"Stern"-Vorwurf gegen Brüderle:Konstellation aus Einsamkeit, Weinseligkeit und Erhabenheit

Hier wie dort hat der Chauvinismus mit der Ballung von Macht zu tun; mächtige Menschen lassen sich die eigene Geltung gerne durch Erfolg beim anderen Geschlecht bestätigen, das war schon immer so. Es hängt auch damit zusammen, dass viele Gespräche abends in vermeintlich gemütlicher Runde beim Wein geführt werden, wo professionelle Distanz und taktische Nähe bisweilen verschwimmen (woran nicht immer der Mann schuld ist!).

Es hat ferner mit so schlichten Dingen zu tun wie der Tatsache, dass nach langen Abenden in Berlin auf manchen Abgeordneten keine Familie wartet, weil die weit weg im Wahlkreis wohnt. In der Konstellation Einsamkeit, Weinseligkeit und Erhabenheit über das eigene Tun halten sich Rituale, die anderswo überwunden sind.

So manche Frau könnte darüber berichten. Viele tun es nicht, weil sie die Angriffe fürchten, derer sie sich dann erwehren müssen - etwa den meist unterschwellig vorgetragenen Vorwurf, ob sie Schlüpfrigkeiten und Tätscheleien nicht selbst provozieren. Oder die Frage, ob sie vielleicht einfach nicht tough genug sind, die raue Realität im Machtgefüge zu ertragen.

Tough ist es, wenn Frauen die Angst vor genau solchen Reaktionen hintanstellen und Dinge trotzdem beim Namen nennen - was nicht heißt, dass jeder Chauvi namentlich an den Pranger gehört.

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