SPD: Kurt Beck Der Wiedergeborene

Offen, humorvoll und demonstrativ selbstbewusst: Zwei Jahre nach seinem Rücktritt als SPD-Chef hat Kurt Beck wieder zu sich selbst gefunden. Für den Rheinland-Pfälzer gibt es einigen Grund, Genugtuung zu empfinden.

Von Marc Widmann und Susanne Höll, Bornheim

Es geht ihm blendend. Kurt Beck eilt durch den Baumarkt, nimmt mal einen Abbruchhammer in die Hand, streckt mal die Arme in den Whirlpool und grüßt jeden Kunden, als würden sie seit Jahren gemeinsam Urlaub machen.

Auf seiner Sommerreise besuchte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) auch einen Baumarkt. Der Inhaber schenkte ihm einen Werkzeugkasten, mit dem er ruhig auch Reparaturen in der SPD vornehmen könne.

(Foto: ddp)

Besonders viel Herzlichkeit schenkt er einem braunen Dobermann. "Wie heißt Du denn", will er wissen, "Grimmo", sagen die Besitzer. "Dann alles Gute", ruft der fröhliche Kurt Beck, "und vergesst mir den Hund ned, kauft was Schönes für ihn." Als ihm der Inhaber dann einen Werkzeugkasten schenkt, mit dem er ruhig auch Reparaturarbeiten in der SPD vornehmen könne, lacht Beck herzlich.

Die Bitterkeit ist weg. Wer ihn vor zwei Jahren erlebte, sagt heute: Er ist ein anderer Mensch. Er ist wieder er selbst.

Vor zwei Jahren war Beck ebenfalls auf Sommerreise, es sollten seine letzten Wochen als SPD-Chef sein, und an diesem Abend brach alles auf. Jeder konnte hören, wie tief gekränkt er war, nach dem Abendessen schrie er seinen Frust regelrecht heraus über das Zerrbild, das man von ihm zeichne, über den fehlenden Respekt, die Herabwürdigung. An den Tischen trat betretenes Schweigen bei den mitreisenden Reportern ein. "Jetzt ist es passiert", sagte Beck danach. Es war der Anfang vom Ende. Wenig später, am 7. September 2008, trat er am Schwielowsee als SPD-Chef zurück.

Im Wolfsrudel

Jetzt geht es wieder auf Mitternacht zu, wieder sitzt Beck bei den Journalisten, sein Gesicht ist gebräunt nach zwei Wochen Urlaub an der Mosel mit viel Fahrradfahren. Er spricht wieder offen, er kann sich schlecht verstellen. Damals in Berlin sei er sich vorgekommen wie in einem Wolfsrudel. Die Wölfe waren überall, nicht zuletzt in der eigenen Partei. "Ich habe gedacht: Ich biete euch Loyalität, und ich bekomme auch Loyalität", sagt er. Mit dieser Einstellung hat er aus seiner Sicht alles gemacht. Er war ein wenig naiv in dieser Hinsicht, wohl auch deshalb, weil es in Rheinland-Pfalz kaum Wölfe gibt. "Hier muss man sich nicht dauernd anfletschen", sagt Beck.

Dass er heute reden kann über diese Zeit, liegt auch daran, dass er sie über Monate hinweg aufgearbeitet, "die Erfahrungen mehrfach durchdacht" hat. Damals, sagt er, hat der Boden in der SPD einfach noch zu sehr gewackelt nach all den Erschütterungen. Vielleicht hätte er das in den Griff bekommen können, wenn er sich voll darauf konzentriert hätte, aber er hatte noch sein Amt in Mainz.

"Ich konnte nicht so präsent sein, um alle Flöhe husten zu hören", sagt Beck. Und er verzichtete darauf, seine Leute in der Parteizentrale zu installieren. "Ich hätte auch sagen können: Wenn du ins Wolfsrudel gehst, musst du auch beißen oder einen Beta-Wolf haben, der für dich beißt, wenn du nicht da bist." Im Nachhinein betrachtet wäre das besser gewesen. So bleibt bei ihm das Gefühl, dass vor allem er gebissen wurde.

Diese Fehler sieht er selbst. "Ich hätte Tabula Rasa im Willy-Brandt-Haus machen müssen", sagt er zum Beispiel, aber Groll, nein, den hege er nicht mehr. "Ich bin niemandem böse", sagt Beck, und es klingt nicht ganz glaubwürdig, bis er hinzufügt: "Aber ich muss ja auch nicht jeden umarmen." Vorsichtiger sei er geworden, "sehr viel vorsichtiger".

Lesen Sie weiter, warum Beck auch nach seinem Rücktritt weitermachte und warum er nichts Böses über Sauerländer sagen will.

Politiker im Urlaub

Mit Bambi und Brusthaar