Supreme-Court-Kandidat Neue Vorwürfe gegen Kavanaugh - Trump spricht von möglichem Vertrauensentzug

Kavanaugh bestritt die Anschuldigungen der bislang bekannten mutmaßlichen Opfer vehement.

(Foto: AP)
  • Zwei Frauen werfen dem US-Richterkandidaten Kavanaugh sexuelle Übergriffe vor.
  • Nun erhebt eine dritte Frau schwere Vorwürfe gegen den Wunschkandidaten des amerikanischen Präsidenten.
  • Trump deutet am Vorabend der Anhörung von Kavanaugh und einem seiner mutmaßlichen Opfer vor dem US-Senat an, dass er seinem Kandidaten möglicherweise das Vertrauen entziehen könnte.

Kurz vor der Anhörung vor dem US-Senat zu Missbrauchsvorwürfen gegen den Supreme-Court-Kandidaten Brett Kavanaugh ist der Richter mit neuen Anschuldigungen konfrontiert worden. Eine Frau aus Washington ließ über ihren Anwalt eine Erklärung veröffentlichen, in der sie Kavanaugh vorwirft, er habe in den 80er Jahren bei diversen Partys in angetrunkenem Zustand junge Frauen sexuell belästigt.

Er habe sie begrapscht und anzügliche Kommentare gemacht. Kavanaugh habe gemeinsam mit anderen versucht, Frauen mit gepanschten Drinks abzufüllen, um sie willenlos zu machen. Diese Frauen seien danach in angrenzenden Zimmern missbraucht worden. Sie selbst sei damals bei einer solchen Party Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden. Auch Kavanaugh sei anwesend gewesen.

Trump deutet mögliche Abkehr von Kavanaugh an

US-Präsident Donald Trump, der Kavanaugh bislang trotz der Anschuldigungen unterstützt hatte, scheint nun eine Abkehr von seinem Wunschkandidaten für das Oberste Gericht nicht mehr auszuschließen. Er könne seine Meinung zu der Nominierung ändern, falls sich herausstelle, dass Kavanaugh "schuldig" sei, sagte Trump am Rande der UN-Vollversammlung in New York. "Ich werde sehen, was morgen passiert." Er werde sich die Anhörung von Kavanaugh und Christine Blasey Ford vor dem Justizausschuss des US-Senats anhören.

Er wolle hören, was die Frau zu sagen habe, sagte Trump. Noch könne er nicht sagen, ob ihre Angaben glaubhaft seien. Der Washington Post zufolge spielte Trump auch auf Vorwürfe gegen seine eigene Person an: Wegen der "vielen falschen Beschuldigungen", die gegen ihn erhoben worden seien, betrachte er die Angelegenheit anders als jemand, "der zuhause vor dem Fernseher sitzt". Der Präsident betonte, Kavanaugh habe einen herausragenden Intellekt und er hoffe, dass er für den Supreme Court bestätigt werde.

Stormy-Daniels-Anwalt vertritt dritte Frau

Der Anwalt der dritten Frau, die Kavanaugh sexuelle Übergriffe vorwirft, ist Michael Avenatti. Dieser hatte auch die Pornodarstellerin Stormy Daniels vertreten, die mit Donald Trump eine Affäre gehabt haben soll. Kavanaugh bestreitet sämtliche Vorwürfe vehement.

An dem Fall hat sich ein heftiger Streit zwischen Republikanern und Demokraten entzündet. Die Konservativen haben sich bisher mehrheitlich hinter ihren Kandidaten gestellt und sehen in den Vorwürfen eine Verleumdungskampagne der Opposition. Die Demokraten haben große Bedenken gegen den Juristen und fordern eine umfangreiche Untersuchung.

Die lebenslange Berufung des erzkonservativen Juristen an den Supreme Court schien vor Bekanntwerden der Anschuldigungen bereits sicher. Trump hätte damit auf Jahrzehnte eine konservative Ausrichtung des Gerichts festsetzen können.

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