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USA und Iran:Trumps Kriegsflüsterer bleibt ungehört

U.S. National Security Advisor John Bolton in Israel

US-Präsident Trumps Sicherheitsberater Bolton steht für die Kräfte, die sich ein möglichst hartes, gerne auch militärisches Vorgehen gegen Teheran wünschen.

(Foto: REUTERS)
  • Der Sicherheitsberater von US-Präsident Trump, John Bolton, ist einer der Architekten der scharfen Sanktionspolitik der USA gegenüber Iran.
  • Als Teheran vergangene Woche eine US-Drohne abschoss, nutzte Bolton den Moment, um Trump zu einer militärischen Reaktion zu drängen.
  • Trumps anderer indirekter Berater ist der Gastgeber einer TV-Show auf Fox. Dieser warnt den US-Präsidenten immer wieder vor einem Krieg gegen Iran.

Wenn es um Iran geht, hat Donald Trump derzeit zwei ganz unterschiedliche Ratgeber. Der eine arbeitet in jenem Eckbüro des Weißen Hauses, das einst Henry Kissinger gehörte. John Bolton hat als Nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten die Aufgabe, die Außen- und Sicherheitspolitik der Regierung zu koordinieren. Er steht für die Kräfte, die sich ein möglichst hartes, gerne auch militärisches Vorgehen gegen Teheran wünschen - und dies Trump bei jeder Gelegenheit mitteilen. Der andere Ratgeber hat kein politisches Amt, sondern eine Fernsehsendung. Tucker Carlsons Show läuft jeden Abend um 20 Uhr auf Fox News, Trumps Lieblingskanal. Darüber hinaus spricht er den Präsidenten immer mal wieder am Telefon. Seine Botschaft: Trump müsse Krieg gegen Iran um jeden Preis vermeiden.

Mit seinem Beschluss vom vergangenen Donnerstag, einen Militärschlag gegen iranische Einrichtungen in letzter Minute wieder abzusagen, hat Trump gezeigt, welcher dieser beiden Strömungen er eher zuneigt. "Diese Leute wollen uns in einen Krieg treiben, und es ist widerlich", sagte Trump laut Wall Street Journal am Wochenende zu Vertrauten. Wen er mit "diesen Leuten" meinte, machte er dabei an anderer Stelle deutlich. "John Bolton ist absolut ein Falke", sagte Trump in einem Interview mit NBC. "Wenn es nach ihm ginge, würde er gegen die ganze Welt ziehen." Das spiele aber keine Rolle, so Trump weiter, weil er sich schließlich verschiedene Meinungen anhören wolle.

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Bolton, grauer Scheitel, weißer Walrossschnauzer, ist der Verlierer der letzten Tage. Seine aggressive Haltung zu Iran ist gut belegt. Er spricht sich schon seit Langem für einen Regimewechsel in Teheran aus. Er bestärkte Trump in dessen Wunsch, aus dem Atomabkommen mit dem Land auszusteigen, das er für "Barack Obamas Waterloo" hält. Er ist, mit Außenminister Mike Pompeo, der Architekt der scharfen Sanktionspolitik, welche die USA gegenüber Iran eingeschlagen haben. Bolton war es auch, der im Mai die Entsendung eines Flugzeugträgers in die Region ankündigte und warnte, dass die USA auf jeden Angriff "mit unerbittlicher Kraft" reagieren würden. Als Iran dann vergangene Woche eine US-Drohne abschoss, nutzte Bolton den Moment, um Trump zu einer militärischen Reaktion zu drängen - und viele in Washington glaubten, dass es ihm gelingen würde.

Bolton gehörte zu den Fürsprechern des Irak-Kriegs von 2003

Das hat mit Boltons Vorgeschichte zu tun. Der 70-Jährige hat große Regierungserfahrung, er weiß, wie der gewaltige sicherheitspolitische Apparat der USA funktioniert und wie er sich lenken lässt. In seiner Zeit unter Präsident George W. Bush gehörte Bolton, damals Staatssekretär für Rüstungskontrolle, zu den prominentesten Fürsprechern des Irak-Kriegs von 2003. In weiten Kreisen galt Bolton deshalb als diskreditiert, politisch tot. Doch indem Trump ihn zurück ins Weiße Haus auf den Posten des Sicherheitsberaters holte, erweckte er ihn wieder zum Leben. Die Theorie, die Geschichte des Irak-Feldzugs würde sich mit Bolton wiederholen, hat allerdings einen Haken: Trump ist nicht Bush. Sein Instinkt, keine militärischen Abenteuer mehr einzugehen, ist auch gut belegt. Es war ein zentrales Wahlversprechen, mit dem er ein verbreitetes Unbehagen in der amerikanischen Bevölkerung aufnahm.

Der Mann, der den Präsidenten in den vergangenen Tagen eindringlich daran erinnerte, ist Tucker Carlson, ein Lieblingsmoderator Trumps. Am Telefon soll er Trump laut New York Times gesagt haben, er könne seine Wiederwahl im Fall eines neuen Kriegs vergessen. Seit dem 11. September 2001 habe jeder US-Krieg im Desaster geendet, so der Moderator in seiner Livesendung am Donnerstagabend, während Trump mit der Entscheidung rang. Trump tue das Richtige, indem er den Rat jener ignoriere, die ihn zum Angriff überreden wollten. Am Freitag legte er nach: In einer langen Tirade nannte er Bolton eine Art neokonservativen Zombie und "Parasiten", der trotz seiner vielen Fehler "für immer in den Eingeweiden des Regierungsapparats fortlebt, um ab und zu aufzutauchen und Schmerz und Leid zu erzeugen".

Was solche Töne langfristig für Boltons Stand bei Trump bedeuten, ist unklar. In Bezug auf den Iran-Konflikt sendete der Präsident am Montag jedenfalls erneut widersprüchliche Signale. Ehe seine Regierung die neue Sanktionsrunde gegen Iran verhängte, teilte Trump auf Twitter mit, er würde die amerikanische Präsenz in der Straße von Hormus am liebsten reduzieren. China, Japan und viele Staaten würden einen Großteil ihres Öls auf diesem Weg beziehen, während die USA als weltgrößter Ölproduzent darauf nicht angewiesen seien. "Wir brauchen gar nicht mehr dort zu sein", schrieb Trump. "Warum beschützen wir seit vielen Jahren die Schiffsrouten für andere Länder ohne jede Entschädigung?"

Das klang eher, als bereite der Präsident eine Begründung vor, warum die USA nicht auf jeden Zwischenfall vor Irans Küste reagieren müssten. Es wäre in Carlsons Sinn.

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