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Terrormiliz im Irak:IS zerstört Jahrtausende alte Stadt Hatra

In this file photo taken July 27, 2005, two temples stand over 1,750 years after the Sassanian empire razed the Mesopotamian city of Hatra

Ein Tempel in der antiken Stadt Hatra.

(Foto: Antonio Castaneda/AP)
  • Die Terrormiliz Islamischer Staat setzt die Vernichtung von Kulturstätten im Irak fort: Nach dem Angiff auf die einstige assyrische Hauptstadt Nimrud hat sie nun die Ruinen in der Jahrtausende alten Stadt Hatra gesprengt.
  • UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilt die Taten als Kriegsverbrechen.
  • Den irakischen Truppen ist ein Erfolg im Kampf gegen die Dschihadisten gelungen. Sie erobern die Stadt Al-Bagdadi zurück.

Terrormiliz sprengt Weltkulturerbe Hatra

Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) setzt ihre Zerstörung altorientalischer Kulturstätten im Irak fort. Am Samstag haben die Dschihadisten nach Angaben der Universität von Mossul Ruinen in der Jahrtausende alten Stadt Hatra gesprengt. "Das stellt einen Verlust dar, der nicht aufgewogen werden kann", sagte Hamid al-Dschuburi, Leiter der Abteilung für Altertümer der Universtität. Die UNESCO hat Hatra als Weltkulturerbe eingestuft.

Hatra liegt rund 110 Kilometer südlich der IS-Hochburg Mossul in der irakischen Provinz Ninive. Die Stadt beherbergt gut erhaltene antike Ruinen, die bis ins dritte Jahrhundert vor Christus zurück datieren. In ihrem Wert ist Hatra mit den Ruinenstädten des syrischen Palmyra und des libanesischen Baalbek vergleichbar.

Nimrud mit Planierraupen zerstört

Die IS-Kämpfer hatten Ende vergangene Woche bereits die einstige assyrische Hauptstadt Nimrud knapp 40 Kilometer südlich von Mossul angegriffen. Nach Angaben des irakischen Altertumministeriums hatten die Extremisten die Stadt am Donnerstag überrannt und damit begonnen, die antike Stätte mit Planierraupen zu zerstören. Dort stehen Überreste von Palästen und einzigartige Torhüterfiguren sowie geflügelte Stierkörper mit Menschenköpfen. Die historische Stadt wurde um 1270 vor Christus gegründet und war zeitweilig die Hauptstadt Assyriens. Sie liegt knapp 40 Kilometer südlich der IS-Hochburg Mossul.

IS sieht Heiligengräber und Götterbilder als verboten an

Die Zerstörungen sind Teil einer systematischen Kampagne des IS, das geschichtliche Erbe der Region auszulöschen. Gemäß der extremen Interpretation des Islam der Dschihadisten sind Götterbilder und Heiligengräber verboten, da nichts außer Gott selbst angebetet werden dürfe. Bereits mehrere Stätten fielen dem IS zum Opfer.

In einem am 26. Februar veröffentlichten Video ist zu sehen, wie Kämpfer mit Presslufthämmern Statuen im Museum von Mossul zerstören. Nach Angaben der Altertümerverwaltung wurden rund 90 Objekte vernichtet oder beschädigt, die meisten Originale. Ebenfalls im Februar verbrannten die Islamisten Tausende Bücher und seltene Handschriften in der Bibliothek von Mossul. Die Unesco sprach von einer Kampagne der "kulturellen Säuberung". Im Januar verbreitete Fotos zeigen, dass die Mauern der historischen Zitadelle in der im Juni vergangenen Jahres von den Islamisten eroberten Stadt Tal Afar im Westen des Landes schwer beschädigt sind. Die Schäden sollen Ende Dezember oder Anfang Januar verursacht worden sein.

Im September wurde die Grüne Kirche, ein assyrisches Gotteshaus in Tikrit, gesprengt ebenso wie der Schrein Al Arbain, in dem die Grabstätten von 40 bedeutenden Vertretern des Islam lagen, darunter Weggefährten des Propheten Mohammed.

Ban: "Ein Angriff auf die Menschlichkeit"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte derweil die Zerstörung der jahrtausendealten Stadt Nimrud. Er sei zutiefst verstört von dieser Tat, sagte Ban laut einer Mitteilung. Politische und religiöse Machthaber in der Region rief er dazu auf, die Tat ebenso zu verurteilen. "Die absichtliche Zerstörung unseres gemeinsamen kulturellen Erbes ist ein Kriegsverbrechen und ein Angriff auf die Menschlichkeit."

IS-Dschihadisten zurückgedrängt

Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben irakische Truppen Erfolge erzielt. Die Streitkräfte vertrieben die Extremisten aus der Stadt Al-Bagdadi, wie das US-Militär mitteilte. Unterstützt wurden sie demnach von Stammeskämpfern und Luftangriffen der Anti-IS-Allianz. Den Kämpfern am Boden sei es dabei unter anderem gelungen, drei Brücken über den Euphrat zurückzuerobern. Diese seien seit September unter IS-Kontrolle gewesen. Darüber hinaus habe die irakische Armee IS-Kämpfer aus sieben Dörfern im Nordwesten Al-Bagdadis gedrängt.

Das irakische Staatsfernsehen hatte zuvor unter Berufung auf die Armee berichtet, das Militär habe bei der Offensive im Norden Bagdads den strategisch wichtigen Ort Al-Dur eingenommen, unterstützt von Kämpfern schiitischer Milizen. Eine unabhängige Bestätigung hierfür gab es zunächst nicht. Die Einnahme von Al-Dur gilt als eines der ersten Ziele der seit knapp einer Woche andauernden Offensive, mit der die irakischen Streitkräfte das rund 170 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Tikrit befreien wollen.

Die irakische Regierung hat für ihre Offensive nach eigenen Angaben rund 30 000 Mann mobilisiert. Der Vormarsch war in den vergangenen Tagen nur langsam vorangekommen. Der IS versucht, die Offensive vor allem mit Selbstmordattentätern und Hunderten von Sprengfallen aufzuhalten.

© SZ.de/dpa/AFP/mest/ebri
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