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Terrorismus:Großbritanniens Innenministerin wehrt sich gegen "Spekulationen" von Trump

Nach dem U-Bahn-Anschlag in London haben Ermittler zwei Verdächtige festgenommen. Die höchste Terrorwarnstufe ist nun aufgehoben. Für Ärger sorgt US-Präsident Trump auf Twitter.

Im Zusammenhang mit dem Anschlag in der Londoner U-Bahn hat die Polizei in England einen zweiten Verdächtigen festgenommen. Das teilte Scotland Yard am Sonntag mit. Der 21-jährige Mann wurde in Hounslow im Westen der britischen Hauptstadt wegen Terrorverdachts in Gewahrsam genommen. Die Ermittler suchen weiter nach möglichen Komplizen.

Am Samstag war bereits ein 18-jähriger Mann im Hafen von Dover ausgespürt und festgesetzt worden. Anschließend durchsuchten die Ermittler ein Haus im Londoner Vorort Sunbury. Die Polizei sprach von einer "bedeutenden Festnahme", die weitere Ermittlungen nach sich ziehen werde. Auch Innenministerin Amber Rudd sagte, die Verhaftung sei von "wesentlicher Bedeutung". Der Verdächtige werde nach den Bestimmungen des Anti-Terror-Gesetzes festgehalten und verhört.

Die britischen Behörden haben unterdessen die höchste Terrorwarnstufe zurückgenommen. Das teilte Innenministerin Amber Rudd am Sonntag mit. Damit gilt ein Anschlag nicht mehr als "unmittelbar bevorstehend", sondern nur noch als "höchst wahrscheinlich". Die Polizeipräsenz war für das Wochenende im ganzen Land verstärkt worden. Auf Straßen und in Zügen sind mehr bewaffnete Polizisten zu sehen - Beamte sind in Großbritannien meist unbewaffnet.

29 Verletzte beim Sprengstoffanschlag am Freitag

Am Freitag waren in der U-Bahn in London 29 Menschen verletzt worden, als ein offenbar mit einem Zeitzünder versehener Sprengsatz explodierte. Der Vorfall ereignete sich im morgendlichen Berufsverkehr in einem U-Bahn-Waggon an der Station Parsons Green im Westen Londons. Augenzeugen berichteten von einem großen "Feuerball". Die meisten Opfer erlitten nach Polizeiangaben Verbrennungen, andere wurden in der allgemeinen Panik niedergetrampelt. Nach Angaben der Rettungskräfte war keines der Opfer in Lebensgefahr. Bis auf drei haben inzwischen alle das Krankenhaus verlassen können.

Nach bisherigen Erkenntnissen detonierte der Sprengsatz nur teilweise. Die Terrormiliz IS hat den Anschlag für sich reklamiert. Experten wie Peter Neumann vom Londoner King's College halten das aber noch nicht für erwiesen. Typisch für den IS seien eher Selbstmordattentate oder Anschläge mit Fahrzeugen. Die britischen Behörden haben bisher noch keine Angaben zu möglichen Motiven oder Hintergründen gemacht. Die Fahndung werde ergebnisoffen geführt, sagte Chefermittler Mark Rowley von Scotland Yard.

Unmittelbar nach dem Anschlag hatte US-Präsident Trump in einem Tweet behauptet, die Täter seien Scotland Yard bekannt gewesen. Dem widersprach die britische Innenministerin Rudd am Sonntag und nannte die Äußerungen "pure Spekulation". Es sei nie hilfreich, Spekulationen über laufende Ermittlungen anzustellen. "Ich würde den Präsidenten der Vereinigten Staaten damit einschließen", sagte Rudd in der BBC.

© SZ.de/ewid/sih/dpa/jab
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