Wahlergebnis der SPD "Die rechte Hand wusste oft nicht, was die linke will"

Während des Wahlkampfs habe die rechte Hand oft nicht gewusst, was die linke will, so die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles.

(Foto: dpa)
  • Mit Interviews und Datenauswertungen hat eine externe Arbeitsgruppe das schlechte Abschneiden der SPD bei der Bundestagswahl im vergangenen September untersucht.
  • Der SPD-Vorsitzenden Nahles zufolge fehlte es an klaren Führungsstrukturen und Teamwork.
  • Schuldzuweisungen an die damalige Parteispitze soll es aber nicht geben.

Für das Bundestagswahl-Debakel der SPD im September sollen unter anderem ein Mangel an Teamwork und an klaren Führungsstrukturen verantwortlich sein. Das sagte SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles dem Spiegel unter Berufung auf eine Analyse einer externen, aber SPD-nahen Arbeitsgruppe, deren Ergebnisse am Montag präsentiert werden sollen.

Ein konkretes Problem sei dem Bericht zufolge die Organisation der Parteizentrale gewesen, so die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles. "Im Willy-Brandt-Haus gab es keine klaren Führungsstrukturen, zu wenig Teamwork. Die rechte Hand wusste oft nicht, was die linke will." Außerdem hätten die klaren Botschaften gefehlt. "Die Genossen an den Infoständen wussten nicht: Was sind die fünf Ziele, für die wir kämpfen?"

Keine Schuldzuweisungen

Außerdem heiße es in dem Bericht, die lange offen gelassene Kandidatenfrage sei ein Kardinalfehler gewesen. Als Konsequenz daraus will die SPD ihre Kanzlerkandidaten in Zukunft früher nominieren. "Wir wollen die Spitzenkandidatur früher und geordneter erklären, als das bisher der Fall gewesen ist", sagte Nahles in Berlin. Die SPD habe "mehr als einmal denselben Fehler gemacht."

In Bezug auf den erst gefeierten und dann tief gefallenen Parteivorsitzenden Martin Schulz sagte sie, nicht eine einzelne Person an der Spitze sei verantwortlich für die Misere gewesen. "Schuldzuweisungen wären bequem. Dann hast du die Sache abgehakt und musst nix mehr ändern. Das lässt dieser Bericht nicht zu, da wird nichts beschönigt." Die SPD war bei der Bundestagswahl auf 20,5 Prozent abgestürzt. In Umfragen liegt sie aktuell noch darunter.

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