Syrischer Flüchtling in Deutschland Manche Muslime verstecken ihren Weihnachtsbaum

Im Islam feiert man eigentlich keine Geburtstage, da macht der Geburtstag von Jesus Christus keine Ausnahme. Mohammed feierte, im Gegensatz zu Juden und Christen, seinen Geburtstag nicht; er sprach sich sogar ausdrücklich dagegen aus. Erst im 11. Jahrhundert begannen auch manche Muslime, ihren Geburtstag nach dem Mondkalender zu zelebrieren. Heute ist es schwer, eine muslimische Familie zu finden, die nicht in irgendeiner Weise diese Feste begeht. Und für die Menschen aus Syrien und dem Irak sind Weihnachten und Geburtstage sowieso nichts Neues. Muslime haben hier über Jahrhunderte Seite an Seite mit Christen gelebt, die ihre Bräuche und Traditionen genauso pflegten wie alle anderen Christen rund um die Welt. Der größte Weihnachtsbaum in Syrien stand in einer Stadt, die mehrheitlich von Muslimen bewohnt wurde. Man konnte in den muslimischen Stadtvierteln dieselben feierlichen Beleuchtungen wie in den christlichen sehen.

Muslime in Deutschland stehen nun vor zwei Möglichkeiten: Entweder zeigen sie, dass sie Teil der deutschen multikulturellen Vielfalt sind - so geben sie sich selbst die Möglichkeit, sich zu integrieren und beispielsweise die Beziehungen ihrer Kinder mit den deutschen Schulkameraden zu verbessern. Die zweite Möglichkeit ist, einfach zu sagen: Wir haben unsere Feste und ihr habt eure - das aber würde die Angriffsfläche und auch den Graben zwischen den Kulturen und den Menschen vergrößern. Man könnte dann über sie sagen, dass sie die soziale Isolation der Integration vorziehen.

Manche muslimische Flüchtlinge, die noch unentschieden sind, entscheiden sich für einen Mittelweg: Sie feiern Weihnachten heimlich. Heimlich, damit sie nicht von ihren muslimischen Landsleuten gesehen werden, wenn sie einen Baum beschaffen, Lichter, den Schmuck und die farbenfrohen Kugeln. Sie bevorzugen es, den Baum nicht am Fenster, sondern eher versteckt aufzubauen, weil sie sich nicht von konservativen Muslimen beobachten lassen möchten. Würde jemand sie doch beobachten, so würden sie sagen: "Das ist doch nur für die Kinder, es ist nur ein Spiel, so wie alle anderen Spiele!"

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Die Weihnachtsgans soll sehr lecker sein

In Syrien hatten wir immer einen Plastikbaum. Wir haben ihn schon im November aufgestellt und bis Januar behalten. Aber in diesem Jahr habe ich zum ersten Mal einen echten Baum nach Hause gebracht, er war sehr schwer. Das bemerkte ich aber erst, als ich ihn jemandem im Bus auf den Fuß stellte. Meine Töchter waren sehr glücklich über ihn, und als meine Nachbarn sahen, wie ich ihn nach Hause trug, sagten sie mir, dass er sehr schön sei.

Dieses Weihnachten verbringen wir getrennt von unserer großen Familie in Syrien, aber wir haben eine neue hier: eine nette deutsch Familie hat uns zum gemeinsamen Feiern eingeladen. Wir werden zusammen deutsche Weihnachtslieder singen, ich glaube, meine Kinder haben sie schon gelernt. Ich habe gehört, dass wir einem deutschen Weihnachtsmann begegnen werden. Meine Frau und ich werden einige schöne Fotos machen und die Gans probieren. Man hat uns gesagt, sie soll sehr lecker sein.

Wenn wir dann zurück nach Hause kommen, werden wir die Fotos an meine große Familie senden und ich werde versuchen, den Baum so lange wie möglich im Haus zu behalten. Aber ich werde meinen Töchtern niemals sagen, dass in den deutschen Zoos schon Elefanten darauf warten, diesen Baum zu essen, wie ich der Zeitung entnahm. Diesen Baum, auf dessen Dekoration meine Töchter in Vorfreude auf das Fest so viel Zeit verwendet haben, kriegen die Elefanten nicht.

Übersetzung: Jasna Zajcek

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