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Syrien-Konflikt:Kriegsschiffe und Kampfflieger im östlichen Mittelmeer

U.S. Navy sailors man the rails aboard the destroyer USS Donald Cook as the ship departs Larnaca

Der amerikanische Zerstörer USS Donald Cook auf See vor Zypern, von wo aus Angriffe auf syrisches Staatsgebiet gesteuert werden könnten.

(Foto: REUTERS)
  • Die Verbündeten USA, Großbritannien und Frankreich verfügen momentan über vier Kriegsschiffe in der Region.
  • Von den jeweiligen Stützpunkten in der Türkei, in Katar und auf Zypern könnten Flieger aufsteigen.
  • Russland hat drei Kriegsschiffe mobilisiert und verfügt über Raketenabwehrsysteme

Seit Mittwoch sind vermehrt Kriegsschiffe im östlichen Mittelmeer in Bewegung. Hintergrund der militärischen Aktivitäten ist der Konflikt um Syrien und dabei vor allem ein Tweet von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch. Mit diesem hatte er den Eindruck erweckt, nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die Stadt Duma stehe ein amerikanischer Raketenangriff auf Syrien kurz bevor.

Kurz darauf hatte seine Sprecherin abgewiegelt, dennoch beraten derzeit offenbar verschiedene Nationen, allen voran die USA, über einen möglichen Militärschlag in der Region. Für einen schnellen Angriff der Amerikaner jedenfalls wären genügend Einheiten vor Ort. Für eine längere kriegerische Auseinandersetzung aber fehlt etwas ganz Entscheidendes: Im Moment befindet sich kein US-Flugzeugträger in der weiteren Region, was unerlässlich ist für die längerfristige Versorgung im Einsatz befindlicher Militärflugzeuge. Die SZ hat eine Übersicht zusammengetragen über die Militäreinheiten der USA und ihrer Verbündeten sowie der Streitkräfte Russlands im östlichen Mittelmeer und Syrien.

Die US Navy ist mit zwei großen Kriegsschiffen - den Zerstörern USS Donald Cook und der USS Porter - im östlichen Mittelmeer präsent. Beide Schiffe verfügen zusammen über 180 Startplätze für Raketen, die eine Reichweite zwischen 900 und 2500 Kilometer haben. Für Ziele im wenige Hundert Kilometer entfernten Syrien ist das mehr als ausreichend. Experten gehen davon aus, dass durch die beiden Schiffe bis zu 120 Marschflugkörper vom Typ Tomahawk gestartet werden können.

Auch die US Air Force kann von Flugzeugen aus Raketen abfeuern. Alleine auf dem Luftwaffenstützpunkt im türkischen İncirlik stehen bis zu 100 amerikanische Flugzeuge bereit. Außerdem haben die USA in Al-Udeid in Katar Kampfflugzeuge stationiert.

Großbritannien und Frankreich haben den USA in einem möglichen Konflikt militärische Unterstützung zugesagt. Konkret könnten die Briten derzeit mit einem Jagd-U-Boot aktiv werden, das sie dauerhaft im Mittelmeer stationiert haben. Das Boot, das eigentlich zu Verfolgungszwecken zur See ausgelegt ist, könnte circa 30 Marschflugkörper an Bord haben. Damit erreichen die Briten Ziele in einer Distanz von etwa 600 Kilometern. Am Donnerstag berät das britische Unterhaus darüber, ob weitere U-Boote in die Region des östlichen Mittelmeeres entsandt werden sollen. Die Briten könnten auch aus der Luft angreifen: Im zyprischen Akrotiri hat die Royal Air Force etwa ein Dutzend Eurofighter sowie zehn Tornado-Jagdbomber stationiert.

Auch Frankreich könnte sich an einem amerikanischen Raketenangriff auf Syrien aus der Luft und vom Wasser aus beteiligen. In der US Air Base Al-Udeid im Emirat Katar haben die Franzosen Flugzeuge vom Typ Rafale stationiert, mit denen sie Ziele in Syrien angreifen können. Zudem wurde am Mittwoch bekannt, dass die französische Fregatte Aquitaine im Mittelmeer kreuzt. Das Kriegsschiff könnte gleichzeitig 16 Marschflugkörper vom Typ Scalp abfeuern.

Das mit Syriens Machthaber Assad verbündete Russland könnte auf einen US-geführten Angriff militärisch antworten. Experten schätzen, dass die russische Militärpräsenz in der Region zwar in der Lage ist, begrenzten amerikanischen Raketenbeschuss abzuwehren. Schon bei stärkerem Raketenbeschuss aber könnte die russische Raketenabwehr überfordert sein. Die beiden russischen Raketenabwehrsysteme vom Typ S-400 in Syrien sind zwar technisch auf einem guten Stand. Bei einem Dauerbeschuss mit 60 bis 70 amerikanischen Marschflugkörpern gehen Experten aber davon aus, dass der Schutzschirm durchlässig wird.

Auch über Seestreitkräfte verfügt Russland in der Region. Von der Marinebasis im syrischen Hafen Tartus ist ein Flottenverband ausgelaufen. Dazu gehören, wie der Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, Christian Mölling, sagt, zwei russische Zerstörer und ein Jagd-U-Boot. Insgesamt sind die Kapazitäten der Russen in der Region aber sehr begrenzt. Ob sie ausreichen, um selbst einen Gegenschlag zu führen, ist fraglich.

© SZ.de/mcs/cat

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