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Schüsse in Straßburg:Frankreich ruft höchste Terrorwarnstufe aus - Polizei fahndet nach Täter

  • Bei Schüssen in der französischen Stadt Straßburg sind mindestens drei Menschen getötet worden, 13 wurden teils schwer verletzt.
  • Der Schütze konnte fliehen und hat sich offenbar südlich der Innenstadt verschanzt.
  • Die Polizei hält einen terroristischen Hintergrund für möglich.
  • Nach dem Anschlag erhöht Frankreich die Terrorwarnstufe.

Am Dienstagabend hat ein Mann am Rande des Weihnachtsmarktes von Straßburg das Feuer eröffnet. Dabei kamen nach Angaben der französischen Präfektur mindestens drei Menschen ums Leben. 13 Menschen seien verletzt worden, acht von ihnen schwer. Drei oder vier würden womöglich in Lebensgefahr schweben, sagte Bürgermeister Roland Ries in der Nacht auf Mittwoch.

Die Behörden schlossen einen Terroranschlag nicht aus, die Anti-Terroreinheit übernahm die Ermittlungen. Die französische Regierung rief zudem die höchste Terrorwarnstufe aus. Das bedeute etwa verstärkte Kontrollen an den Grenzen und auf Weihnachtsmärkten im ganzen Land, sagte Castaner, der sich am Abend nach Straßburg begeben hatte. Es würden zusätzliche Sicherheitskräfte nach Straßburg geschickt.

Die Suche nach dem flüchtigen Schützen dauert auch am Morgen noch an. Castaner zufolge sind etwa 350 Sicherheitsbeamte und zwei Hubschrauber darin involviert. Der Schütze sei der Polizei wegen kleinerer Vergehen bekannt, teilte Castaner mit. Er sprach von einem "schwerwiegenden Vorfall für die öffentliche Sicherheit". Der mutmaßliche Angreifer sei bereits wegen Delikten in Frankreich und in Deutschland verurteilt worden. Der Nachrichtenagentur dpa zufolge war der Schütze vom Amtsgericht Singen wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und im vergangenen Jahr nach Frankreich abgeschoben worden. Die Kontrollen an der elsässischen Grenze nach Deutschland wurden verstärkt, wie die Polizei in Baden-Württemberg mitteilte.

Am späten Abend hatte sich der Täter offenbar im Stadtteil Neudorf südlich des Zentrums verschanzt, wo Polizei und Militär ihn zu stellen versuchten. Er soll bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt worden sein. Der Mann wurde anhand von Aufnahmen von Sicherheitskameras identifiziert.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll es sich bei dem Schützen um einen 29-Jährigen handeln, der in Straßburg geboren wurde. Der nach Berichten örtlicher Medien vorbestrafte Chérif C. war auch als potenzieller Gefährder in den Akten der Sicherheitsbehörden verzeichnet. Bereits am Dienstagmorgen sollen Polizisten die Wohnung des Mannes durchsucht haben - laut der Agentur AFP im Zuge von Ermittlungen wegen eines Mordversuchs. Nach Informationen mehrerer Medien sollen in seiner Unterkunft Granaten gefunden worden sein.

Macron: "Solidarität der gesamten Nation für Straßburg"

Der Täter hatte gegen 20 Uhr in der Innenstadt von Straßburg mit einer automatischen Waffe mehrere Schüsse abgegeben. Wie der Straßburger Bürgermeister Roland Ries dem Fernsehsender BFM sagte, war der Täter in eine Sicherheitszone um den Weihnachtsmarkt gelangt und hatte von dort aus geschossen.

Das Zentrum wurde daraufhin abgeriegelt, Stadtverwaltung und die Sicherheitsbehörden forderten die Bürger dringend auf, in den Häusern zu bleiben. "Ich habe mehrere Feuerstöße gehört", berichtet ein Zeuge der örtlichen Zeitung Dernières Nouvelles d'Alsace, "ich habe mehrere Personen auf dem Boden liegen sehen. Sie haben Blut verloren. Die Polizisten waren schnell da."

Bislang ist nur über eines der Todesopfer etwas bekannt. Bei ihm handelt es sich um einen 45 Jahre alten Thailänder, wie das Außenministerium in Bangkok mitteilte. Der Mann machte mit seiner Frau in Frankreich Urlaub. Medienberichten zufolge starb er durch einen Schuss in den Kopf. Seine Frau soll unverletzt geblieben sein.

Staatspräsident Emmanuel Macron berief in Paris eine Krisensitzung ein. Er beriet sich in der Nacht zum Mittwoch unter anderen mit Premierminister Édouard Philippe und Verteidigungsministerin Florence Parly. "Solidarität der gesamten Nation für Straßburg, unsere Opfer und ihre Familien", schrieb Macron auf Twitter.

Auch das Gebäude des Europäischen Parlaments wurde zeitweilig komplett abgeriegelt, dort findet in dieser Woche eine Plenartagung des Parlaments statt.

Der Straßburger Weihnachtsmarkt soll am Mittwoch geschlossen bleiben. Er gehört zu den ältesten Frankreichs und ist bei Besuchern aus dem In- und Ausland äußerst beliebt, jedes Jahr zieht er rund zwei Millionen Besucher an. Entsprechend hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen: Während der Öffnungszeiten des Weihnachtsmarktes ist die Altstadt für den Autoverkehr weitgehend gesperrt; die Zugänge an den Brücken sind mit Gittern versperrt und werden von Sicherheitskräften bewacht. Dort müssen Fußgänger und Fahrradfahrer ihre Taschen für Kontrollen öffnen. Busse werden umgeleitet. 2016 waren bei einem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin zwölf Menschen getötet worden.

Terrorismus Zwei Tote und mehrere Verletzte nach Schüssen in Straßburg

Frankreich

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Am Weihnachtsmarkt im Zentrum eröffnet ein Mann das Feuer. Er ist noch nicht gefasst und soll sich südlich der Innenstadt verschanzt haben. Die Polizei hält ein terroristisches Motiv für möglich.