Steinbrück und die SPD:Feind im eigenen Bett

Lesezeit: 5 min

Steinbrück spricht über Entwicklung Ostdeutschlands

Eine Niederlage bei der Bundestagswahl wird die SPD ihrem Kanzlerkandidaten Steinbrück anlasten - fair wäre das nicht.

(Foto: dpa)

Steinbrück wäre nicht der erste, den die SPD höchstselbst zu Fall gebracht hat. Mangelnder Glaube an sich selbst und eine überforderte Parteizentrale machen die Kampagne des Kanzlerkandidaten noch schwerer, als sie ohnehin schon ist. Die Nervosität hat längst nicht mehr alleine die üblichen Verdächtigen befallen.

Eine Analyse von Thorsten Denkler, Berlin

Peer Steinbrück schließt und öffnet den Mund, zieht Grimassen und macht eine Handbewegung, die als international anerkanntes Zeichen für "Plappermaul" durchgeht. Steinbrück macht sich ein wenig lustig über den Mann neben ihm, Matthias Machnig. Der Wirtschaftsminister von Thüringen ist im Kompetenzteam des Kanzlerkandidaten für Energiepolitik zuständig. Sie präsentieren an diesem Donnerstag im Willy-Brandt-Haus gemeinsam ein SPD-Konzept zur Energiewende.

Machnig holt gerne weit aus. Er hechelt durch die Konzeptdetails, jongliert mit Millionen- und Milliardensummen, verspricht Effizienz-, und Netz,- und Speicheroffensive. Und redet auch dann einfach los, wenn erkennbar Steinbrück gerne ein, zwei Sätze gesagt hätte. Kaum zu bremsen, dieser Machnig.

Steinbrücks kleine Gemeinheit aber bekommt er mit. Danach hält er sich jedes Mal erschrocken die Hand vor den Mund, wenn es droht, mit ihm durchzugehen.

Steinbrück ist wieder Chef auf der Bühne. Wenigstens hier und heute kann er das steuern. Ein schon fast seltener Moment in Steinbrücks verkorkster Kandidaten-Kampagne.

Es ist wie fast immer in der SPD: Je näher der Wahltermin rückt, desto intensiver erforschen die Genossen ihren eigenen Bauchnabel. Merkel-Herausforderer Peer Steinbrück hat recht, wenn er sagt, dass im Wahlkampf alle in der Partei auf das eine Ziel fokussiert sein sollten: Dass nämlich er, Steinbrück, Kanzler wird. Nur halten sich manche einfach nicht daran.

Wenn das diesmal nur die üblichen Verdächtigen von den Parteiflügeln vergessen hätten - gebongt. Das war schon immer so. Diesmal aber scheint die gesamte Parteispitze befallen zu sein.

Vorbereitungen für den Feuersturm

Da wird fröhlich über alle möglichen Konstellationen nach der Bundestagswahl spekuliert, sollte es für SPD und Grüne doch nicht reichen. Ganz Tapfere schließen eine große Koalition praktisch aus. Die Pragmatischen sehen darin gar eine Chance.

Da werden schon Vorbereitungen getroffen, wer wie am besten den Feuersturm überlebt, der nach der mittleren bis schweren Niederlage der SPD über die Partei hinwegziehen wird. Ein Parteikonvent soll es richten, ein bis zwei Tage nach der Wahl. Auf jeden Fall aber vor der Wahl des Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. Nach allgemeiner Lesart, um Frank-Walter Steinmeier nicht die Gelegenheit zu geben, sich wie 2009 erneut noch am Wahlabend den Fraktionschefposten zu geben.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema