Streit über Genmais-Zulassung in der EU:Ein Mais, der selbst Insektengift produziert

Damit nimmt Merkel in Kauf, dass künftig eine neue Genmaissorte in der EU zugelassen wird. Ein Mais, mit dem einfach "so gar nichts" stimmt, wie Greenpeace-Experte Zimmermann sagt.

Seit Jahren dringt der US-Konzern Pioneer auf eine Genehmigung seiner Genmaissorte 1507 in Europa. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Bt-Mais: Dieser produziert ein Insektengift, der Mais ist resistent gegen den Maiszünsler, einen weitverbreiteten Schädling.

Befürworter argumentieren, dass sich durch das Gift, das der Mais selbst produziert, das Spritzen erübrigt. Somit würden gezielt und effektiv nur die Schädlinge getötet, die den Mais auch angreifen. Umweltschützer warnen dagegen, dass das Gift bei einer sehr viel größeren Anzahl von Insekten wirken könnte, darunter auch Bienen.

Selbst die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) widerspricht in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2010 der Einschätzung von Pioneer, wonach das Risiko der Maissorte für harmlose Schmetterlinge unerheblich sei. Vielmehr sei eine bestimmte Nachtfalterart sehr wohl bei Kontakt mit dem Pollen der Maissorte gefährdet.

Darüber hinaus wirbt die Firma Pioneer damit, dass der Mais 1507 gegen das Herbizid Glufosinat resistent ist. Das Herbizid ist in Deutschland verboten, das Gift wird als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Die Zulassung innerhalb der EU läuft 2017 aus und wird voraussichtlich auch nicht verlängert. Zimmermann kritisiert, dass dieser Aspekt bei der bisherigen Bewertung der Pflanze überhaupt nicht berücksichtigt wurde. "Möglicherweise holt man sich da nicht nur eine ungewollte, sondern auch noch eine illegale Pflanze auf die Äcker", sagt er.

Noch hofft die SPD-Abgeordnete Vogt, dass sich die Bundesregierung in den verbleibenden Tagen doch zu einem gemeinsamen Nein durchringt. Anderswo hat man schon zu einer gemeinsamen Haltung gefunden: im Europäischen Parlament. Die Abgeordneten sprechen sich in einer Entschließung gegen die Zulassung des Genmaises aus.

Allerdings hat das Europäische Parlament in dem Verfahren nichts zu sagen.

© SZ.de/mcs
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