Satellitennetz:Starlink-Ausfälle erschweren Offensive der ukrainischen Armee

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Satellitennetz: Zwei Hunde machen es sich in der Nähe der von ukrainischen Einheiten befreiten Stadt Lyman neben einem Starlink-Terminal bequem.

Zwei Hunde machen es sich in der Nähe der von ukrainischen Einheiten befreiten Stadt Lyman neben einem Starlink-Terminal bequem.

(Foto: STRINGER/REUTERS)

Es soll zu erheblichen Störungen in der Kommunikation gekommen sein. Die Firma Space-X hatte das Breitband-Satellitennetz der Ukraine gespendet. Hat es deren Chef Elon Musk abgeschaltet?

Von Dieter Sürig

Während die ukrainische Armee in den vergangenen Wochen russisch besetztes Gebiet im Süden und Osten der Ukraine zurückerobern konnte, haben die Soldaten anscheinend erhebliche Probleme mit dem Breitband-Satellitennetz Starlink gehabt. Nach Angaben der Financial Times ist die Verbindung zu Starlink in manchen Regionen abgebrochen, als die Ukrainer im Frontgebiet operierten und in russisch kontrolliertes Gebiet vordringen wollten. Einige der Ausfälle hätten zu einem "katastrophalen" Kommunikationsverlust geführt, so zitiert die FT einen ukrainischen Regierungsbeamten. Betroffen gewesen seien die südlichen Regionen Cherson und Saporischschja, aber auch die Frontlinie im Osten von Charkiw, Donezk und Luhansk.

Das US-Unternehmen Space-X hatte im Frühjahr nach Kriegsbeginn mehrere Tausend Terminals für das Starlink-System in die Ukraine geschickt, gespendet von Space-X, aber auch von der US-Regierung und Privatorganisationen finanziert. Die Terminals sollten den Ukrainern mit einem möglichst sicheren Breitband-Netzwerk flächendeckend ein schnelles Internet bereitstellen. Damit können sie kommunizieren, Drohnen steuern und sich über Satellitenaufnahmen einen Überblick über die Lage verschaffen.

Die Starlink-Ausfälle haben wiederum zu Spekulationen geführt, dass Space-X-Chef Elon Musk zeitweise den Satellitenzugang abgeschaltet habe, weil er in entscheidenden Kriegsphasen verhindern wollte, dass auch russische Soldaten darauf zugreifen können. Space-X und die ukrainischen Truppen sollten sich deshalb besser abstimmen, habe der Koordinator der Prytula-Stiftung nach FT-Angaben gesagt. Die nach eigenen Angaben private Stiftung hat ihren Sitz in Polen und unterstützt die ukrainische Armee. "Was auf dem Schlachtfeld passiert, ist geheim", hatte Musk zum Starlink-Einsatz in der Ukraine getwittert.

Andererseits hatte er vor einer Woche für Empörung gesorgt, weil er per Twitter die Meinung seiner Follower über ein neues Referendum unter UN-Aufsicht in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine abfragte. Während Präsident Wolodimir Selenskij daraufhin per Twitter darüber abstimmen ließ, ob einem ein Elon Musk lieber sei, der die Ukraine unterstützt oder einer, der auf Seiten Russlands ist, reagierte der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk, der noch eine Woche im Amt ist, ein wenig undiplomatischer. "Das einzige Ergebnis ist, dass jetzt kein Ukrainer Ihren verdammten Tesla-Mist kaufen wird. Also viel Glück für Sie", twitterte er empört und legte dann nochmal nach: "Verpissen Sie sich, ist meine sehr diplomatische Antwort an Sie."

Musk: "Offensichtlich sind wir für die Ukraine"

Musk wies jede Parteinahme für Russland zurück und ebenso den Vorwurf, mit dem Ukraine-Krieg Geld zu verdienen, letzteres treffe allenfalls für einen kleinen Teil der Terminals zu: Space-X zahle für das gespendete Starlink-System bis Jahresende mehr als 100 Millionen Dollar aus eigener Tasche. "Unsere Unterstützung für Russland beträgt Null Dollar. Offensichtlich sind wir für die Ukraine", twitterte er und rechtfertigte auch seinen Vorschlag für ein neuerliches Referendum in den annektierten Gebieten der Ukraine. "Der Versuch, die Krim zurückzuerobern, wird zu massiven Todesfällen führen, wahrscheinlich scheitern und einen Atomkrieg riskieren. Das wäre schrecklich für die Ukraine und die Erde." Er sei ein großer Fan der Ukraine, wolle aber keinen dritten Weltkrieg.

Dass mit Elon Musk derzeit ein Milliardär weltweit darüber entscheiden kann, ob ein abgelegenes Gebiet mit schnellem Internet versorgt wird oder nicht, stößt unterdessen zunehmend auf Kritik. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton will deswegen Mitte des Jahrzehnts ein unabhängiges europäisches Breitband-Satellitennetz für Sicherheitsbehörden, Unternehmen und Bürger aufbauen, dessen Konzept gerade entwickelt wird.

Space-X wird über kurz oder lang aber noch weitere Konkurrenten bekommen: Die britisch-indische Firma Oneweb hat bereits etwa 400 Satelliten gestartet, um ein Breitbandnetz für Internet aus dem All aufzubauen, Amazon plant unter dem Namen Kuiper eine ähnliche Konstellation. Aber auch das Starlink-System von Space-X ist noch nicht fertig. Die Kalifornier haben zwar bereits etwa 3450 Satelliten im Orbit, geplant sind aber zunächst mindestens 12 000 Stück.

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