Barley-Nachfolge Christine Lambrecht soll Justizministerin werden

Sie beerbt damit Katarina Barley, die als Abgeordnete ins Europaparlament wechselt. Lambrecht ist zurzeit Staatssekretärin im Finanzministerium - und gilt als Notlösung.

Von Gökalp Babayiğit und Mike Szymanski, Berlin

Die hessische Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht soll Nachfolgerin der scheidenden Justizministerin Katarina Barley werden. Nach SZ-Informationen soll Lambrecht, bisher Parlamentarische Staatssekretärin im Finanzministerium, zum 1. Juli das Ministeramt übernehmen. Katarina Barley, Spitzenkandidatin der SPD bei der Europawahl, wechselt als Abgeordnete ins Europaparlament.

Mit dem plötzlichen Rückzug von Parteichefin Andrea Nahles war auch der Fahrplan für die Barley-Nachfolge ins Wanken geraten. Wochenlang blieb die Personalie offen. Die an diesem Mittwoch 54 Jahre alt werdende Lambrecht gilt unter den gegebenen Umständen als Notlösung. Sie gehörte bisher nicht zum Favoritenkreis.

Für zwei mögliche Kandidatinnen, die Generalsekretärin der Hessen-SPD, Nancy Faeser, und die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig, war der Schritt in die Bundespolitik angesichts der ungewissen Zukunft der großen Koalition zu riskant. Beide hätten ihre Funktionen in Wiesbaden und Mainz aufgeben und ihre regionale Verwurzelung hinter sich lassen müssen, ohne zu wissen, wie lange Schwarz-Rot im Bund noch weiterregieren wird.

Für die Juristin Christine Lambrecht ist das Risiko weitaus geringer. Sie wäre dank ihres Bundestagsmandats auch nach Ende der Koalition einigermaßen abgesichert.

Lambrecht gilt als ehrgeizig und durchsetzungsfähig. Kanzlerin Angela Merkel kennt sie, weil Lambrecht schon wiederholt Vizekanzler Olaf Scholz auf der Regierungsbank im Bundestag vertreten hat. In ihrer Zeit als Parlamentarische Geschäftsführerin machte sie sich nicht nur Freunde - auch nicht in der eigenen Partei. Lambrecht gehört zum linken Flügel der SPD. Die Sympathie für sie in der SPD ist sehr unterschiedlich ausgeprägt.

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