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SPD:Ein Überläufer soll Gabriel zum Erfolg führen

  • Als Berater soll Thomas Hüser SPD-Chef Gabriel auf dem Weg zur Bundestagswahl helfen.
  • Die Personalie ist geeignet, dem Parteichef und möglichen Kanzlerkandidaten Gabriel neuen Ärger zu bereiten.
  • Das frühere CDU-Mitglied hatte der SPD Ende vergangenes Jahr eine Wahlniederlage gewünscht.

So einen hat es vielleicht noch nicht gegeben in den 150 Jahren der deutschen Sozialdemokratie. Thomas Hüser sitzt in der Düsseldorfer Kneipe "Zicke" und trägt ein blaues Hemd, in dessen Brusttasche seine Initialen eingestickt sind. Das sieht eher nach Arbeitgeberverband aus als nach SPD-Ortsverein. Und Hüser war bis vor Kurzem noch in der CDU. Er war auch gar nicht unzufrieden mit der Partei. Ausgetreten ist er trotzdem.

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Er habe einen "Riesenrespekt" vor Merkel - sagt Wolfgang Clement. Doch ginge es nach dem früheren Super-Minister, wäre sie schon lange nicht mehr Bundeskanzlerin.

Das sei ein Zeichen der inneren Hygiene, sagt er. Hüser ist seit Neuestem Berater von Sigmar Gabriel, er soll ihm auf dem Weg zur Bundestagswahl helfen. Zweimal hat er sich mit Gabriel zum Abendessen getroffen, man hat sich offenbar gut verstanden. Hüser hat auch an Parteitreffen teilgenommen, teilweise inkognito, so erzählt er das: Bei einem habe er den Sicherheitsausweis einer Servicekraft bekommen und sei von Wolfgang Tiefensee gebeten worden, seinen Kaffeebecher wegzuräumen.

Klingt alles ganz amüsant. Trotzdem ist die Personalie Hüser geeignet, dem Parteichef und möglichen Kanzlerkandidaten Gabriel neuen Ärger zu bereiten.

Misstrauen bei der SPD

Das Verhältnis zwischen Gabriel und diversen weiteren Spitzengenossen ist seit einiger Zeit angespannt. Gabriels Agieren in den Debatten über die Vorratsdatenspeicherung und den Umgang mit Griechenland hat die Spannungen zuletzt noch verschärft. Als dann kürzlich der Name Hüser bekannt wurde, erregte das im Willy-Brandt-Haus erhebliches Misstrauen. Berater von außen sind in der Parteizentrale ohnehin nicht allzu hoch angesehen. Und solche mit dem politischen Hintergrund von Thomas Hüser erst recht nicht.

Hüser betreibt in Essen eine PR-Agentur mit einem ansehnlichen Kundenstamm. Heikel ist allerdings die Tatsache, dass nicht wenige Auftraggeber aus dem Dunstkreis von Bodo Hombach stammen, mit dem er gut befreundet ist. Hüser macht Werbung für den Initiativkreis Ruhr, dem Hombach lange vorstand, und für die Brost-Stiftung der WAZ-Erben, deren Geschäftsführer der ehemalige Kanzleramtsminister lange war.

Eine Freundschaft mit Hombach kann sehr einträglich sein, sie verhilft aber nicht unbedingt zu einer Karriere in der SPD - zumindest nicht in Nordrhein-Westfalen, wo Hombach verhasst ist, weil er gegen SPD-Landeschefin Hannelore Kraft stänkerte und mit deren CDU-Kontrahenten Jürgen Rüttgers fraternisierte. Wenn Gabriel Anlauf aufs Kanzleramt nehmen will, braucht er die NRW-Genossen und die Unterstützung von Kraft. Doch es war ausgerechnet Hombach, der ihm den PR-Mann Hüser empfahl.

Der sitzt in der Düsseldorfer "Zicke" und spricht darüber, was die SPD im Wahlkampf anders machen könne. "Die SPD hat für viele Einzelprobleme eine Lösung in ihrem Programm stehen, aber die Partei ist nicht sehr gut darin das Gefühl zu vermitteln, eine Partei für Deutschland zu sein", sagt er. Alles in allem klingt Hüser doch sehr nach Bodo Hombach, der für Johannes Rau einst den Slogan "Wir in Nordrhein-Westfalen" erfunden hat. Hüser lacht, als man ihm das sagt.

In Nordrhein-Westfalen ist der Essener PR-Profi Thomas Hüser, 44, eine feste Größe. Jetzt soll er das Image der SPD aufpolieren.

(Foto: privat)

Hüser wünschte der Partei eine Wahlniederlage

Im Willy-Brandt-Haus dürften sie auf seine Vorschläge nicht unbedingt gewartet haben. Aber das ist noch nicht alles: Vor nicht einmal einem Jahr wünschte Hüser seinem neuen Kumpel Gabriel noch eine deftige Niederlage an den Hals.

Als Ende vergangenen Jahres in Thüringen über ein rot-rot-grünes Bündnis verhandelt wurde, schrieb Hüser auf die Facebook-Seite von Gabriel: "Kurt Schumacher, einer der Amtsvorgänger von Sigmar Gabriel, hatte die treffende Bezeichnung für die SED: ,rotlackierte Faschisten'. Nun tragen die SED-Wölfe Gabriels frischgewaschene Schafspelze - und schalmeien gemeinsam in der neuen rot-rot-grünen Einheitsfront". Der Wähler werde das "merken", prognostizierte Hüser: "Gabriel wird beim nächsten Mal wieder 20 plus x einfahren . . . Und das ist auch gut so . . ."

Den Eintrag ausgegraben hat die Welt am Sonntag - und Hüser befragt, wie es denn nun weitergehe? Er werde "alles dafür tun, dass meine Einschätzung revidiert wird", so ließ sich der einstige Christdemokrat zitieren. Danach verabschiedete er sich in den Urlaub, zusammen mit Bodo Hombach auf dessen Insel vor Vancouver.

Angesichts dieser Umstände klingen die ersten Reaktionen aus der Partei auf ihn fast moderat. "Ich gehe doch mal davon aus, dass unsere Entscheidungen am Ende in der Parteiführung getroffen werden und nicht von sogenannten Beratern", sagt Parteivize Ralf Stegner. "Ich habe jedenfalls meine Zweifel, ob alle, die öffentlich so selbstbewusst auftreten, immer den Einfluss haben, den sie sich selbst zuschreiben." Manche Leute, so Stegner, "machen sich einfach gern wichtig". Und der NRW-Genosse Sascha Vogt, Mitglied im Bundesvorstand und ehemaliger Juso-Chef, giftet Richtung Hüser: "Politik hat nicht nur etwas mit guter Technik, sondern auch mit inhaltlicher Überzeugung zu tun. Sonst wäre sie beliebig." Doch die Partei werde "bei der programmatischen Aufstellung für ein eigenständiges Profil mit klarer Abgrenzung zur Union sorgen".

Allerdings legte Hüser, der offenbar bislang ohne Vertrag für Gabriel arbeitet, noch am Sonntag nach: Via welt.de attestierte er der SPD eine "Selbstverzwergung". Sie solle offensiv fordern, "die Belastungen für kleinere und mittlere Einkommen zu senken". Solche Sätze dürften bei den Genossen ähnlich viel Freude auslösen wie eine (frühere) CDU-Mitgliedschaft.

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