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Streit um Friedensvertrag:Israel bestellt Ägyptens Botschafter ein

Scharfe Reaktion aus Jerusalem: Das israelische Außenministerium reagiert empört auf die Aussage des ägyptischen Übergangspremiers, der Friedensvertrag beider Länder sei nicht unantastbar, und bestellt den Botschafter zum Rapport. Auch die für die "Heldenverehrung" der Angreifer auf die israelische Botschaft muss er sich rechtfertigen.

Israel hat den ägyptischen Botschafter wegen kritischer Äußerungen von Übergangspremier Essam Scharaf über den Friedensvertrag mit Israel einbestellt. Scharaf hatte im türkischen Fernsehen gesagt, der Vertrag aus dem Jahr 1979 sei "nicht sakrosankt". "Bestimmungen des Vertrages können geändert werden, wenn sich die Notwendigkeit ergibt", führte er aus.

Der Direktor des israelischen Außenministeriums, Rafi Barak, habe dem ägyptischen Botschafter Jasser Reda mitgeteilt, die Regierung in Jerusalem sei über diese Aussagen empört, berichteten israelische Medien. Die Verträge müssten Punkt für Punkt eingehalten werden, habe Barak betont.

Die Beziehungen beider Länder sind angespannt. Am vergangenen Wochenende hatten tausende Ägypter vor der israelischen Botschaft in Kairo zum Teil gewalttätig demonstriert. Eine kleinere Gruppe drang sogar in die in einem Bürohochhaus untergebrachte diplomatische Vertretung ein und riss die Fahne nieder.

Der israelische Botschafter sowie fast alle Diplomaten und Familienangehörige wurden mit einer israelischen Militärmaschine ausgeflogen. Anlass für die Demonstration war ein Zwischenfall an der Grenze, bei dem Israelis auf der Jagd nach Terroristen fünf ägyptische Grenzsoldaten erschossen hatten.

Die israelische Zeitung Haaretz berichtet, Barak habe sich im Gespräch mit dem ägyptischen Botschafter verärgert darüber gezeigt, dass die jugendlichen Angreifer in Kairo wie Helden gefeiert würden. Dabei sei es die Aufgabe der Ägypter gewesen, die Botschaft zu schützen.

Ägypten war das erste arabische Land, das einen Friedensvertrag mit Israel schloss. Später folgte noch Jordanien. Seit der autoritäre Präsident Husni Mubarak in diesem Februar bei einem Volksaufstand gestürzt wurde, wächst in Ägypten der Druck, die Politik gegenüber Israel zu revidieren.

© sueddeutsche.de/dpa/mikö/bero

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