SZ-Korrespondenten über US-Wahl Christiane Schlötzer, Istanbul, über die Türkei

Republikanischer Verlierer

Zehn Dinge, die Sie nicht über Mitt Romney wissen

Christiane Schlötzer, Istanbul, über die Türkei

Obama oder Romney? Die junge Türkin stutzt und schüttelt das kopftuchfreie Haupt. "Keine Ahnung", sagt sie. Es ist zehn Uhr morgens, auf Istanbuls zentralem Taksim-Platz herrscht Pendlerhektik, aber viele Türken haben trotz der TV-Sondersendungen noch gar nicht mitbekommen, dass der neue US-Präsident der alte ist. Auch ein Kellner in einem gut besetzten Café zuckt mit den Schultern. Amerika? Interessiert ihn nicht. "Der Krieg in Syrien, die Wirtschaft, für uns wird nichts besser werden", sagt der 35-jährige Mann.

Die Türkei ist wieder einmal vor allem mit sich selbst beschäftigt. Nur einen Tag vor der US-Wahl teilte die Regierungspartei AKP mit, dass sie sich auch für die Türkei ein Präsidialsystem wünsche. Wer mag da an Zufall denken? Premier Tayyip Erdogan würde nur zu gern Präsident des Landes werden, die Opposition ist strikt dagegen. Erdogan und Obama verbindet eine politische Love Affair, beide ließen kaum eine Chance aus, ihr enges Verhältnis zu demonstrieren. Unter George W. Bush dagegen herrschte wegen des Kriegs im Irak Eiszeit zwischen Washington und Ankara.

Obama hatte die türkischen Herzen dann im Sturm erobert, als er schon während seines ersten Europa-Trips im April 2009 auch Ankara besuchte. "Romney wird von Neocons umringt, wie einst Bush", schrieb ein führender Kolumnist am Tag vor der US-Wahl und betonte, "Obama ist auch besser für die Türkei".

Nur: Die Erwartungen in Ankara, dass ein wiedergewählter Barack Obama mehr dazu tun würde, um den Krieg in Syrien zu beenden, "könnte sich bald als trügerisch erweisen", warnte die regierungsnahe Zeitung Zaman. Eine militärische Intervention aber will auch die Türkei nicht, die Kriegsangst ist groß. Ein Kurde mit Dreitagebart, der sich als fliegender Händler auf dem Taksim-Platz durchschlägt, sagt: "Die Türkei sollte nicht immer schauen, was macht Amerika, sie sollte sich nur auf sich selbst verlassen."