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Toter US-Student:Otto Warmbiers Leiche wird nicht obduziert

  • Die Eltern des verstorbenen Studenten lehnen eine Autopsie ab.
  • US-Politiker machen Nordkorea für seinen Tod verantwortlich.
  • Die USA erwägen für Amerikaner ein Reiseverbot nach Nordkorea.

Die Leiche des aus Nordkorea zurückgekehrten und wenig später gestorbenen US-Studenten Otto Warmbier wird nicht einer Autopsie unterzogen. Ein entsprechender Wunsch der Eltern werde respektiert, teilte die Gerichtsmedizin im Bundesstaat Ohio mit. Eine genaue Todesursache könne derzeit nicht festgestellt werden.

Der 22-Jährige Warmbier starb am Montag. Bei seiner Freilassung in der vergangenen Woche lag er bereits im Koma. Ärzten zufolge hatte er schwere Gehirnschäden, deren Ursachen unklar sind. Gerichtsmediziner, die den Fall übernahmen, untersuchten den Körper lediglich von außen. Ein Grund für die Ablehnung einer Obduktion könnte sein, dass die Warmbier-Familie jüdischen Glaubens ist und dort verschiedenen Auslegungen zufolge die Leichenöffnung verboten oder nur unter besonderen Umständen erlaubt ist.

Nordkorea Von Nordkorea freigelassener US-Student Warmbier gestorben
Nach Haft

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Der 22-Jährige war in der vergangenen Woche im Koma liegend an die USA überstellt worden. Präsident Trump kritisiert das Regime in Pjöngjang nach Warmbiers Tod scharf.

Zudem erwägt die US-Regierung offenbar ein Reiseverbot nach Nordkorea. Außenminister Rex Tillerson, der die Ermächtigung hat, ein solches Verbot zu unterzeichnen, denke bereits seit April über diesen Schritt nach, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Ministeriums. Eine Umsetzung des Reiseverbot stehe zwar nicht direkt bevor, die Diskussion darüber habe seit dem Tod Warmbiers jedoch an Brisanz gewonnen.

Warmbier war mit einem chinesischen Reiseunternehmen nach Nordkorea gefahren. Dort wurde er beschuldigt, ein Propagandaplakat gestohlen zu haben und wurde im März 2016 zu 15 Jahren Haft und Zwangsarbeit verurteilt. In der vergangenen Woche ließ Nordkorea ihn frei. Seine Familie und auch amerikanische Politiker machen die Regierung in Pjöngjang für seinen Tod verantwortlich.

US-Präsident Trump hat derweil die Bemühungen Chinas als fehlgeschlagen bezeichnet, Nordkorea mit diplomatischen Mitteln von seinem Atomprogramm abzubringen. Er begrüße zwar die Bemühungen Chinas, sie hätten aber nicht funktioniert, erklärte Trump via Twitter. Es war zunächst unklar, ob Trumps Äußerungen einen Kurswechsel seiner Politik gegenüber Nordkorea bedeuteten oder auch im Hinblick des Tods von Warmbier lediglich eine weitere Verschärfung der Tonlage im Streit der beiden Länder darstellten.

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Der US-Präsident hatte die Freilassung des in Nordkorea inhaftierten Studenten zu seinem persönlichen Anliegen gemacht. Nach dem Tod des 22-Jährigen setzt er auf mitfühlende Worte statt Krawall-Rhetorik.   Von Johanna Bruckner