Streitkräfte USA prüfen laut "Washington Post" Truppenabzug aus Deutschland

Auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein sind derzeit 8 000 US-Soldaten.

(Foto: picture alliance / dpa)
  • Das US-Verteidigungsministerium prüft einem Zeitungsbericht zufolge den Abzug eines Großteils der 35 000 in Deutschland stationierten amerikanischen Soldaten.
  • Die Idee stammt offenbar von US-Präsident Trump, die Nato-Partner seien beunruhigt darüber.
  • Das Pentagon dementiert den Bericht.

Das US-Verteidigungsministerium prüft einem Bericht der Washington Post zufolge einen Abzug der in Deutschland stationierten US-Soldaten. Zu den erwogenen Optionen gehöre die Rückkehr eines Großteils der etwa 35 000 in Deutschland stationierten Soldaten in die USA oder die Verlegung des gesamten oder eines Teils des Kontingents nach Polen, meldet die Zeitung.

Dem Bericht zufolge hatte US-Präsident Donald Trump die Idee eines Truppenabzugs zuvor bei einem Treffen mit Militärberatern und Vertretern des Weißen Hauses aufgebracht. Trump sei "bestürzt" darüber gewesen, wie groß die Präsenz des US-Militärs in Deutschland sei und habe darüber geklagt, dass Berlin zu wenig zur eigenen Sicherheitslage beitrage.

Die europäischen Nato-Mitglieder seien beunruhigt über den Vorgang und versuchten zu klären, ob Trump es ernst meine oder die Drohung mit einer Truppen-Neustrukturierung eine Verhandlungstaktik vor dem anstehenden Nato-Gipfel am 11. und 12. Juli sei. Das Verhältnis Trumps zu Bundeskanzlerin Angela Merkel ist angespannt.

Trump: Nato-Staaten geben zu wenig für Verteidigung aus

Bei der Analyse soll es sich dem Bericht nach um eine interne Studie des Pentagons handeln. Die von der Post befragten Regierungsmitarbeiter betonten, bei den Überlegungen handele es sich nur im eine interne Prüfung der Möglichkeiten. Die Spitze des Pentagons sei derzeit nicht mit der Frage befasst.

Einen offiziellen Auftrag des Nationalen Sicherheitsrats (NSC) der Vereinigten Staaten gibt es einem NSC-Sprecher zufolge nicht. Pentagon-Sprecher Eric Pahon dementierte einen geplanten Abzug ebenfalls. Gleichzeitig erklärte er, die Stationierung von US-Truppen im Ausland werde regelmäßig überprüft sowie einer "Kosten-Nutzen-Rechnungen" unterzogen. Die USA seien Deutschland und der Nato weiterhin verpflichtet, so Pahon.

Der US-Präsident hatte die Nato in der Vergangenheit immer wieder scharf kritisiert und unter anderem als "überflüssig" bezeichnet. In einem Brief an acht europäische Nato-Mitglieder forderte er diese zu höheren Verteidigungsausgaben auf.

Trump hatte wiederholt diejenigen Mitglieder der Militärallianz kritisiert, die eine 2014 getroffene Vereinbarung zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu verfehlen drohen - darunter auch Deutschland. Am Freitag erneuerte er an Bord der Air Force One die Kritik an Deutschland.

Mitte Mai hatte sich Verteidigungministerin Ursula von der Leyen darauf festgelegt, bis 2025 Verteidigungsausgaben in Höhe von 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes anzustreben. Kurz vor dem Nato-Gipfel in Brüssel sagte sie: "Deutschland steht voll und ganz hinter dem Zwei-Prozent-Ziel."

In Deutschland sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs US-Soldaten stationiert. Es handelt sich um das größte Kontingent innerhalb Europas. Gerade der Luftwaffenstützpunkt Ramstein sowie das Militärkrankenhaus Landstuhl haben zentrale Bedeutung für das US-Militär.

Zudem befindet sich in Stuttgart das "United States Africa Command": Von diesem Regionalzentrum aus werden die Einsätze des US-Militärs auf dem afrikanischen Kontinent (mit Ausnahme Ägyptens) gesteuert.

Frau Zwei Prozent

Vor dem Nato-Gipfel bekräftigt Verteidigungsministerin von der Leyen das Ziel, deutlich mehr für Rüstung ausgeben zu wollen. Ob den USA dieses Bekenntnis reichen wird, ist äußerst fraglich. Von Daniel Brössler mehr...