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SPD:Müntefering redet wohlfeilen Klartext

Franz Müntefering kritisiert den Wahlkampfstart seiner Parteikollegen. Recht hat er ja mit seinen Argumenten - nur warum tut er das? Der frühere SPD-Vorsitzende hat selbst nicht nur Erfolge vorzuweisen.

Franz Müntefering hat mit allem recht. Die Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück war schlecht vorbereitet, der Kandidat hätte nicht politisch umgeschminkt werden dürfen, und die SPD hätte sich zu ihren Reformerfolgen bekennen müssen und nicht nur deren Fehler beklagen dürfen. Nichts dagegen zu sagen. Aber eine Frage darf man Müntefering nach dessen Klartext-Interview schon stellen: Warum tut er das?

Müntefering hat, bei allen Verdiensten, nicht nur Wahlerfolge zu verantworten, sondern auch ein 23-Prozent-Debakel 2009. Dass damals die Kampagne von Frank-Walter Steinmeier, die mit dem Putsch vom Schwielowsee begann, besser vorbereitet gewesen wäre als jetzt die Kampagne von Steinbrück, kann Müntefering selbst schwerlich behaupten. Seine Kritik kommt also etwas wohlfeil daher.

Vor allem aber verstärkt die Intervention den Eindruck, dass in der SPD immer weniger Leute an einen Wahlsieg glauben, auch wenn Müntefering ihn noch so pflichtschuldig wie emotionslos für möglich erklärt.

Der amtierende Parteichef bereitet derweil irgendwelche Sitzungen nach dem Wahltag vor, der Fraktionschef kämpft bereits gegen die Rolle als Sündenbock an. Nur der Kandidat kandidiert weiter vor sich hin. Kein Wunder: Der Mann, den die SPD für gut genug hält, Kanzler zu werden, ist der einzige aus der Führung, für den im Falle einer Niederlage schon jetzt keine Rolle mehr vorgesehen ist.