumps Äußerungen zu den Soldaten werden nun wieder aufgerollt. Offenbar hatte der Besuch des Präsidenten noch einen weiteren, bislang unbekannten Aspekt: einen künstlerischen.

Eigentlich sollte Trump im November 2018 anlässlich des Endes des Ersten Weltkriegs hundert Jahre zuvor einen Soldatenfriedhof in der Nähe von Paris besuchen. Doch Trump sagte seine Teilnahme an der Gedenkveranstaltung überraschend ab. Ob tatsächlich der Diensthubschrauber wetterbedingt nicht starten konnte oder ob der Präsident schlicht keine Lust auf den Termin im Regen hatte, sei dahingestellt. Jedenfalls hatte Trump durch die Absage einige Stunden Zeit und hielt sich in der US-Botschafterresidenz in Paris auf.

In dem Herrenhaus aus dem Jahr 1842 hatte Trump offenbar die Muße, sich einige dort aufgehängte oder aufgestellte Kunstwerke anzuschauen - und fand Gefallen daran. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, entschied sich der Präsident, einige Stücke an Bord der Air Force One bringen zu lassen, um sie mit ins Weiße Haus zu nehmen. Eine Benjamin-Franklin-Büste, ein Franklin-Porträt und eine Reihe von Figuren der griechischen Mythologie sollten demnach über den Atlantik geflogen werden.

Trump stellte auch Schuhe von Kanye West und einen UFC-Gürtel im Weißen Haus aus

Beamte des Außenministeriums prüften das Vorhaben des Präsidenten eilig und sahen den Umzug Bloomberg zufolge als legal an, weil die Kunst in der Botschaft Eigentum der US-Regierung ist. Die Botschafterin in Paris, Jamie McCourt, war von Trumps Entscheidung offenbar überrascht, legte jedoch keinen Widerspruch ein. Trump soll später gewitzelt haben, McCourt würde die Kunstwerke "in sechs Jahren" zurückbekommen, also wenn Trumps zweite Amtszeit ablaufen würde, sollte er wiedergewählt werden.

Trump ist dafür bekannt, dass er in seinem privaten Speisesaal im Westflügel des Weißen Hauses Erinnerungsstücke von verschiedenen offiziellen Reisen und Begegnungen ausstellt. Im Laufe der Zeit gehörten dazu unter anderem ein Paar Schuhe, die ihm der Musiker Kanye West geschenkt hatte, und ein Gürtel der Mixed-Martial-Arts-Organisation Ultimate Fighting Championship.

Die Kunstwerke aus der Botschafterresidenz in Paris hätten einen Wert von etwa 750 000 US-Dollar, berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit der Handlung vertraute Personen. Sie seien an Bord der Air Force One geladen worden, während Trump vor dem Rückflug nach Washington einen anderen Friedhof besuchte. Ein Sprecher des Weißen Hauses antwortete auf Fragen der Nachrichtenagentur: "Der Präsident brachte diese schönen historischen Stücke, die dem amerikanischen Volk gehören, in die USA zurück, um sie im Weißen Haus prominent zu präsentieren."

Die Franklin-Büste ist kein Original, das Porträt auch nicht

Zurück in den USA untersuchten Kunstkuratoren des Weißen Hauses die Stücke und teilten dem Präsidenten mit, dass die Franklin-Büste eine Nachbildung sei. Trump soll gescherzt haben, dass er die Fälschung lieber mochte als das Original.

Das aus Paris stammende Franklin-Porträt war wohl ebenfalls nicht echt, sondern eine Kopie eines 1785 in Frankreich gemalten Werks von Joseph Siffred Duplessis, das bislang in der National Portrait Gallery eine Meile vom Weißen Haus entfernt aufbewahrt wurde. Die Kuratoren entfernten ein anderes Porträt des amerikanischen Gründervaters Franklin aus dem Oval Office und liehen sich das Original von Duplessis aus der Galerie aus. Dieses hängt jetzt in Trumps Büro - nicht die Replik, die der Präsident aus Frankreich mitgenommen hat.

Die griechisch aussehenden Figuren haben es ebenfalls ins Oval Office geschafft. Sie stehen dem Bericht nach auf dem dortigen Kamin. Der Kunsthändlerin Patricia Wengraf zufolge stammen sie aus dem frühen 20. Jahrhundert und wurden von dem neapolitanischen Künstler Luigi Avolio angefertigt, der habe versucht, sie als Kunstwerke aus dem 16. oder 17. Jahrhundert auszugeben.

© SZ/bloomberg/saul/jael
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